von Oliver Cruzcampo
   

Aufgelöstes Konzert: Verbindungen zu NPD und „Blood and Honour“

Zu dem am vergangenen Wochenende durch die Polizei aufgelösten Rechtsrock-Konzert in Greifswald sickern immer neue Details durch. So soll der Anmelder ein NPD-Funktionär sein, der durch logistische Unterstützung regionaler Parteikader Unterstützung erhielt. Zudem soll der Szene-Event dem verbotenen „Blood and Honour“-Netzwerk zuzurechnen sein.

In der Halle sollte das Konzert stattfinden.

Die rechtsextreme Szene wollte am letzten Freitag das größte konspirativ organisierte Konzert seit Jahren durchführen. 500 Teilnehmer waren angereist und wollten in einer alten Lagerhalle in Greifswald mehreren Bands lauschen. Doch die Polizei konnte das Konzert unterbinden, die Neonazis wurden nach Hause geschickt. Zuvor waren bereits von über 250 Personen die Personalien aufgenommen worden, gegen drei Konzertbesucher werde wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Verstoß gegen das Vermummungsverbot ermittelt.

Nun wurden weitere Details zu der unterbundenen Veranstaltung publik. So soll laut den Potsdamer Neuesten Nachrichten der NPD-Politiker Robert Wolinski als Organisator fungiert haben. Der Mann ist Stadtvertreter für die NPD in Velten (Landkreis Oberhavel) und kandidierte zudem für den Kreistag der Region.

Der 26-Jährige Student scheint eng mit der rechtsextremen Szene in M-V verbandelt zu sein. Bereits im Juli 2013 hatte Wolinski ein Konzert im ehemaligen Schweinestall bei Pasewalk angemeldet, letztendlich fand es jedoch im brandenburgischen Finowfurt statt. Auch dieses Konzert, das nach zwei Stunden von der Polizei aufgelöst wurde, war mit 700 Besuchern eines der größten deutschlandweit.

Laut Nordkurier sollen regionale Kader der NPD und Kameradschaften logistische Unterstützung geleistet haben und auch auf dem Konzert gesichtet worden sein. Die Polizei, die am Abend mit Stein- und Flaschenwürfen attackiert wurde, rechnet das Konzert dem Umfeld der in Deutschland verbotenen „Blood and Honour“-Organisation zu.

Mehrere Bands sollten am Freitagabend in Greifswald auftreten. Eine Band soll aus dem Raum Rostock stammen, eine weitere aus dem Süden Deutschlands. Zudem seien Auftritte von Gruppen aus Finnland und Estland geplant gewesen.

Für die rechtsextreme Musikszene ist das verhinderte Konzert ein weiterer Rückschlag. Erst kürzlich wurde ein Auftritt von Lunikoff alias Michael Regener verhindert. Es war bereits der zweite erfolglose Anlauf des Ex-Landser-Sängers. Die bislang gern für Rechtsrock-Konzerte genutzten Treffpunkte wie das Thinghaus in Grevesmühlen oder der ehemalige Schweinestall in Viereck bei Pasewalk sind durch behördliche Auflagen kaum noch nutzbar für Musikveranstaltungen.  

Foto: Fleischervorstadt-Blog

Kommentare(1)

Arnonym Mittwoch, 05.November 2014, 07:28 Uhr:
Ist auch bekannt warum das Konzert nach 2 Stunden abgebrochen wurde?

Ich kanns mir zwar vorstellen, aber die Info wäre doch ganz angenehm.
 

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