von Redaktion
   

Asyl-Notunterkunft: Nächtliche Attacke nach rechter Demo in Schwerin

Mutmaßlich rechte Gewalttäter griffen heute Nacht die Flüchtlingsunterkunft in Schwerin-Lankow an. Wenige Stunden zuvor hatten sich dort Anhänger der rassistischen Bürgerinitiative „Schwerin wehrt sich“ zu einer Demonstration versammelt. Laut Augenzeugen bewarfen die Täter den Sicherheitsdienst mit Flaschen und Holzpfählen, die Polizei stellte die Identität möglicher tatverdächtiger Personen fest.

Auch in Schwerin-Lankow gab es einen Übergriff auf eine Flüchtlingsunterkunft (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Die Hetze hat Früchte getragen. Seit Wochen macht in Schwerin die selbsternannte Bürgerinitiative „Schwerin wehr sich“ gegen eine Notunterkunft für Flüchtlinge im Stadtteil Lankow mobil. Zuerst entlud die Gruppe ihren Hass auf Facebook, dann demonstrierten ihre Anhänger in unmittelbarer Nähe der Commenius-Schule. Am vergangenen Samstag gingen in der Landeshauptstadt mehr als 600 Rassisten auf die Straße, um gegen die Flüchtlingspolitik der Bundes- und der Landesregierung anzuschreien.

In der Nacht auf Freitag folgten auf Worte nun Taten. Zunächst versammelten sich mehrere Personen hinter dem Haus und randalierten, woraufhin der Sicherheitsdienst die Polizei rief. Rund eine dreiviertel Stunde später, gegen 0.20 Uhr, kehrte die Gruppe zurück und bewarf die Security-Mitarbeiter mit Flaschen und Holzpfosten. Verletzt wurde niemand.

Polizei stellt Verdächtige

Erneut rückten die Beamten aus – und stellte eine Gruppe von sieben Personen, wie die zuständige Pressestelle ENDSTATION RECHTS. auf Nachfrage bestätigte. Anschließend seien Identitätsfeststellungen durchgeführt worden. Die Ermittlungen dauern an. Offenbar liegt der Verdacht nah, dass die aufgegriffenen Personen an einer von „Schwerin wehrt sich“ in der Kieler Straße ab 18.30 Uhr durchgeführten Demonstration gegen die Asylbewerberunterkunft teilgenommen haben könnten.

Gegen 1.30 Uhr habe sich die Situation beruhigt, sagte eine Augenzeugin ENDSTATION RECHTS.. Trotzdem sei die Polizei vor Ort geblieben. Auch „die Rechten“ hätten sich hin und wieder gezeigt.

Facebook-Post führt zu Anzeige

Seit gestern sorgt darüber hinaus ein Post auf der „Schwerin wehrt sich“-Facebookseite für Wirbel. Der Verfasser behauptet, seine Frau und sein neunjähriger Sohn seien am „helllichten Tag von Fachkräften sexuell genötigt bzw. bedroht“ worden. Die beiden Mittdreißiger hätten das Kind angeschaut und sogar die Augenbraue hochgezogen. Anzeige sei gestellt.

Sexuelle Nötigung? Der Eintrag auf Facebook (Screenshot: Facebook)

Auf die Polizei scheint aber noch mehr Arbeit zu zukommen. Denn auch gegen die Administratoren der Seite wurde Strafanzeige erstattet – wegen Volksverhetzung.

Kommentare(4)

BrechtLeser Freitag, 25.September 2015, 16:43 Uhr:
Hmm,
ich finde es interessannt, dass es in SN keine Bürgerinitiativen für Asylanten, wie in Rostock gibt. Allgemeine Informationen zu Gegendemos sucht man auch relativ vergeblich( existieren diese, ausser am 6. Oktober?!). Vor allem in Lankow bekommt man Angst, dass Paralelgesellschaften entstehen, da es keine Strukturen gibt, die die bürgerliche Basis zur Partizipation bewegen können. -> Keine Integration
Der Standort der ehem. Comenius Schule ist auch negativ zu betrachten ... so mitten im zweiten Brennpunkt von Schwerin. Nur weil der Edeka dort neu ist, hat sich nichts an den Gruppen von Arbeitslosen, welche den lieben langen Tag vor selbigen kampieren, nichts geändert. Dort wird der Platz höchstens mal verlassen, um sich neues Bier zu kaufen. In den Wohnblocks schwielt nicht erst seit Gestern der Neid auf alle Anderen, und der Hass gegenüber Fremden. -> leichtes Spiel für Rechtes Gedankengut.
Die Schule war zudem eine Ruine ... und das schon seit mehreren Jahren. Zum Glück soll diese Lösung ja nicht dauerhaft sein. Ich hoffe, dass das eingehalten wird. Währenddessen hoffe ich zudem auf umfassende Freizeitangebote. Nicht das die Leute nur so vor sich hinsiechen.
Fazit: Geflüchtete in soziale Brennpunkte Abschieben muss geübt sein. Wenn in Lankow bei Betreuung, Eingliederung usw. der Geflüchteten versagt wird, verbauen wir uns die Zukunft von den Geflüchteten und uns.
 
Irmela Mensah-Schramm Samstag, 26.September 2015, 17:17 Uhr:
@BrechtLeser

Danke für den bemerkenswerten Kommentar !!!
Das nun mancherorts k e i n e Lehren aus Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda etc. gezogen worden sind, ist der Skandal an sich!
Hier werden in sozialen Brennpunkten Flüchtlinge und sozial Schwache gegeneinander ausgespielt.
 
Martin Sonntag, 27.September 2015, 22:27 Uhr:
Auch in Wismar quartieren die Stadtoberen die Flüchtlinge vorzugsweise nicht in den von Ihnen frequentierten Tennis- oder Yachtclubs ein oder da, wo Ihre Kinder zur Schule gehen.

Auch räumlich werden da bevorzugt Orte gewählt, die weit genug weg von den Wohnorten der Politikprominenz sind.

Das ist dann auch hier meist in den Wohngegenden mit besonders schlechter Sozialstruktur.

Die mögliche Gewalt passiert dann wenigstens da, wo man die Leute eh abgeschrieben hat.

Von denen kann man dann noch die Integrationshauptlast abverlangt, während die Creme de la Creme sich über die dumme, weiche Masse kaputtlacht und absolut scheinheilig von toleranter und offener Gesellschaft predigt, während sie alles tun, um nichts mit den Flüchtlingen zu tun haben zu müssen.

Das für alle sichtbare unsoziale Verhalten der Politik ist in meinen Augen wesentlich ausschlaggebender für Gewaltausbrüche als die gemäßigten Reden auf solchen Demonstrationen.
 
Roichi Montag, 28.September 2015, 08:04 Uhr:
@ Martin

Muahaha.
Deine Verschwörungstheorien sind auch nicht besser als deine Relativierungsversuche.
Wie gut, dass du immernoch keinen Plan hast, wovon du redest.
Die "nationale Realität" muss ja bestehen bleiben. Um jeden Preis. Auch den der Wahrheit und des Verstandes.
 

Die Diskussion wurde geschlossen