von Redaktion
   

„Ansgar Aryan“-Model outet sich als NSU-Sympathisant

Vor dem Oberlandesgericht München müssen sich derzeit Beate Zschäpe und vier ihrer Mitverschwörer verantworten. Zwei weitere mutmaßliche NSU-Terroristen – Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos – entzogen sich einer rechtsstaatlichen Verhandlung durch Selbstmord. Ausgerechnet das BKA-Fahndungsfoto eines der beiden Mörder verwendet ein Thüringer Neonazi als Facebook-Profilbild. R. gilt als Weggefährte des bayerischen Neonazi-„Hipsters“ Patrick Schröder, für dessen Modelabel „Ansgar Aryan“ er als Model posiert.

Facebook-Profil von Marcus R.. Links zu sehen ist Patrick Schröder, in der Mitte Tommy Frenck und rechts R. (Foto: Screenshot Facebook).

Ihm stoße besonders sauer auf, dass „sich die Partei [die NPD, Anm. der Red.] sofort von Ralf Wohlleben distanziert“ habe, obwohl der frühere thüringische NPD-Vize als unschuldig gelte. Die Untersuchungshaft des Spitzenkaders sei ohnehin ein „schlechtes Argument für die Öffentlichkeit“. Gleichzeitig dürften weitere Gewalttäter im Amt bleiben, obwohl diese Ermittlungen verschwiegen hätten.

Mit diesem Facebook-Kommentar schaltete sich Marcus R. [so sein Facebook-Name] in die Facebook-Diskussion um die Zukunft von Patrick Wieschke ein. Gegen den (Noch)-Chef der NPD im Freistaat werden in diesen Tagen Rücktrittsforderungen der Basis laut. Einige seiner bisherigen Anhänger werfen dem 33-jährigen Neonazi, der u. a. wegen Anstiftung zu einer Sprengstoffexplosion vorbestraft ist, vor, die Wahlniederlage Mitte September mitverschuldet zu haben. Unmittelbar vor dem Urnengang hatte ein linkes Rechercheportal Ermittlungsakten über die dunkle Vergangenheit des einstigen NPD-Bundesvorstandsmitgliedes veröffentlicht.

NSU-Foto auf Facebook

Doch nicht nur für Wohlleben zeigt R. Sympathien. Seit 10. Oktober verwendet der in Suhl lebende Neonazi auf Facebook als Profilbild ein Fahndungsfoto des BKA. Wie bei anderen Neonzis üblich, bedient er sich bei der Behörde ohne sich um die Rechte zu scheren oder die Quelle anzugeben. R.s` Wahl fiel nicht auf einen beliebigen Flüchtigen, sondern auf Uwe Böhnhardt. Als Mitglied der Mörderbande des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) soll Böhnhardt zehn Menschen, neun davon mit Migrationshintergrund, erschossen sowie weitere Bombenanschläge und Banküberfälle verübt haben. Seiner Verantwortung entzog sich der Neonazi im November 2011 durch Selbstmord. Den NSU bezeichnet R. als „Komödienstadl“.

BKA-Fahndungsplakat. Quelle: BKA.de

Verbindungen zu weiteren „Szenegrößen“

Auf Facebook gefallen ihm außerdem „Adolf Hitler“ und das „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ (BZH). Auf Fotos ist er mit Tommy Frenck, Kader der NPD-nahen Wählervereinigung und früherer NPD-Lokalpolitiker, zu sehen. Bekannt wurde der 1987 geborene laut Spiegel Online wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte Neonazi mit seinen gescheiterten Bemühungen, die Freiwillige Feuerwehr in Suhl zu unterwandern. Heute zeichnet Frenck für den entlarvend betitelten Online-Shop „Druck 18 Werbetechnik“ in Schleusingen verantwortlich, in dem neben Rechtsrock-CDs, „T-Hemden“ der „Divisionen“ Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt Aufkleber mit dem Motiv „Refugees not welcome“ erworben werden können. Der rassistische Sticker zeigt drei Personen in einem Zug, untertitelt mit „bring your families home!“, der Richtung Afrika fährt.

„Druck 18“ bietet außerdem Kleidungsstücke von „Angar Aryan“ an, einer der beliebtesten Szene-Marken. Betrieben wird „Ansgar Aryan“ von Patrick Schröder, der gezielt versucht, Jugendliche zu politisieren. Dafür setzt der „Nipster“ auf sein Internet-TV-Format „FSN TV“, dessen Ausstrahlung derzeit auf Eis liegt. Für „Ansgar Aryan“ ist der mehrfach tätowierte R. als Model tätig – womit sich der Kreis schließt. Schröder jedenfalls scheint mit dem Böhnhardt-Foto seines „Kumpels“ keine Probleme zu haben, obwohl er normalerweise einem „fortschrittlichen“ Nationalismus das Wort redet.

Foto: Screenshot Facebook

Kommentare(4)

Arnonym Mittwoch, 22.Oktober 2014, 14:35 Uhr:
Nazi-Mode-Model mag Nazis?

Das verblüfft jetzt mich aber.
 
Amtsträger Freitag, 24.Oktober 2014, 10:09 Uhr:
Nazi-Mode-Model mag rassistische Serienmörder. Das würde ich apriori nicht jedem Rechtsextremen nachsagen.
 
Arnonym Freitag, 24.Oktober 2014, 14:56 Uhr:
"Das würde ich apriori nicht jedem Rechtsextremen nachsagen. "

Sonst wäre es ja nicht extrem. Nicht jedem Rechten, ok. Aber ein Rechtsextremer wird schon seinen "Spaß" drann haben.
 
Amtsträger Samstag, 25.Oktober 2014, 18:26 Uhr:
Bitte befassen Sie sich mit dem Begriff "Rechtsextrem"!

Wer Gewalt zum Umsturz eines Geselschaftssystems befürwortet muss nicht sofort einen Serienmörder bejubeln.
 

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