von Oliver Cruzcampo
   

Asylfeinde in Rostock: Gegen Flüchtlinge, gegen die Presse, gegen Politiker

Asylfeindliche Demonstrationen gibt es derzeit in etlichen Städten Mecklenburg-Vorpommerns, am Sonnabend marschierten nun über 500 Personen auch durch Rostock. Die Anschläge von Paris wurden thematisiert, um weiter Ressentiments gegenüber Flüchtlingen zu schüren. Doch rund doppelt so viele Menschen stellten sich den Rechten entgegen.

Pünktlich zum Eintreffen der Asylgegner setzte in Rostock am Samstagnachmittag der Regen ein. Rund 550 Teilnehmer hatten sich auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt, um „Für die Zukunft unserer Kinder“ auf die Straße zu gehen. Inhaltlich wurden gleich zu Beginn die Terroranschläge des gestrigen Abends in Paris aufgegriffen. So gab der Veranstalter David Bühring Kanzlerin Angela Merkel eine Mitschuld an den Vorfällen, kurz darauf kamen die üblichen „Merkel muss weg“-Parolen. Es folgte eine Schweigeminute für die Opfer, „Amazing Grace“ wurde abgespielt – vorab sah sich Bühring jedoch veranlasst, die Teilnehmer darum zu bitten, „keine fremdenfeindlichen Ausrufe während des Liedes“ zu skandieren.

Der Zug setzte sich anschließend Richtung Steintor in Bewegung, passiert werden musste die Gegenveranstaltung, an der sich rund 1.000 Personen beteiligten. Diese hatten sich zuvor am Steintor versammelt. „Es hat sich erneut gezeigt, dass es sich hier nicht um vermeintlich besorgte Bürger handelt. Unter den Teilnehmenden des rassistischen Aufmarsches waren Neonazigruppen wie die `Nationalen Sozialisten Rostock´ und NPD-Funktionäre wie David Petereit zu sehen“, heißt es in einer Pressemitteilung des veranstaltenden Bündnisses „Rostock nazifrei“.

In der Tat hatten sich in den asylfeindlichen Aufzug etliche bekannte Neonazis aus der lokalen und regionalen Kameradschaftszene eingereiht und bestimmten so die äußere Wahrnehmung der Demonstration. „Wir wollen keine Asylantenheime“, „Lügenpresse“ und „frei, sozial und national“ wurde auf der insgesamt rund zwei Kilometer langen Strecke skandiert.

Die beiden umtriebigen Veranstalter der Demos in Schwerin und Wismar, Torsten Schramke und David Bühring, zogen heute mit ihren Anhängern vor den Sitz des NDR-Gebäudes in Rostock, um dort ihre Sicht auf die „Lügenpresse“ weiter zu verbreiten. Den Wahrheitsgehalt der Rede Schramkes schienen hingegen die Wenigsten zu hinterfragen. Angebliche Berichte von Übergriffen auf „Patrioten“, die bislang die Öffentlichkeit nicht erreichten, wurden geschildert, „die Antifa“ mit Terroristen gleichgesetzt. Eine Rednerin am Bahnhof holte zum Rundumschlag aus: „Wir kämpfen gegen die Presse, gegen die Politik und gegen die Leute, die uns zerstören wollen.“

Für die Veranstalter, die enge Kontakte zur NPD pflegen, soll sich die Spirale des Hasses weiterdrehen. Doch der Gegenwind in Rostock ist stärker als in kleineren Städten und Gemeinden. Für kommendes Wochenende wird wieder für Schwerin mobilisiert – in der Landeshauptstadt übernimmt dann die AfD.

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