Antiwestliche Allianz

Hannover – Gegen Amerika sind in Hannover rund 250 Russland-Freunde, darunter Rechtsextremisten, aufmarschiert.

 

Dienstag, 17. März 2015
Julian Feldmann

Während sich am Samstag in Wuppertal Salafisten und rechtsextreme Hooligans gegenüberstanden, marschierten in Hannover zur gleichen Zeit Rechte, Islamisten und andere Anhänger des russischen Präsidenten Wladimir Putin gemeinsam. Bei „Endgame“, was für „Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas“ steht, kamen unterschiedliche Strömungen zusammen. Die Demonstration in Hannover war die dritte dieser Art.

Während in Halle (Saale) und Erfurt noch bekannte Rechtsextremisten wie NPD-Funktionär Thomas „Steiner“ Wulff oder gewaltbereite Hooligans auftauchten, besuchten in der niedersächsischen Landeshauptstadt deutlich weniger Neonazis die Kundgebung. Ein Grüppchen Anhänger der rechten „Deutsch-Russischen Bruderschaft“ kam dennoch. Auch der ursprünglich angekündigte Redner Victor Seibel aus Kassel ist Sympathisant dieser „Bruderschaft“. Der angehende Lehrer trat auch beim Kasseler Pegida-Ableger Kagida als Redner auf. Bei der ersten Endgame-Demo in Halle hatte er symbolisch eine Nato-Fahne zerrissen.

Mit deutsch-russischer Fahne marschierte Marcus S. mit, zuvor Ordner bei Kagida-Demonstrationen. Im vergangenen Jahr hatte er der NPD noch im Internet zum 50-jährigen Bestehen gratuliert. S. war zusammen mit Kagida-Organisator Michael Viehmann bei dem „Hooligans gegen Salafisten“-Aufmarsch im Oktober vergangenen Jahres in Köln, als es zu schweren Ausschreitungen kam. Viehmann, gegen den die Staatsanwaltschaft Kassel nach einem antisemitischen Kommentar auf seiner Facebook-Seite wegen Volksverhetzung ermittelt und der jüngst die AfD verließ, mischt inzwischen bundesweit bei Pegida mit.

Juden als die „Täter von heute“

Christoph Hörstel, zuvor bereits Redner beim antisemitischen „Al-Kuds-Tag“ in Berlin, sprach in Hannover von einer globalen „faschistische Machtergreifung“ und dem „gottlosen Schurken“ Barack Obama. Marcel Wojnarowicz vom Hip-Hop-Duo „Die Bandbreite“ übte sich in Antiamerikanismus und relativierte im selben Atemzug die NS-Herrschaft: In den USA gäbe es „über 800 Konzentrationslager“, meint der Musiker. Ebenfalls gut auch bei den rechtsextremen Teilnehmern kam Fuad Afane an. Die Juden seien die „Täter von heute“, sagte der Palästina-Aktivist aus Berlin. Die Hamas, so erklärte er bereits vor seiner Rede, sei eine legitime „Widerstandsbewegung“ der Palästinenser. In antisemitischer Rhetorik führte er aus, dass die Juden, die eigentlich keine Semiten seien, die Identität Palästinas auslöschen wollten. „Der Tod ist angenehmer, als die Identität zu verlieren!“, schrie er über den Platz. „Der Zionismus hat die Juden in Europa ermordet!“, brüllte er den knapp 60 Gegendemonstranten entgegen.

Vor allem Jusos und Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft protestierten am Rande gegen die Demo der Verschwörungstheoretiker. Die „Endgame“-Demonstranten marschierten derweil über mehrspurige Straßen unter dem Schlachtruf „USA – internationale Völkermordzentrale“. Nicht nur die bei den „Reichsbürgern“ beliebte Preußen-Fahne, sondern auch die Staatsflaggen Russlands, der Sowjetunion und Nordkoreas wurden geschwenkt. „Schafft den Zinseszins ab“, rief ein junger Mann bei dem Marsch durch menschenleere Straßen in ein Megafon. Auf einem Banner wurde dazu aufgerufen, eine „New World Order“ zu verhindern.

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