Antisemitismus (Reihe: Kontroversen um die Geschichte)

Eine Bilanz der Antisemitismusforschung.

Donnerstag, 20. November 2008
Armin Pfahl-Traughber

Mittlerweile liegt eine Fülle von Literatur zum Antisemitismus vor. Dazu gehören kurze wie mehrbändige Gesamtdarstellungen ebenso wie regionale oder vergleichende Fallstudien. Bislang fehlte noch eine Art Forschungsbilanz, die Interessierten wie Wissenschaftlern einen Überblick zu Beschreibungen und Interpretationen liefert. Ein solches Buch legt nun der Düsseldorfer Historiker Christoph Nonn unter dem schlichten Titel „Antisemitismus“ vor. Es erschien in der Reihe „Kontroversen um die Geschichte“, die Überblicksdarstellungen zur Auseinandersetzung mit historischen Themen in der Forschung veröffentlichen will.
Seine Darstellung und Kommentierung der bisherigen wissenschaftlichen Aufarbeitung gliedert Nonn in sieben Themenfelder: Zunächst geht es um die Frage nach Kontinuität und Bruch in der jahrhundertelangen Geschichte und die unterschiedlichen Erklärungsansätze für den Antisemitismus. Dem folgt ein Überblick zur Erforschung im internationalen Vergleich bezogen auf verschiedene Länder. Der Antisemitismus vor 1933, in der Zeit des Nationalsozialismus und nach 1945 steht danach im Zentrum des Interesses. Und schließlich geht der Autor noch auf den Antisemitismus in der islamischen Welt ein und skizziert einige Perspektiven für die zukünftige Forschung.

Nonn erweist sich als guter Kenner der Forschung und liefert einen beachtenswerten Überblick zur bisherigen Analyse des Antisemitismus. Da für seine Darstellung offenbar nur ein begrenzter Raum zur Verfügung stand, werden verschiedene Aspekte mitunter nur kursorisch angesprochen. Im vorgegebenen Rahmen hätte man sich ausführlichere Informationen zu den Erklärungsansätzen gewünscht. Gleichwohl liefert der Band einen brauchbaren Überblick zur Forschung über den Antisemitismus.

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