Anschlagtipps mit Schweineköpfen

Wie man eine Moschee verhindern kann, dazu fand NPD-Funktionär Stefan W. praktische Anregungen bei einem „Kameraden“ aus Österreich.

Dienstag, 29. März 2011
Marcel Brecht

Der im Februar geleakte Mailverkehr der NPD barg bereits bei den ersten Auswertungen Unangenehmes für die „Volkstreuen". Die Enthüllungen häufen sich seitdem. Neuester Skandal: Der Funktionär der NPD in Neu-Ulm, Stefan W., ließ sich von einem Aktivisten der österreichischen Nationalen Volkspartei (NVP) illegale Maßnahmen erläutern, mit denen eine geplante Moschee zu verhindern wäre. Kernidee: Das Gelände mit Schweineköpfen und -blut entweihen. Dieser „Willkommensgruß", wie es der jetzige Bundeskassier Stefan S. nennt, habe bereits seine Wirkung gezeigt.

Damit bringt er sich in die Nähe eines bisher ungeklärten Anschlages auf ein Baugelände in Linz/Oberösterreich an Silvester 2007/2008. Damals hatten Unbekannte Dutzende Schweineköpfe auf dem Areal verteil – ostentativ auf Stecken gespießt, in Bäume gehängt oder Blut und abgeschnittene Ohren auf dem schneebedeckten Boden verteilt. Gezielt wurde damit das religiöse Empfinden der Muslime verletzt, die auf dem Areal ein Gebetshaus geplant hatten.

Wegen NS-Wiederbetätigung angezeigt

Für den Österreicher S. brachte es das gewünschte Ergebnis, das Areal war „entweiht“. Das Risiko einer solchen Aktion aber halte sich dagegen in Grenzen, „mehr als Umweltverschmutzung dürfte da nicht drin sein“, schreibt er an den deutschen Kameraden W. Am Sachverhalt einer Anstiftung zu einer Straftat ändert das freilich nichts. Und auch, was die Täterschaft angeht, wird sich der hiesige Verfassungsschutz den Österreicher nun vornehmen. Denn S. leugnet zudem in einer ebenfalls öffentlich gemachten Mail den Holocaust.
Generell steht er mit seiner Partei mit dem Rücken zur Wand. Die NVP wurde 2009 von den Gemeinderats- und Landtagswahlen ausgeschlossen und wegen NS-Wiederbetätigung angezeigt. Grund dafür sind nicht allein die einschlägigen Führungszeugnisse zahlreicher Mitglieder, sondern das Parteiprogramm, das zum Teil von der Waffen-SS kopiert wurde. Die Noch-Partei steht kurz vor der Anklage.

„Mutige Bürger“ für die „Sylvestergrüße“ verantwortlich

Die NVP streitet die Vorwürfe ab, spricht auf ihrer Homepage wegen der „Sylvestergrüße“ mit den Schweineköpfen von einer spontanen Aktion „mutiger Bürger“, die für die „Sylvestergrüße“ mit den Schweineköpfen veranwortlich seien – und die davon Photos an Medien, Organisationen und Vereine verschickt hätten.

Bekannt gewordene, brisante Veröffentlichungen im Forum „Freie Freunde“ bis hin zu persönlichen Kontakten, die die rund 60 000 geleakten Mails der NPD belegen – in den vergangenen Wochen ist die enge Verflechtung zwischen österreichischen Nachwuchsrechten, Altnazis und Parteifunktionären von FPÖ und NVP mit ihren deutschen Gesinnungsgenossen nur einmal mehr deutlich geworden.

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