von Oliver Cruzcampo
   

Andy Knape übernimmt JN-Bundesvorsitz

Nach genau fünf Jahren nimmt Michael Schäfer seinen Hut. Der ehemalige Vorsitzende der NPD-Nachwuchsorganisation „Junge Nationaldemokraten“ hat am Sonnabend das Amt an seinen Stellvertreter Andy Knape übergeben. Seinen Einfluss auf den neuen JN-Chef hat sich Holger Apfel längst gesichert.

Am gestrigen Sonnabend tagte im thüringischen Kirchheim die NPD-Jugend „Junge Nationaldemokraten“ (JN). Ein neuer Vorsitzender musste her, der auf dem sogenannten JN-Bundeskongress gewählt wurde. Doch bevor die Parteiveranstaltung betreten werden konnte, musste zuerst die Geldbörse gezückt werden: Mitglieder mussten fünf, Gäste gar acht Euro Eintritt berappen.

Als einziger Kandidat übernahm Andy Knape nun offiziell die Geschicke der JN, gewählt wurde der 26-Jährige von 94 Prozent der Delegierten. Zu seinen Stellvertretern wurden der JN-Bundesgeschäftsführer Julian Monaco mit 76 Prozent, sowie Andreas Kolb mit 88 Prozent gewählt. Kolb, der bisher kaum für die JN/NPD in Erscheinung trat, ist den „Autonomen Nationalisten“ zuzurechnen. Der im Ruhrpott wohnhafte JNler dürfte somit wohl auch für eine Annäherung der rechtsextremen Partei an die in der Region stark auftretende Bewegung der „Autonomen Nationalisten“ zuständig sein.

Zu den Beisitzern stellten sich weitere Nachwuchskader der NPD zur Wahl, die erneut einen Umstand deutlich machen: Neben dem Bundesvorstand, den Fraktionen und Landesverbänden in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen wird auch die JN ihrem Ruf einer „Männersekte“ gerecht. Nicht eine einzige „junge Nationaldemokratin“ findet sich im Vorstand wieder.

Für die Posten des Beisitzers kandidierte Michael Schäfer, der der JN somit auch im Vorstand erhalten bleibt. Dazu gestellt sich Sebastian Richter, ehemaliger JN-Bundesvize, der sich seit seinem Umzug nach Mecklenburg-Vorpommern wohl vor allem auf den Ausbau der dortigen Sektion konzentrieren wird. Patrick Kallweit, ebenso neu vertreten im Vorstand, kandidiert auf Platz zwei der NPD-Landesliste für die kommende Wahl zum niedersächsischen Landtag. Ergänzt wird der Vorstand vom JN-Bundesschulungsleiter Pierre Dornbrach und Stephan Böttcher, der immer wieder mit der „IG Fahrt und Lager“ in Verbindung gebracht wird.

Auffällig ist, dass mindestens drei der acht Vorstandsmitglieder der „Jungen Nationaldemokraten“ bei der sächsischen NPD-Fraktion im Landtag beschäftigt sind. Patrick Kallweit steht dort bereits seit Jahren in Lohn und Brot, erst vor wenigen Wochen gesellten sich dann mit Michael Schäfer und Andy Knape der ehemalige bzw. amtierende JN-Vorsitzende dazu. Damit sicherte sich NPD-Chef Holger Apfel, der früher selbst Bundesvorsitzender der Jugendorganisation war, Einfluss auf die Entwicklung innerhalb der JN. Eine offene Kritik am derzeitigen Parteikurs oder Entwicklungen innerhalb der NPD dürfte man aus Kreisen der Junioren somit wohl kaum vernehmen.

Knape wurde zuletzt vermehrt von Holger Apfel eingesetzt. Die Grundlagen schaffte Apfel bereits auf dem Bundesparteitag im November vergangenen Jahres, auf dem der NPD-Vorsitzende Knape bereits in den Vorstand hievte, seitdem ist der Nachwuchskader Leiter des NPD-Ordnungsdienstes. Mit dieser Funktion betraut, begleitete der 26-Jährige auch die sogenannte Deutschlandtour im Sommer dieses Jahres. In der rechtsextremen Szene hat sich der Ökonom für Personalmanagement auch durch die recht erfolgreiche Durchführung des alljährlich stattfindenden „Trauermarsches“ in Magdeburg einen Namen gemacht. Spätestens seit dem letzten Aufmarsch im Januar wird Magdeburg als Alternative zu Dresden gesehen, wo Neonazis bereits seit drei aufeinanderfolgenden Jahren Niederlagen einstecken mussten.

Bevor Knape nun das Ruder übernimmt, zieht Schäfer in der aktuellen Ausgabe der „Deutschen Stimme“ Bilanz seiner immerhin fünfjährigen Amtszeit. Seinerzeit – im Oktober 2007 – hätte er eine „heruntergewirtschaftete Rest-Jugend vorgefunden, die den Namen 'Jugendorganisation' kaum verdient“ gehabt hätte. Nun übergebe er mit Stolz „eine Jugend mit Struktur, klarem Auftrag und im Aufbruch“. Zudem schwärmt der 30-Jährige von den vielen „Segelfahrten, Auslandsreisen, Alpenbesteigungen“. Dass es sich bei der JN um eine politische Organisation und nicht um einen Reiseveranstalter handelt, gerät dabei leicht in Vergessenheit.

Weiterhin spricht Schäfer mit geschwellter Brust davon, „wie viele junge Kameraden durch unsere Arbeit zu überzeugten Nationalisten geworden sind und sich zu echten Charakteren entwickelt haben“. Zumindest bezüglich der Anzahl „junger Kameraden“ scheint Schäfer die aktuellen Mitgliedszahlen der JN nicht in Erinnerung zu haben. Binnen eines Jahres gingen diese von 430 JN-Angehörigen auf 350 Mitglieder zurück. Generell scheint Schäfer kaum zur Selbstreflexion seiner Arbeit der vergangenen fünf Jahre fähig – eine kritische Betrachtung der Entwicklung der JN sucht man vergebens.

In etlichen Bundesländern scheint die JN gar nicht zu existieren, in vielen weiteren Regionen werden die NPD-Junioren in der Öffentlichkeit so gut wie nicht wahrgenommen, außer sporadischen Pressemitteilungen über Rundreisen und Wanderausflüge gibt es nur wenige Aktivitäten. Die letzte Meldung des Landesverbandes in Berlin datiert auf 1999 (!). In Mecklenburg-Vorpommern, das Bundesland, in dem die NPD das derzeit stärkste Ergebnis bei einer Landtagswahl eingefahren hat, regen sich erst seit wenigen Monaten erste Aktivitäten.

In einer ersten Stellungnahme Knapes gegenüber dem Neonazi-Sender „FSN.TV“ verspricht der frischgebackene Bundesvorsitzende, „in Nischen eindringen“ zu wollen, die der JN bisher nicht zugetraut worden sind, Knape will „Denkverbote aufreißen“. Auch an Schäfers bisherigem Ausrichtung erkannte sein Nachfolger keine Kritik, so will er diesen dann auch „fortführen“.

Ein ambitionierter, im JN-Jargon – revolutionärer – Kurs, eines Bundesvorsitzender sieht anders aus.

Kommentare(2)

Horst Montag, 29.Oktober 2012, 20:36 Uhr:
Das sich die Zahl verringert liegt vielleicht daran , dass man nur bis 34 in der Jugendorganisation tätig sein kann . Informiert euch mal besser !!!
 
Biene Dienstag, 30.Oktober 2012, 08:15 Uhr:
@Horst

Nachwuchsprobleme? Ist doch schön;-)
 

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