Anlaufpunkt „Verein Gedächtnisstätte“

Am Sonntag soll auf dem Rittergut Guthmannshausen in Thüringen eine Vortragsveranstaltung der  holocaustleugnenden „Europäischen Aktion“ durchgeführt werden.

Donnerstag, 19. März 2015
Horst Freires

Wenn man einem Bericht der rechtsextremen „Europäischen Aktion“ (EA) Glauben schenken darf, dann findet am 22. März auf dem Rittergut Guthmannshausen (Landkreis Sömmerda) eine Vortragsveranstaltung der EA statt, bei der thüringische Gebietsleiter der Organisation, Axel Schlimper, als Referent auftritt, wie er es bereits kurz vor Weihnachten 2014 gemacht hat.

Betreiber der geschichtsrevisionistischen Anlaufstelle ist der „Verein Gedächtnisstätte“, der das ehemalige Rittergut in Thüringen Ende 2011 bezogen hat und zuvor seine Aktivitäten im sächsischen Borna entfaltete. Das Anwesen von Guthmannshausen wurde von der offenkundig als „Strohfrau“ agierenden hessischen Heilpraktikerin Bettina Wild-Binsteiner erworben. Eines der Gründungsmitglieder des 1992 ins Leben gerufenen Vereins ist die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck. Der Verein will eine Gedächtnisstätte für die deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges darstellen. Im August 2014 wurde auf dem Areal ein Mahnmal eingeweiht, worüber der Autor des regionalen Blattes „Armstädter Stadtecho“ wohlwollend berichtete, während die dort Versammelten anderen Journalisten ein Hausverbot erteilt hatten.

Geländetrainings und Waldbiwaks im Raum Weimar

Auf dem Gelände werden zudem Sommer- und Wintersonnenwende gefeiert. Seit 2003 ist Klaus-Wolfram Schiedewitz aus dem südlich von Hamburg gelegenen Seevetal Vorsitzender des Vereins, der nach Ansicht der Mobilen Beratung in Thüringen für Demokratie (MOBIT) ein Treffpunkt bundesweiter Netzwerke von Holocaust-Leugnern, Geschichtsrevisionisten und der so genannten Neuen Rechten ist. Und nach dem August-Treffen des Vorjahres muss man wohl das Adjektiv bundesweit durch international ersetzen, denn unter den 250 Gästen, unter anderem Felix Vogt Gruber als Vorsitzender des ultrarechten Witikobunds, weilten laut MDR auch Holocaust-Leugner aus der Schweiz, Österreich und Italien.

Die 2010 von dem Schweizer Holocaust-Leugner  Bernhard Schaub gegründete „Europäische Aktion“ hat zuletzt ihre Aktivitäten in Thüringen intensiviert und so genannte Stützpunkte in Sonneberg und nunmehr neu in Römhild gegründet. Sie  spricht selbst offen von Geländetrainings und Waldbiwaks im Raum Weimar – früher nannte man dies auch Wehrsportübungen. Ein wichtiger Aktivist ist dabei Schlimper, der Verbindungen knüpft, sei es zu Gleichgesinnten in Österreich und Ungarn im Rahmen einer im Terminus des Dritten Reiches benannten „Ostland“-Fahrt oder mit eigenen Liedermacherauftritten.

Schlimper ist auch als Referent für die Demonstration am 1. Mai in Saalfeld angekündigt, die maßgeblich von der Neonazi-Partei „Der III. Weg“ getragen wird. Ein Stützpunkttreffen Ende vergangenen Monats hat nach EA-Angaben im Raum Fretterode stattgefunden. Hier darf gemutmaßt werden, ob dies nicht bei dem dort ansässigen Neonazi Thorsten Heise gewesen ist. Freimütig haben sich EA-Anhänger durch das Zeigen eigener Fahnen zur Unterstützung der bis jetzt achtmal aufmarschierenden „Sügida“-Bewegung in Suhl, einem islamkritischen Bündnis nach Dresdner Pegida-Vorbild, aber mit klarer rechtsextremer Ausrichtung und Beteiligung, bekannt. Fortan sollen allerdings keine regelmäßigen Aufzüge mehr in Suhl stattfinden, sondern die islamkritischen Proteste landesweit in wechselnden Städten unter dem Namen „Thügida“ fortgeführt werden.

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