von Redaktion
   

Attacken auf Medienvertreter bei Münchner Pegida-„Spaziergang“

Es sind in den meisten Städten nur noch wenige Dutzend Pegida-Anhänger, die sich Montag für Montag zu ihren „Spaziergängen“ versammeln. Unter den Teilnehmern steigt nicht nur der Frust, sondern auch die Aggressivität. Längst hat die Parole „Lügenpresse auf die Fresse“ Früchte getragen. Wie gestern in München, wo Pressefotografen attackiert wurden.

Pegida-Demonstration gestern in München (Foto: Sascha Arnhoff)

Rechtsextremisten wendeten, so ist im heute in Berlin vorgestellten Verfassungsschutzbericht 2014 zu lesen, eine „strategische Gewalt“ an, um „Hassobjekte einzuschüchtern“. Neben Asylbewerbern geraten zunehmend Journalisten in ihr Fadenkreuz. Gegenüber dem Tagesspiegel sprach ein hochrangiger Sicherheitsexperte, mit Blick auf die militante Vorgehensweise der in der Splitterpartei Die Rechte organisierten Dortmunder Neonazi-Szene, von einer „Strategie wie die der NSDAP“.

Hohe Gewaltbereitschaft

„Die Medien“ gehören seit jeher – neben Flüchtlingen, Politikern oder den USA – zu den wichtigsten Feindbildern der abflauenden Pegida-„Bewegung“. Kaum ein „Spaziergang“, auf dem die „besorgten Bürger“ nicht die Parole von der „Lügenpresse“ anstimmten. Mancherorts erklärten die selbsternannten Verteidiger des Abendlandes Journalisten und Kamerateams zu Freiwild und forderten „Lügenpresse auf die Fresse“. In einem derart enthemmten Klima, in dem jegliche Moral zur Seite gekehrt wird, ist es nur ein kurzer Weg, bis Taten Worten folgen.

Der Fachjournalist Robert Andreasch berichtete gestern auf Twitter von gewalttätigen Angriffen bekannter Neonazis am Rande der Münchner Pegida-Demonstration, zu der sich nach Augenzeugenberichten knapp 100 Islamfeinde versammelten. Im Internet kursieren Videos, die Jagdszenen und Schlägereien zeigen. Ein anderer Vorfall, den Andreasch ebenfalls beobachtete, wurde in einem Video festgehalten.

Übergriff auf Fotojournalisten

Während Birgit Weißmann, Organisatorin der „Spaziergänge“ in der bayerischen Landeshauptstadt, ihre letzten Getreuen auf die Veranstaltung einschwört, nähert sich der Fotograf und Videomacher Felix Benneckenstein, der regelmäßig für ENDSTATION RECHTS. zur Feder greift. Sofort bespritzt ihn ein Pegida-Sympathisant mit Wasser, ein weiterer schubst ihn barsch zur Seite. Damit nicht genug: Der erste Angreifer setzt erneut zu einer Wasserattacke an – die Rednerin verdreht derweil die Tatsachen und spricht von „lästigen Journalisten“ –, und trifft dabei die Kamera des Vorsitzenden der Aussteigerhilfe Bayern. Schnell nimmt sein Kumpane ein Schild mir der kruden Botschaft „Wer für Alles! offen ist ist nicht ganz dicht!“ [sic!] zur Hand, um weiteren Fotografen die Dokumentation des Angriffs zu erschweren.

Benneckenstein zeigte sich entsetzt, Szenen mit einer derartigen Aggressivität wie bei der oben genannten Jagd sei er aus München normalerweise nicht gewohnt. Zumal die Polizei bei der Pegida-Veranstaltung in den anwesenden Medienvertretern und nicht in den „Wutbürgern“ „Provokateure“ zu erkennen glaubte. Nach einer ersten Begutachtung sei der Fotoapparat wahrscheinlich defekt, sagte er ENDSTATION RECHTS.. Eine Strafanzeige werde in den nächsten Tagen folgen.   

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