Aufgeplusteter Wahlkampf

Die NPD blamiert sich in Bremen. Rechter Szeneladen „Sportsfreund“ zieht um.

Dienstag, 26. April 2011
Andrea Röpke / Otto Belina

In Bremen genießt die NPD wenig Handlungsspielraum. Das zeigte sich auch am Ostersamstag, als gerade mal ein Dutzend Teilnehmer eine Wahlkampfkundgebung gegen die Glaubensgemeinschaft der Salafisten durchführen wollten. Obwohl sehr konspirativ geplant und kaum mobilisiert wurde, fanden sich bereits vor der Ankunft der Neonazis rund 200 Gegendemonstranten in dem multikulturell geprägten ehemaligen Arbeiter-Stadtteil ein.

Fünf NPD-Aktivisten, darunter Thorsten und Gerold Schibblock sowie Markus Privenau wurden bereits auf dem Hinweg auf der Gröpelinger Heerstraße von Gegendemonstranten umstellt. Sie konnten nur mit einem Riesenaufgebot an Polizei zur Kundgebung eskortiert werden. Dabei kam es zu Rangeleien und Flaschenwürfen. Die Situation war angespannt. Aufgebracht drohte ein Beamter Journalisten: „Hier ist die Pressefreiheit“ aufgehoben!“

Außer Sichtweite des „Kultur- und Familienvereins“ der Salafisten in einem ehemaligen Kindergarten durfte das kleine Häufchen Neonazis sich auf einer Straßenkreuzung aufbauen. Zuvor war auch ihr Einsatzfahrzeug für den Wahlkampf entglast worden. Sichtlich genervt las Spitzenkandidat Matthias Faust seine von den aktuellen Warnungen des Bremer Verfassungsschutzes inspirierte Rede vor. „Glaubensfreiheit Ja! Gottesstaat Nein!“, „Ist der Ali kriminell, in die Heimat, aber schnell“ oder „Bildung wie in Finnland: Pisa Platz 1 – Ausländeranteil 2 %“ stand auf den rechtsextremen Plakatträgern und Transparenten.

Ausländerfeindliche Provokation

Kioskbetreiber Ali Koga hielt seinen Laden geschlossen, bis die NPD weg war. Er empörte sich laut „Weser-Kurier“ darüber, dass eine Partei, die als ausländerfeindlich gilt, gerade in Gröpelingen demonstriert, das sei eine Provokation. Andere Passanten wunderten sich: „So viel Aufwand für so wenige!“ Am Ende wurden die Neonazis von der Einsatzleitung der Polizei in Taxis gesetzt und aus dem Stadtteil in Richtung Norden geschleust.

Zwar säumen zahlreiche Plakate die Bremer und Bremerhavener Straßen, doch ist der Wahlkampf völlig aufgeplustert. Auf Werbefotos im Internet zeigen sich die Spitzenkandidaten Matthias Faust und Jens Pühse fröhlich bei zahlreichen Infoständen, umgeben von vermeintlich interessierten Bürgern. Bei genauerer Betrachtung entpuppen die sich jedoch als bekannte Neonazis und Wahlkampfhelfer. Auch die Mobilisierung zu „Sozialkongress“ mit führenden NPD-Politikern und Demonstration am 30. April verläuft bisher nur schleppend. Einzig Busse mit Anhängern aus Sachsen und Thüringen werden angekündigt.

Stark tätowierte Besucher

Das darf jedoch nicht über eine schleichende rechte Alltagskultur in der Region hinwegtäuschen. Denn während es der Neonazi-Partei nur wenig gelingt, sich in der Hansestadt zu etablieren, die NPDler sich mit ihren Treffen und Feiern in kleineren Räumlichkeiten begnügen müssen, findet der Szeneladen „Sportsfreund“ mitten in der Innenstadt mehr Zulauf. Vergangene Woche fielen zahlreiche stark tätowierte, breitschultrige Kunden und Besucher auf, die meisten wohl mit der neuen CD der Bremer rechten Hooligan-Band „Kategorie C - Hungrige Wölfe“ (KC) bestückt. Bei Facebook bewerben auch viele NPD-Aktivisten den neuen Musikträger. Am Konzert von KC im September vergangenen Jahres im Landkreis Verden nahmen neben Skinheads, Hooligans, Rockern auch Parteigänger teil.

Auf Druck von öffentlichen Protesten und vor allem der antifaschistischen Kampagne „Ladenschluss“ wurde dem Betreiber des „Sportsfreund“ gekündigt. Die Rollläden des von außen stark beschmierten Geschäftes sind geschlossen. Karfreitag wurden die ersten Kartons und Schaufensterpuppen ins neue Quartier in der Falkenstraße, nahe dem Bahnhof, gebracht. Hier soll man sich weniger an den Neonazi-Marken Pitbull oder Erik & Sons stören. Angeblich gehöre der Besitzer des Hauses dem Umfeld der Hells Angels an, heißt es in Bremen. Während des Umzugs jammert der „Sportsfreund“-Betreiber auf seiner Homepage im Internet: „Ich verwahre mich gegen Sympathieäußerungen von Rechtsradikalen. Wer etwas gegen Thor Steinar hat, sollte diese Produkte nicht kaufen. Dieses Label wird von vielen getragen und auch im Internet nachgefragt, die mit Neonazis überhaupt nichts am Hut haben. Lasst mich und mein Geschäft in Frieden.“

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