Auf fremdenfeindlicher „Mission“

Athen/Lesbos/Berlin/Stolberg – Um für den AfD-nahen „Deutschland Kurier“ aus Griechenland zu berichten, ist der rechte Medienaktivist und Blogger Oliver Flesch mit einem Rechtsextremisten unterwegs, der seit längerem Justiz und Staatsschutz der Polizei beschäftigt.

Dienstag, 10. März 2020
Redaktion

Gegen den 43-Jährige Robert P. aus Stolberg bei Aachen laufen nach eigenen Angaben unterdessen über 20 Strafanzeigen und Ermittlungsverfahren. Mindestens zwei Anklageschriften stellte das Amtsgericht Eschweiler dem Mann schon zu. (bnr.de berichtete) P. soll unter anderem einen Staatsschützer des Polizeipräsidiums Aachen via Posting und Videoclip beleidigt haben. In den meisten Fällen ermittelte die Polizei aber wegen rechtsextremer und fremdenfeindlicher Postings des Mannes.

„Weiter an die Front nach Lesbos“

P.s Rolle an Fleschs Seite ist nicht ganz klar. Mal will er nur ein Begleiter sein, ein andermal wird er offenbar als Übersetzer benannt. Flesch berichtet auf der gemeinsamen Reise für den AfD-nahen „Deutschland Kurier“, beides nach eigene Wahrnehmung Kämpfer gegen die „etablierten“ Medien respektive „Lügenpresse“. So berichtete das Blatt auf seiner Onlineseite am 4. März: „‘Deutschland Kurier‘-Reporter Oliver Flesch und Stefan Bauer sind nach Griechenland geflogen. Im Moment berichten sie aus Athen, heute Abend geht es weiter an die Front, also nach Lesbos.“ Dazu veröffentlich wurde ein Video mit dem Interview einer „Griechin“, die Flesch in deutscher Sprache Rede und Antwort steht.

Titel des Videos: „Wir haben die nicht eingeladen!“ In dem Video wird klar dass die Interviewte die Mutter von Robert P. ist, auch P. selbst gibt in einem VK.com-Posting zu, seine „Mutti“ werde interviewt. P. sitzt dabei im Hintergrund. Vermeintlich tritt die Mutter dabei als einfache Bürgerin in Erscheinung, transportiert aber fremdenfeindliche Stereotype. Angeblich sei sie in Aachen vor zwei Jahren mit dem Bus gefahren, habe später in einem Park gesessen und sei dabei immer die einzige Europäerin gewesen, alle anderen Menschen seien demnach nicht europäische Zuwanderer gewesen. Sie habe sich „ganz schrecklich gefürchtet“.

„Nur ein toter Moslem ist ein guter Moslem“

In die Schlagzeilen gerieten Flesch, Bauer und P. an diesem Wochenende auf der Ägäis-Insel Lesbos, weil sie mit linken Demonstranten aneinandergeraten waren. Der Blogger schrieb zu dem Vorfall in den sozialen Medien: „Wir wurden von etwa 20 bis 25 Antifa-Anhängern eingekesselt.“ Die Polizei habe die Lage dann langsam beruhigt. Die Online-Ausgabe der Inselzeitung „Sto Nisi“ publizierte von dem Vorfall ein Foto, auf dem das Trio zu sehen ist. Auch in einem Video von Flesch kann man ihn, Bauer und P. in Aktion sehen. Flesch selbst erklärt in der Abmoderation zu dem Video: „Wie die meisten von Euch wissen waren wir für den ‚Deutschland Kurier‘ unterwegs.“

Mit wem Flesch unterwegs ist um authentisch aus Griechenland berichten zu wollen wurde am Montag erneut klar. P. postet auf VK.com: „Da steht sowieso noch ein Krieg an und ich werde als ehemaliger Elitesoldat […] in dieses Land einmarschieren und jeden Drecks-Moslem abknallen. Nur ein toter Moslem ist ein guter Moslem und die Geschichte hat gezeigt, dass wir diese Pest nur loswerden können, wenn wir sie komplett ausrotten. Bewaffnet euch, egal wie und woher.“ Offenbar wurde den Beteiligten unterdessen jedoch bewusst, wie heikel ein solcher Text sich auf die aktuelle „Mission“ auswirken kann. Unterdessen hat P. diesen wieder gelöscht. (mik)

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