Anastasia und das Deutsche Reich
Anhänger*innen der Anastasia-Bewegung planen die Gründung eines Familienlandsitzes im bayerischen Achental. Inspiration bekommen sie von einem prominenten Verschwörungsideologen.
„(Die) Erlangung von Autarkie, ein nachhaltiges Leben im Einklang mit der Natur und die Rückkehr zur Natürlichkeit auf allen Gebieten, innerhalb der überlebten, aber noch bestehenden, alten Strukturen, sowie der Aufstieg in die fünfte Dimension und der Aufbau der `Neuen Erde´“, so beschreiben Markus „Antharius“ Mägel und Elvira Mägel das Ziel ihrer „Arche Achental“ – einem Familienlandsitz, den das Paar im bayerischen Achental, zwischen Chiemsee und Chiemgauer Alpen gelegen, gegründet werden soll.
Die Idee der Familienlandsitze stammt aus der in den Neunziger Jahren veröffentlichten Romanreihe „Die Klingenden Zendern Russlands“ des Autors Vladimir Megre und ist Kern der Siedlungspraxis der völkischen Anastasia-Bewegung. Im Zentrum der Romanreihe steht Anastasia, eine Angehörige der Urvolkes der sogenannten Wedrussen, welche die Leser*innen in ihre geheimen, esoterischen Lehren einweiht und dabei zahlreiche Verschwörungsnarrative rezipiert.
Unerwünscht: "Personen, die mit Impfstoff infiziert sind"
Zwar wurde ein geeignetes Grundstück bisweilen nicht gefunden, mit der Selbstversorgung hat Markus „Antharius“ Mägel, ein selbsternannter Heiler, jedoch schon begonnen: als Mitarbeiter in einer Biogärtnerei im bayerischen Übersee. Nicht nur ein geeignetes Grundstück wird gesucht, sondern auch interessierte Mitstreiter*innen zum Aufbau der „Arche Archetal“. So können sich Interessierte in eine Liste im Hofladen der Biogärtnerei eintragen.
Doch nicht alle sind bei den Mägels willkommen. Auf der eigenen Webseite wird explizit aufgelistet, welchen Personengruppen der Zugang zum Projekt verweigert wird: Personen, „die mit dem experimentellen RNA-Impfstoff infiziert sind“, sich impfen lassen wollen oder „an den menschengemachten Klimawandel glauben“. Aber auch „Anhänger von Gender-Mainstream“ oder „Sympathisanten von Fluchthelfern und Schleusern illegaler Migranten, mit dem Ziel der Vermischung der Völker und Zerstörung Deutschlands“ können kein Mitglied des Netzwerks werden.
"Die Welt vor Dunkelmächten befreien"
Im Juni eröffnete Elvira Mängel eine eigene Telegram-Gruppe. In dieser Gruppe seien „echte, beseelte Menschen“ willkommen, „die Martin Laker und seine Engelsburger Neuigkeiten kennen und eine neue, wedische Erde und das neue, starke Deutschland aufbauen wollen“. Martin Laker verbreitet auf seinem YouTube-Kanal „Engelsburger Neuigkeiten“ derweil sexistische, rassistische und geschichtsrevisionistische Inhalte. Auch er propagiert die Ideen der Anastasia-Bewegung.
In einem seiner Videos spricht er davon, „Anastasia habe einen geistigen Plan entwickelt, um die Welt vor den Dunkelmächten zu befreien“. Momentan würden sich die Gesellschaft im Prozess einer Befreiung befinden. Wichtig dabei wäre jedoch „Recht und Ordnung“, weshalb „wir im deutschen Reich am besten aufgehoben (sind).“ Weiter skandiert er: „Und das was Trump in den USA sagt, America first, das sollten wir genauso machen. Deutschland zuerst. Erst kümmern wir uns um uns. Erst wenn es uns wieder gut geht, unsere Völker erblühen, in ihrer Kraft stecken, in ihrer Stärke, ihre Kreativität leben können.“ So wundert es nicht, dass in Lakers Videos eine Reichsflagge im Hintergrund zu sehen ist.
Gleichgesinnte auf Telegram einsammeln
Seine über 43.000 Abonnent*innen forderte Laker im Mai dazu auf, Regionalgruppen der „Akademie Engelsburg“ zu gründen, „mit dem Ziel, Gleichgesinnte in der Umgebung zu finden“, woraufhin angeblich mehrere hundert Regionalgruppen auf Telegram entstanden seien. Eine davon: „Engelsburg Achental“ von Elvira Mängele.
Im Willkommenstext der Gruppe zitiert sie eine Textstelle aus den „Santia Weden von Perun“, einem Teil der „Slawisch-arische Weden“. Diese wurden vom Begründer der Ynglism-Sekte, dem russischen Esoteriker Alexander Hinewitsch in den 80er Jahren in Sibirien, verfasst. Die neopagane Sekte beinhaltet rechts-esoterisches Gedankengut und wird im deutschsprachigen Raum vor allem von Frank Willy Ludwig rezipiert, einem völkischen Siedler und Akteur der Anastasia-Bewegung. Deutlich wird erneut, dass die teils demokratiefeindlichen Bestrebungen rechts-esoterischer Akteur*innen ein ernstzunehmendes Phänomen darstellen.