von Armin Pfahl-Traughber
   

Analyse der AfD aus der Perspektive von Gramscis Gesellschaftsanalyse

Der Politikwissenschaftler Albert Werner legt mit seinem Buch „Was ist, was will, wie wirkt die AfD“ einen Text vor, welcher die im Titel gestellten Fragen auf Basis von Gramscis Gesellschaftsanalyse beantworten will. Zwar ist dieser Ansatz durchaus erkenntnisfördernd, gerät hier und da aber etwas mechanisch und schematisch, während die Ausführungen zu den inneren Konfliktpotentialen in der Partei mehr überzeugen.

Buchcover: "Was ist - was will - wie wirkt die AfD?"

Während in anderen europäischen Ländern als „rechtspopulistisch“ geltende Parteien mitunter bedeutende Wahlerfolge verbuchen können, gelang es bislang in Deutschland keiner Partei „rechts von der Union“ sich als erfolgreiche Wahlpartei zu etablieren. Die Ergebnisse der Landtagswahlen 2014 und 2015 deuten indessen an, dass es damit angesichts der Stimmen von eindeutig über fünf Prozent für die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) vorbei sein könnte. Daher stellt sich auch die Frage „Was ist, was will, wie wirkt die AfD?“. So betitelt ist auch das Buch des Politikwissenschaftlers Alban Werner, der darin Antworten dazu geben will. Hierbei zeigt er sich methodisch geprägt von der Gesellschaftsanalyse des italienischen Marxisten Antonio Gramsci, was die häufige Anwendung von Kategorien wie „Alltagsverstand“, „Hegemonie“ oder „organische Intellektuelle“ erklärt. Auch der Erfahrbarkeit und Sichtbarkeit politischer Prozesse für die Bürger widmet Werner größere Aufmerksamkeit, um Akzeptanz und Wahlzustimmung für die AfD zu erklären.

Zunächst betont der Autor aber, es reiche nicht den Wählern der Partei nur ein „falsches Bewusstsein“ zu unterstellen. Vielmehr müsse gefragt werden, warum ihr Deutungsangebot „so resonanzfähig und ihr politisches Angebot immerhin für mehrere Millionen Menschen überzeugend ist“ (S. 12). Dazu bemüht er eine Unterscheidung politischer Prozesse hinsichtlich ihrer Erfahrbarkeit und Wahrnehmung durch die Bürger. Erst nach derartigen methodischen Anmerkungen geht es um das eigentliche Thema. Als Einstieg verweist Werner noch auf das Scheitern der früheren Partei „Bund freier Bürger“, der ähnlich ausgerichtet war wie die AfD. Ihm gelang keine Akzeptanz als Wahlpartei, während dies seinem Nachfolger unter geänderten Rahmenbedingungen eher möglich sei. Danach fragt der Autor nach den „hegemonialen Umbrüchen im bürgerlichen Lager seit der Jahrtausendewende“ (S. 34), meint er doch den Aufstieg der AfD in diesem Kontext analysieren zu können. Denn deren erhöhte Wahrnehmung verdanke sie einer Politisierung der Europäischen Integration.

Dem folgend wirft Werner einen Blick auf das Personal der AfD, welches in „eine liberal-konservative, eine nationalkonservative und eine rechtspopulistische Grundströmung“ (S. 58) aufgeteilt werden könne. Dementsprechend bestünden auch Differenzen in den programmatischen Aussagen, die zwischen einerseits Euro-Kritik und Neoliberalismus und andererseits Besitzstandsverteidigung und Fremdenfeindlichkeit hin und her schwankten. Der Autor betont hier auch, dass es innerhalb der AfD ein erhebliches Konfliktpotential gebe. Die Pole bildeten zwei organische Intellektuelle: „Es handelt sich um den liberalen Elitismus eines Hans-Olaf Henkel einerseits und den viel deutliche volksnahen und wenig zimperlichen nationalen Sozialkonservatismus eines Alexander Gauland andererseits“ (S. 109). Und schließlich sieht der Autor auch in der „hegemonialen Ignoranz“ (S. 111), also dem Schweigen der politischen Eliten, über die sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten in der EU eine wichtige Ausgangsbasis für die Erfolge einer Partei wie der AfD.

Werners Arbeit zur Partei unterscheidet sich von anderen Publikationen durch den besonderen methodischen Zugang. Dabei kann der Autor die analytischen Potentiale von Gramscis Gesellschaftsanalyse auch noch für heutige Phänomen gut aufzeigen, gleichwohl wirken manche Einschätzungen sehr mechanisch und schematisch, insbesondere bei den Ausführungen zu den „Hegemonie“-Fragen. Beachtung verdient, dass Werner nach der Bedürfnislage der Anhänger und Wähler fragt. Eine Auseinandersetzung damit bedeutet in der Tat keine Akzeptanz oder Rechtfertigung, vielmehr geht es um das Nachvollziehen von Deutungsmustern und Ressentiments. Anschaulich arbeitet Werner die inneren Konflikte in der Partei heraus, welche ihre Erfolge wohl in der Tat mehr in Frage stellen könnten als der „hilflose Anti-Populismus politischer Eliten“ (S. 158). Dem Problem, inwieweit die AfD eine demokratische Partei ist, geht der Autor indessen nicht nach. Offenbar hält er sie ohne nähere Analyse für eine, wie manche Anmerkungen (vgl. 159, 178) nahe legen.

   Alban Werner
   Was ist, was will, wie wirkt die AfD?
   Neuer ISP-Verlag, Karlsruhe, 2015
   207 Seiten, 17,80 Euro

Kommentare(7)

Irmelaq Mensah-Schramm Dienstag, 05.Mai 2015, 11:56 Uhr:
Mein Gott, da hat sich doch die AfD bereits im sächsischen Parlament bestens geoutet.
Diese rassistische Partei hat die NPD doch "bestens" abgelöst und auch kopiert!
Sie sind keineswegs harmloser als die Nazis,- daher ein Wolf im Schafspelz!
 
rolf Dienstag, 05.Mai 2015, 14:10 Uhr:
„Was ist, was will, wie wirkt die AfD“

Die AfD war am Anfang eine Bewegung von Akademikern und Besserverdienern, welchen es in erster Linie um den Euro und damit verbundene wirtschaftliche Probleme ging. Eine wirtschaftsliberale und konservative Partei, deren Anhänger man eigentlich, in den Reihen von FDP und UNION wiederfinden müsste.

Diese Partei tauchte plötzlich auf, und geriet genau in eine Welle des in Deutschland aufkommenden, sogenannten, Rechtspopulismus hinein, eine Welle, welche die AfD zu Teilen überschwemmte.

Heute besteht die AfD aus drei Flügeln, dem Flügel NeuFDP ( Henkelflügel ), NeuCDU ( CDU vor Merkels Linkskurs, Gaulandflügel ), und einem NeuREP Flügel ( noch ohne eindeutig erkennbare Führung. Höcke tickt noch etwas anders )

Die AfD will der Dominanz der politischen Linken etwas entgegensetzen. Allerdings stehen Wirtschaftsliberale und Rechtskonservative miteinander in Konflikt.

Und, wenn die AfD an etwas scheitern sollte, dann mit Sicherheit nicht an "rechtspopulistischen" Themen, welche im Rest Europas zu großen Wahlerfolgen führen, sondern an Leuten wie Lucke und Henkel, welche genau diese Themen verhindern wollen.

In der Gesellschaft wird es jedenfalls zum Konflikt zwischen national eingestellten Ureinwohnern und der internationalistischen Linken/der muslimischen Kolonialisten kommen. Ziele: Rechte = Deutschland erhalten, Linke = Deutschland beseitigen, Muslime = Deutschland übernehmen.
 
Roichi Dienstag, 05.Mai 2015, 16:39 Uhr:
@ rofl

Deine Prophezeiungen sind genauso amüsant wie deine Analysen.
Sinnvoll oder inhaltliceh begründet sind beide nicht. Allein die Ideologie ist die Grundlage. Und daran hat sich seit Jahren nichts geändert.

Wie wäre es denn mal mit Bildung und Weiterentwicklung?
Die meisten Menschen sind dazu in der Lage.
 
Björn Dienstag, 05.Mai 2015, 18:07 Uhr:
@Herr Pfhal-Traughber

Mich würde mal interessieren worin denn der Unterschied zwischen dem sogenannten Rechtskonservatismus und dem "Rechtspopulismus" liegt. Oder nutzen Sie solche Begriffe selbst nicht? Lies sich aus dem Buch herauslesen wie der Autor zwischen beidem unterscheidet?
 
Dennis Dienstag, 05.Mai 2015, 18:35 Uhr:
@rolf:

"Ziele: Rechte = Deutschland erhalten, Linke = Deutschland beseitigen, Muslime = Deutschland übernehmen. "

Ich darf Sie korrigieren: Ihre rechten Freunde wollen Deutschland nicht erhalten. Sie wollen Deutschland abschaffen und durch einen Terrorstaat ersetzen, wie ihr geliebtes Deutsches Reich einer war. Außerdem sollen Grundrechte abgeschafft werden.

Zum Rest: Das linke Deutschland beseitigen wollen bzw. Muslime Deutschland übernehmen wollen, ist nicht mehr als eine tausendmal wiederholte Nazi-Parole, die ebenfalls tausendmal zerpflückt und widerlegt wurde.
Aber was besseres fällt Ihnen wohl einfach nicht ein. Wen wunderts.......

P.S.: Bei euch Nazis heißt es doch gar nicht Deutschland, es heißt doch BRD...
Nicht, dass der Führer das noch mitbekommt.
 
rolf Mittwoch, 06.Mai 2015, 19:32 Uhr:
@Björn

" worin denn der Unterschied zwischen dem sogenannten Rechtskonservatismus und dem "Rechtspopulismus" liegt. "

Mit dem Begriff "Populismus" unterstellt man ganz einfach eine Unseriosität, und das Vertreten einer angeblich dümmlichen Volksmeinung, Stichwort "Stammtischparolen". Wenn man dagegen das Vertreten nationaler Überzeugungen respektiert, spricht man von Rechtskonservatismus.

Fakt ist aber, dass den Deutschen grundsätzlich keine nationalen Einstellungen zugestanden werden. Wer national denkt, gilt als Staatsfeind, in dem internationalistischen Vielvölkerstaat BRD, welche die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges auf deutschem Territorium errichtet haben.

@Dennis

" Ihre rechten Freunde wollen Deutschland nicht erhalten. Sie wollen Deutschland abschaffen und durch einen Terrorstaat ersetzen, wie ihr geliebtes Deutsches Reich einer war. "

Sie verwechseln meine rechten Freunde mit den Neonazis in diesem Land.

" Das linke Deutschland beseitigen wollen bzw. Muslime Deutschland übernehmen wollen, "

ist meine feste Überzeugung! Die Linken nehmen sich das Heimatland der Deutschen und verschenken es an andere Ethnien, darunter zum Großteil Muslime, welche es gerne annehmen, um den Einfluss des Islam in Europa zu verstärken. Die Deutschen werden letztendlich zu einer Minderheit im eigenen Land gemacht, welche sich dann immer mehr einer migrantischen Mehrheit, und einer fremden politischen Macht unterwerfen muss.
 
Roichi Donnerstag, 07.Mai 2015, 10:09 Uhr:
@ rofl

Um deinen Kommentar mal kurz zu beschreiben:
Fakt ist, du verdrehst dir Definitionen, so dass sie dir passen, behauptest Dinge und erklärst sie dann zu Fakten und deine "feste Überzeugung" ist natürlich die alleinige Wahrheit. Achso eine Verschwörung darf auch nicht fehlen.

So musst du zumindest weder argumentieren, noch dich sonst irgendwie mit der Realität auseinandersetzen. Geschweige denn mit anderen Ansichten und Kommentaren.
 

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