von Tim Schulz
   

Antaios-Verkauf – Kubitscheks nächster PR-Stunt?

Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse sorgt der neurechte Publizist Götz Kubitschek erneut für Aufmerksamkeit. Eigenen Aussagen zufolge verkauft er sein Verlagshaus an ein AfD-Mitglied, um sich künftig dem politischen Beratungsgeschäft widmen zu können. An der offiziellen Version aus den Reihen des Antaios-Verlages wurden allerdings schnell Zweifel laut. Ist die angebliche Übernahme also nur ein weiterer PR-Gig?

Antaios-Chef Götz Kubitschek auf dem AfD-Trauermarsch in Chemnitz

In der aktuellen Ausgabe der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ erschienen heute die Neuigkeiten die bei Beobachtern wie auch Anhängern der neurechten Szene für Furore sorgen sollten: Kubitschek, der als Stichwortgeber der Neuen Rechten gehandelt wird, veräußert seinen Kleinverlag mit sofortiger Gültigkeit. Der Käufer: Thomas Veigel, AfD-Mann aus Baden-Württemberg und Inhaber des Loci-Verlages, dessen Onlinepräsenz auf eine ganz ähnliche politische Linie schließen lässt – das spärliche Programm umfasst offenbar gleich zwei geplante Werke des Antaios-Chefs und seiner Ehefrau. Letztere solle nun die inhaltliche Leitung übernehmen, so bestätigt eine knappe Pressemitteilung auf der Website des hauseigenen Magazins „Sezession“.

Kubitschek fühlt sich derweil scheinbar zu Höherem berufen: Der FAZ gegenüber gibt der Verleger an, ins politische Beratungsgeschäft einsteigen zu wollen. „Mal in Berlin, mal in Schnellroda, mal in Dresden“ wolle man zukünftig nicht nur AfD-Funktionären, sondern auch einer Gruppe von nicht näher benannten CDU-Mandatsträgern unter die Arme greifen, so lässt sich der rechte Publizist zitieren. Kubitschek gibt an, den CDU-Politikern den „kommenden Koalitionspartner und sein intellektuelles Vorfeld“ näher bringen zu wollen.

Kubitschek berät die AfD? Kaum eine Überraschung, schließlich gibt nicht nur AfD-Rechtsaußen Björn Höcke an, Stammgast in Schnellroda zu sein. Der konservative Flügel der Christdemokraten dementiert hingegen die Kuppelhilfe zwischen CDU und der rechtspopulistischen Partei. Von einer Zusammenarbeit mit den Neurechten wolle man etwa im sogenannten Berliner Kreis nichts wissen, so die Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann.

Eigen-PR zur Frankfurter Buchmesse?

Wie glaubwürdig ist also der neuste Vorstoß des rechten Aktivisten? Diverse Beobachter bezweifeln den Wahrheitsgehalt der Schlagzeilen: Fachjournalist Robert Andreasch etwa spricht von einem „PR-Stunt“, der Stand von Loci auf der Frankfurter Buchmesse diene vermutlich nur als Bühne für Kubitschek.

Tatsächlich ist der Publizist bekannt für seinen Hang zur Selbstinszenierung. Er gilt als geistiger Motor hinter teils als rechtsextrem verorteten Medienaktivisten wie der Identitären Bewegung und dem Ein-Prozent-Netzwerk, als Vertreter der „konservativ-subversiven Aktion“ sammelte er schon weit vor dem Aufschwung der Neuen Rechten Erfahrung in politischer Kampagnenarbeit. Sein früherer Weggefährte Karlheinz Weißmann forderte einst unisono „rechte Spontis und eine konservative Spaßguerilla“. Für die diesjährige Literaturmesse in Frankfurt meldete sich Antaios, nach der massiven Berichterstattung im letzten Jahr, überraschenderweise nicht.

Auch die Einschätzung, die neue „Heimat“ von Antaios, der Loci-Verlag, sei ein Fake erscheint bei näherem Hinsehen plausibel: Erst vor einem halben Jahr gegründet, wird auf der Website von Loci zum auffälligen Preis von 19 Euro und 18 Cents etwa ein Buch zum Thema „Homestory“ beworben - Eine Anspielung auf die rege Debatte im Umgang mit rechter Selbstinszenierung, die sich um die medialen „Hausbesuche“ in Schnellroda entsponnen hat. Die Autoren: Götz Kubitschek und Ellen Kositza. In den vermeintlichen Pressestimmen zum Werk werden dann auch noch genüsslich bekannte Journalisten aufs Korn genommen. Im Handelsregister taucht der Verlag derweil nicht auf.

Logo von Antaios am Stand des Loci-Verlages auf der Frankfurter Buchmesse, Foto: Belltower.News

Was wirklich hinter der scheinbaren Antaios-Übernahme steckt, erscheint also mehr als fraglich. Die Frage der Koalitionsbereitschaft zwischen CDU und AfD, auf die Kubitschek in seinem Auftritt in der FAZ anspielt, ist ebenfalls zweischneidig. Gerade aus der sächsischen Union kamen in der Vergangenheit vermehrt Wortmeldungen, die diese Option zumindest offen hielten. Zuletzt erntete der neugewählte Fraktionschef der Dresdener Landtagsfraktion, Christian Hartmann, Kritik für einen derartigen Vorstoß. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel, als auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer lehnten eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten zuletzt ab.  

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