Analyse des AfD-Wahlerfolgs in Thüringen

Das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena hat eine Studie zu den Ergebnissen der AfD zur Landtagswahl veröffentlicht. Hier geht es zur Studie (PDF). Auch der MDR und Spiegel Online berichten.

Die Ergebnisse im Überblick

Die Studie analysiert statistische Einflussfaktoren auf die Wahlergebnisse der AfD zur Landtagswahl 2019 in Thüringen. Auf Basis von 18 unterschiedlichen wirtschaftlichen, demografischen und politischen Merkmalen wird für die 664 Gemeinden des Freistaats untersucht, was die Ursachen des AfD-Wahlerfolgs sind und warum die Partei in einzelnen Regionen sehr starken, in anderen hingegen eher schwachen Zuspruch verzeichnen kann. Rund 90% des AfD-Wahlerfolgs erklärt sich unseren Befunden nach aus dem politischen Raumklima in den Gemeinden. Dort, wo schon zur vergangenen Landtagswahl vor fünf Jahren ein erhöhtes Klima von Demokratieverdrossenheit und rechtsextremer Normalisierung existierte, wurde langfristig der Boden für eine erfolgreiche Mobilisierung der AfD bereitet.

Die demografische und wirtschaftliche Struktur trägt hingegen nur in geringem Umfang zur Erklärung der Wahlergebnisse bei. Hier fiel auf, dass die AfD vor allem in schrumpfenden Gemeinden (starke Bevölkerungsrückgänge bis 2035) erfolgreich war. In Gemeinden mit höheren weiblichen Bevölkerungsanteilen und/oder höheren Anteilen der 65-Jährigen und Älteren erzielte die AfD geringere Stimmenanteile. Die wirtschaftlichen Strukturmerkmale der Gemeinden hatten keine signifikanten Einflüsse auf die AfD-Stimmenanteile.

Die vorliegende Studie zeigt,

  • ... dass die Hauptursache des AfD-Mobilisierungserfolgs sogar stärker als zur Bundestagswahl (vgl. Richter 2018)1und Kreistagswahl (Richter/Salheiser/Quent 2019)2im politischen Raumklima der Gemeinden zu vermuten ist (S.7ff.).Wo 2014 die rechtsextreme NPD gut abschneiden konnte, steigen die AfD-Stimmenanteile 2019 deutlich an. Der Effekt ist insgesamt der stärkste und zeigt sich in allen Kreisen – mit Ausnahme des Landkreises Sonneberg. Wo die Nichtwähler*innenanteile 2014 überdurchschnittlich hoch waren, kann auch die AfD zur Landtagswahl 2019 überdurchschnittlich hohe Zuwächse erzielen. Neben dem NPD-Effekt ist das der zweitstärkste Zusammenhang, der sich, mit Ausnahme des Landkreises Hildburghausen, in allen Kreisen findet.
  • ... dass die räumliche Polarisierung der politischen Landschaft steigt. Im Vergleich zur Kreistagswahl sinkt derAnteil an Parteien, die vor Ort erfolgreich mit der AfD um Stimmen konkurrieren (S.12f.).
  • ... dass von der gestiegenen Wahlbeteiligung maßgeblich die AfD und in geringerem Umfang auch DIE LINKE profitieren kann (S.12f.).
  • ... Regionen mit hohen Anteilen an Nichtwähler*innen im Schnitt sozioökonomisch schlechter gestellt sind(S.12f.)
  • ... dass in Regionen mit höherem Frauenanteil oder mit hohen Anteilen der über 65-JährigendieErfolgsaus-sichten der AfD sinken (S. 8f.).
  • ... dass in schrumpfenden und strukturschwächeren Regionen (starker Bevölkerungsrückgang bis 2035) die AfD-Stimmenanteile steigen (S.12f.).

Der Anteil der nichtdeutschen Bevölkerung und sozioökonomische Merkmale (Arbeitslosigkeit, Verschuldungsrate und Gewerbedynamik) zeigen dagegen keine signifikanten Effekte.

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