von Oliver Cruzcampo
   

Anklam: Erneut rechter Anschlag auf Demokratiebahnhof?

Mehrere Glasscheiben gingen zu Bruch, Beleidigungen wurden hinterlassen: Auf den Demokratiebahnhof in Anklam gab es erneut einen Übergriff. Bereits 2017 wurden von zwei Jugendlichen aus der rechten Szene Molotowcocktails auf das Gebäude geworfen. Die Betreiber sprechen von einem homophoben Hintergrund.

Einer der zerbrochenen Scheiben am Demokratiebahnhof, Foto: privat

In der Nacht auf Mittwoch kam es zu einem Anschlag auf den Demokratiebahnhof in Anklam, an dem Gebäude gingen drei Fensterscheiben zu Bruch, zudem wurde der Spruch „Kein Ort für Schwule und Transen“ und eine weitere Beleidigung auf den Fensterscheiben hinterlassen.

Die Polizei bestätigte gegenüber ENDSTATION RECHTS. den Vorfall. „Da wir von einer politisch motivierten Sachbeschädigung ausgehen, ermittelt der Staatsschutz der Kriminalpolizeiinspektion Anklam“, heißt es seitens der Behörde. Jetzt müsse geklärt werden, ob die Beschädigungen und die Beleidigungen in einem Zusammenhang mit einer Veranstaltung stehen beziehungsweise einer oder mehrerer Personen galten. Kritik kam an der Stelle von den Sozialarbeitern vor Ort, die den Vorfall gemeldet hatten. Sie zeigten sich verwundert, dass die Innenräume, in denen Glassplitter verteilt waren, nicht in Augenschein genommen wurden. Auch eine Spurensicherung sei weder durchgeführt noch angekündigt worden.

Verantwortliche: Homophober Hintergrund offensichtlich

Die hinterlassenen Sprüche deuten auf eine queer-feindlichen Motivation hin. Auch die Verantwortlichen scheinen das so zu sehen. Der homophobe, transfeindliche und menschenverachtende Hintergrund ist aus unserer Sicht offensichtlich“, heißt es in einer Stellungnahme. Einschüchtern lassen wollen sich die Betreiber dennoch nicht: „Wir spüren mehr denn je, dass es Orte wie den Demokratiebahnhof braucht, die für Toleranz und Vielfalt einstehen und in denen gesellschaftliche Mitbestimmung gelebt wird.“

Den ersten Buchstaben überklebten Verantwortliche vor Ort bereits, Foto: privat

Womöglich gibt es einen Zusammenhang zum Projekt „Queer in Anklam“. Die erst seit wenigen Wochen öffentlich aktive Initiative hat just einen Tag vor dem Anschlag einen Aufruf veröffentlicht, in dem sie zur Teilnahme am IDAHOBIT im Mai aufruft. Dabei handelt es sich um den internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie. „Queer in Anklam“ hat ihren vorläufigen Sitz im Demokratiebahnhof.

Der Demokratiebahnhof steht immer im Fokus rechter Akteure. Erst 2017 wurden zwei Molotowcocktails auf das Gebäude geworfen, in dem zu dem Zeitpunkt mehrere Jugendliche aufhielten. Die zum Tatzeitpunkt 14 und 16 Jahre alten Täter waren der rechten Szene zuzuordnen. So ließ sich der jüngere Täter anwaltlich vom Anwalt und ehemaligen NPD-Landtagsabgeordneten Michael Andrejewski vertreten. In den sozialen Netzwerken posierten beide Täter mit Erkennungszeichen der rechten Szene.

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