von Redaktion
   

Anschläge auf Parteibüros: Ex-Führungskader der Neonazi-Gruppierung „Besseres Hannover“ unter Verdacht

Gehen mehrere Anschläge auf Parteibüros im Hannoveraner Umfeld auf das Konto eines ehemaligen Führungskaders der verbotenen Neonazi-Kameradschaft „Besseres Hannover“? Das jedenfalls glauben die zuständigen Ermittler, die am Mittwoch zwei Wohnungen des Verdächtigen durchsuchten. Nicht zum ersten Mal, dass der auch als Liedermacher aktive Neonazi strafrechtlich in Erscheinung getreten ist.

Tatort (Foto: GerorgHH)

Im September 2012 verbot der damalige Innenminister von Niedersachsen, Uwe Schünemann (CDU), eine der bis dahin aktivsten Neonazi-Kameradschaften des Bundeslandes. „Besseres Hannover“, hieß es in der Verbotsverfügung, habe den Strafgesetzen zuwider gehandelt. Außerdem richte sich die Gruppierung gegen die verfassungsmäßige Ordnung und den Gedanken der Völkerverständigung. Zum damaligen Zeitpunkt liefen 24 Ermittlungsverfahren gegen Mitglieder des Vereins, der insgesamt 40 Personen umfasst haben soll. Spezialisten des polizeilichen Staatsschutzes ermittelten wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg bestätigte das Verbot vor knapp vier Monaten.

Ansonsten blieben die ehemaligen Unterstützer des Zusammenschlusses, der mit seiner Kunstfigur „Abschiebär“ Bekanntheit über die Grenzen der niedersächsischen Landeshauptstadt hinaus erlangt hatte, umtriebig. Beamte des Zentralen Kriminaldienstes verdächtigen einen 20-Jährigen, im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2013 insgesamt sieben Sachbeschädigungen an Parteibüros von SPD und CDU in Pattensen, unweit von Hannover, begangen zu haben. Außerdem zeichnet der Tatverdächtige möglicherweise für Attacken auf einen Döner-Imbiss und eine Gedenktafel für die Synagoge verantwortlich. Derzeit wird ebenfalls geprüft, ob Zusammenhänge mit Anschlägen auf Büros der FDP, der Grünen und der DKP in Hannover selbst bestehen. Erst Mitte Dezember hatten Unbekannte Molotowcocktails in das Büro der Umweltschutzorganisation Janun in der Südstadt geworfen.

Nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen soll es sich bei dem Mann um einen langjährigen Szene-Aktivisten und Führungskader von „Besseres Hannover“ handeln. Ob er die ihm zur Last gelegten Taten alleine oder mit weiteren Unterstützern begangen hat, ist derzeit noch unklar. Kurz vor Weihnachten soll Patrick K. gemeinsam mit Gesinnungsgenossen einen Flüchtling, der aus Protest gegen die aus seiner Sicht respektlose Behandlung von Asylbewerbern im Hungerstreik befand, bedroht haben. Erst das Einschreiten der herbeigerufenen Polizeistreifen verhinderte Schlimmeres.

Auf die Spur des Neonazis hatten zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung geführt. Ermittler stellten bei einer Durchsuchung der beiden Wohnungen des Verdächtigen diverse Beweismittel, darunter eine Stahlschleuder, eine Softairwaffe mit Munition und diverse Glaskugeln, die mutmaßlich für die Sachbeschädigungen verwendet wurden, sicher. Zuvor war er bereits mit einer weiteren rechtsextremistisch motivierten Straftat in Erscheinung getreten. Zu den Vorwürfen wollte sich der 20-Jährige nicht äußeren. Er wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen entlassen.

„Besseres Hannover“ versuchte in der Vergangenheit, seine menschenverachtende Ideologie in Form einer Jugendzeitschrift an die Frau und den Mann zu bringen. Seit dem Verbot ist die Verbreitung des „bock - Das Sprachrohr der Gegenkultur“ untersagt. K. greift hierfür nach Informationen örtlicher Antifa-Strukturen als Liedermacher „Jugendgedanken“ auf ein weiteres beliebtes Propagandainstrument der extremen Rechten zurück. Im letzten Jahr kam eine CD mit dem Titel „Porno im Radio“ auf den Markt, außerdem gestaltete der Nachwuchsbarde das Rahmenprogramm der Wahl Andy Knapes zum Vorsitzenden des NPD-Parteinachwuchses Junge Nationaldemokraten.

Foto: GerorgHH

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