Neue Rechte

Antidemokratischer „Klassiker“ erfährt publizistische Wertschätzung

Er gilt als einer der politischen „Klassiker“ der Neuen Rechten: Arthur Moeller van den Bruck. Anlässlich seines runden Geburts- bzw. Todestages offenbarte sich erneut eine publizistische Wertschätzung. Kritische Anmerkungen zu fehlendem Gegenwartsbezug verwarfen indessen nicht seine antidemokratische Haltung.

Dienstag, 19. Mai 2026
Armin Pfahl-Traughber
Arthur Moeller van den Bruck, Foto: Wikipedia CC BY SA 4.0
Arthur Moeller van den Bruck, Foto: Wikipedia CC BY SA 4.0

Der Blick auf die ideengeschichtlichen „Klassiker“ der Neuen Rechten ist immer wieder bedeutsam, will man deren gegenwärtige Auffassungen zu unterschiedlichen politischen Fragen in einem ideologischen Kontext verstehen. Manchmal erfolgen derartige Bezüge nur indirekt, manchmal lassen sich offene Wahrnehmungen feststellen. Letzteres geschieht gern bei formalen Anlässen, etwa bei runden Geburts- und Todestagen.

So erinnerten entsprechende Autoren etwa jüngst an den 150. Geburtstag von Arthur Moeller van den Bruck (1876-1925), der für die „Jungkonservativen“ bzw. die „Konservative Revolution“ der Weimarer Republik im konstitutiven Sinne relevant war. Er gehörte damals zu den offenen Feinden der demokratischen Ordnung, was auch in seinen publizistische Äußerungen in aller Deutlichkeit vermittelt wurde. Für ihn bedurfte es einer „Gemeinschaft“ und keiner Gesellschaft, gingen „an Liberalismus die Völker zugrunde“ und sollten „Parteien von der Seite der Weltanschauung her“ zertrümmert werden.

Darstellung als affirmativ-beschreibende Präsentation

Als Erinnerung an Moeller van den Bruck erschien jüngst eine kurze Monographie von Karlheinz Weißmann, der seit Jahren in der „Jungen Freiheit“ als Stammautor wirkt. Das Buch ist mit „Moeller van den Bruck. Der Konservative Revolutionär“ überschrieben und kam in der „Schriftenreihe der Bibliothek des Konservatismus“ heraus. Darin bleibt die Darstellung einer affirmativ-beschreibenden Präsentation verpflichtet, fehlt es doch durchgängig an näheren analytischen Betrachtungen wie etwa ideengeschichtlichen Einordnungen.

Gegenüber kritischen Darstellungen wird von der „Einseitigkeit der Wertungen“ gesprochen, eine genauere inhaltliche Auseinandersetzung hierzu liefert Weißmann aber nicht. Einige Archivfunde fördern das Detailwissen zu Moeller van den Bruck. Dessen ideologische Ausrichtung ist zwar bei der Darstellung seiner Publikationen jeweils kursorisch ein Thema, eine inhaltliche Analyse zu deren jeweiligen Einordnungen oder zu den dort enthaltenen Widersprüchen findet indessen kaum statt.

Positive Betonung eines antiliberalen Demokratieverständnisses

Ansatzweise äußerte sich dazu Alain de Benoist, der für die Neue Rechte als geistiger Vater gelten kann. Die „Junge Freiheit“ brachte von ihm bereits zu Moeller van den Brucks hundertstem Todestag eine Würdigung. Sie erschien dort im „Forum“ (2025) mit „Der Synthesendenker“ als Titel. Als „Antiliberaler und Antiwestler“ wird er dort positiv thematisiert: Die „Aktualität von Moellers Werk“ ergebe sich dadurch, dass er „Probleme von einer höheren Warte“ betrachte, was aber bei Benoist keine nähere Erläuterung und Konkretisierung erfuhr.

Für ihn lobte er gar die Demokratie, die aber in einen Gegensatz zum Liberalismus gebracht wurde. Letzterer basiere auf Freiheiten und Rechten, die Demokratie dagegen auf Volkssouveränität. Benoist berücksichtigte hier nicht, dass dies kein Gegensatz sein muss. Dafür erkannte er die Beschränkung auf theoretische Grundsätze, da Moeller kein politisches Programm entwickelt habe. Deren heutige Bedeutung auch und gerade für die Neue Rechte wurde dann aber nicht systematisch herausgearbeitet.

Angebliche Skepsis: Für die Gegenwart ohne große Relevanz

Nach Abfassung seines Buchs scheint dieses Defizit auch Weißmann bewusst geworden zu sein. Denn er hielt in der „Bibliothek des Konservatismus“ dazu einen Vortrag, worüber auf der „Junge Freiheit“-Internetseite mit „Arthur Moeller van den Bruck wird eingemottet“ als Titel berichtet wurde. Demnach habe Weißmann dort die Vorstellung vertreten, dass dieser „keine Rezepte mehr für die heutige Rechte parat habe“. „Als Historiker“ gehe es ihm „um Historisierung“.

Der Artikelautor, ein Florian Werner, meint dazu, „der Historiker, der zeitlebens zu den geistigen Vätern der deutschen Rechten geforscht hat“, stößt „eine Ikonen (sic!) quasi vom Sockel“. Eine derartige Ausrichtung ist indessen in dem Buch von Weißmann deutlich nicht wahrnehmbar. Die inhaltliche Aufmerksamkeit für Moeller van den Bruck scheint auch in der „Sezession“ zu schrumpfen. Dort erschien eine allgemeine Erinnerung „150 Jahre Moeller van den Bruck“. Bewertend heißt es ebendort eher nichtssagend: Sein „Werk ist anregend und widersprüchlich.“

Bestehende positive Bezüge in „Junge Freiheit“ wie „Sezession“-Spektrum

Gleichwohl ist ein positiver Bezug auf Moeller van den Bruck sowohl dem „Junge Freiheit“- wie „Sezession“-Spektrum eigen. Zwischen beiden Milieus der Neuen Rechten, die zunächst eine enge Kooperation prägte, welche dann aufgrund von strategischen Unterschieden erodierte, besteht demnach in einem ideengeschichtlichen Sinne ein enger Zusammenhang. Die Berufung auf den genannten Denker der „Jungkonservativen“ ist dabei gerade angesichts dessen politischen Positionierungen interessant. Er trat ein für „Volklichkeit, nicht Demokratie“ und „erlebte Verantwortung, Auslese und Führertum“.

Manchmal wurde „Demokratie“ aber auch von Moeller van den Bruck bejaht, dann aber mit seiner besonderen Auffassung: „Sie beruht auf dem Blute, und nicht auf einem Vertrage.“ Die Einstellung zur damaligen NSDAP wirkt ambivalent, aus seiner elitären Haltung heraus bestand auch Verachtung. Ein liberaler Konservativer war Moeller van den Bruck damit aber nicht. Die heutige Berufung auf ihn steht demnach ebenfalls nicht für eine solche Position. 

Anmerkung: Der Autor hat eine ausführliche Betrachtung von Moeller van den Bruck in folgender Monographie vorgenommen: „Politische ‚Klassiker‘ der Neuen Rechten. Antidemokratische Denker aus der Weimarer Republik, Bonn 2025. Dort finden sich auch einschlägige Belege für die entsprechenden Zitate.

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