von Tim Schulz
   

Alte und Neue Rechte auf der Leipziger Buchmesse

In weniger als zwei Wochen beginnt mit der Leipziger Buchmesse eines der wichtigsten Treffen der deutschen Literatur- und Medienbranche. Unter den Ausstellern befinden sich auch einige Akteure aus dem nationalkonservativen bis rechtsextremen Spektrum. Neben bekannten neurechten Verlagen sind erstmals auch NPD-nahe Publikationen vertreten. Das sorgt schon im Vorfeld für Diskussionen, schließlich sind die Erinnerungen an die Tumulte auf der Frankfurter Buchmesse noch frisch. Wie also lässt sich verhindern, dass die Literaturausstellung zur medialen Bühne für Kräfte vom rechten Rand wird?

Götz Kubitschek und Martin Sellner auf der Frankfurter Buchmesse, Foto: Screenshot YouTube

Für die führenden Medienmacher der Neuen Rechten steht jetzt schon eines fest: Leipzig wird das neue Frankfurt. Bei den einschlägigen Verlagen ist man anscheinend sicher, dass sich der Eklat vom letzten Oktober wiederholen wird. Götz Kubitschek etwa, Chef des Antaios-Verlag und führender Kopf hinter dem neurechten Thinktank „Institut für Staatspolitik“, nimmt bereits (rhetorisch) Wetten auf linke Störaktionen an und ruft seine Sympathisanten dazu auf, Raum zu ergreifen auf der Messe. Auch bei Jürgen Elsässers Compact-Magazin gibt man sich kämpferisch: Von „Leipzig für die Meinungsfreiheit“ zurückzuerobern, ist die Rede. Dafür begebe man sich auch in die „Höhle des Löwen“ - ein Verweis auf die starke alternative Szene vor Ort.

Angesichts der Gäste, die die Publizisten nach Leipzig holen wollen, ist das nicht abwegig: Während bei Antaios Martin Sellner und andere bekannte Kader der Identitären Bewegung über ihre von Pannen geplagte Mission „Defend Europe“ berichten sollen, lädt Jürgen Elsässer den wegen Volksverhetzung verurteilten Akif Pirinçci zum Gespräch. Man ist sich bewusst, dass erst die Eskalation den verhältnismäßig kleinen und umsatzschwachen Verlagen ein enormes Medienecho beschert. Schließlich führte ein Auftritt von Kadern der Identitären bereits in Frankfurt zu massiven Gegenprotesten und Handgreiflichkeiten. Zudem sind bekannte Gesichter wie Sellner auch Publikumsmagneten in rechten Kreisen.

Alte trifft Neue Rechte

Für Vertreter der „Alten Rechten“ ist die diesjährige Buchmesse derweil eine Premiere. Zum ersten Mal präsentieren sich in Leipzig auch klassische Rechtsextremisten, hauptsächlich aus dem Umfeld der NPD. Neben der „Deutschen Stimme“, der wichtigsten Publikation der Partei, ist auch die Stiftung „Europa Terra Nostra“ anwesend. Der selbsternannte Thinktank ist ein Ableger der „Allianz für Frieden und Freiheit“, einem Zusammenschluss verschiedener rechtsextremer Parteien im Europäischen Parlament und wird maßgeblich von NPD-Funktionären getragen.

Die Anwesenheit der Neonazis provoziert dabei nicht nur die Zivilgesellschaft: Auch Kubitschek, dessen Stand an den der rechtsextremen Stiftung angrenzt, zeigt sich pikiert über die ungewollte Nachbarschaft und wittert dahinter „politisches Kalkül“ der Messeleitung. Scheinbar sorgt sich der Verleger um die Anschlussfähigkeit an das bürgerliche Milieu. Der Aufruf von Peter Scheiber, Chefredakteur der „Deutschen Stimme“ und Vorstandsmitglied der NPD Sachsen, zur „Solidarität der nationalen Verlage untereinander“ dürfte angesichts dessen auf taube Ohren stoßen.

Zwischen Akzeptanz, Verbot und Widerstand

Spätestens seit der Frankfurter Buchmesse, bei der Gegenproteste und Störaktionen von beiden Seiten eskalierten und es mitunter zu Handgreiflichkeiten und Übergriffen durch mutmaßliche Rechtsextremisten kam, wird intensiv diskutiert, wie weit die Meinungsfreiheit gegenüber deren Feinden gelten dürfe. Auch auf der Leipziger Messe kam es in der Vergangenheit zu Protesten. Da überrascht es wenig, dass Stimmen laut werden, die den Ausschluss einschlägiger Verlage und Organisationen fordern. Genau das forderte jüngst auch die Linken-Fraktion im Leipziger Stadtrat vergeblich. Gleichzeitig organisieren mehrere Gruppen Proteste gegen die drohende Vereinnahmung der Veranstaltung durch Rechtspopulisten und Rechtsextreme.

Aus Sicht der Messeleitung steht ein Verbot von rechten Akteuren außer Frage, so Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse. Als öffentliches Unternehmen sei man eng an die Meinungs- und Pressefreiheit gebunden. Zwar arbeite man an einer Strategie, um die mediale Dominanz rechter Medien zu verhindern und erarbeite ein neues Sicherheitskonzept, aber: „Eine perfekte Lösung für das Problem gibt es nicht. Was in der Gesellschaft virulent ist, kann eine Buchmesse aufzeigen, aber nicht endgültig lösen.“

Allerdings formiert sich auch unter den teilnehmenden Verlagen Widerstand. Mit der Initiative „Verlage gegen Rechts“ versuchen 70 Medien und unzählige Einzelpersonen, die rechte Präsenz auf der Literaturausstellung nicht unwidersprochen zu lassen. „Ihre Positionen sind keine Diskussionsbeiträge, denn an einem Austausch sind sie nicht interessiert. Sie sind die Scharfmacher*innen, in deren Windschatten sich Gewalttäter*innen bewegen“, so der Aufruf zur Teilnahme. Mit Veranstaltungen zu Themen wie Flucht und Rechtsextremismus will die Initiative ein Gegengewicht zu den neurechten Akteuren schaffen. Zwar wirbt die Initiative für eine differenziertere Auseinandersetzung mit der Problematik, eine Bühne will man letzteren allerdings nicht geben. 

Kategorien:

Kommentare(5)

Getreide Sonntag, 04.März 2018, 19:52 Uhr:
Alternative Szene in Leipzig?

Es tut mir leid wenn ich das so sage, aber ob alternativ für die Szene in Leipzig das richtige Wort ist, finde ich doch sehr fraglich.

Selbst der Verfassungsschutzbericht weißt den extremistischen Teil der Linken Szene in Sachsen vorwiegend für die Stadt Leipzig zu. Und das ist auch nicht unbegründet.

Brandstiftung, Angriff auf Polizeibeamten bzw. deren Polizeiwache, Körperverletzungen, Einbruch und Sachbeschädigung sind keine Taten von Menschen die ich als alternativ bezeichnen würde.

Rechtsextreme soll auch so nennen, dann sollte man Linksextreme auch so nennen und nicht als Alternativ verharmlosen.
 
Alfons Wannenbichler Montag, 05.März 2018, 19:14 Uhr:
Eine pluralistsiche, offene und bunte Gesellschaft muss auch rechte Ansichten aushalten können. Braun ist doch auch eine Farbe. Stellt Euch nicht so an und spendet Eure Zeit und Euer Geld lieber den Tafeln.

Gott zum Gruß aus Bayern!
 
Roichi Mittwoch, 07.März 2018, 12:22 Uhr:
@ Alfons

Eine pluralistische, offene und bunte Gesellschaft muss nicht aushalten, wenn einige Menschen andere Menschen aufgrund von Herkunft, Hautfarbe oder Sexualität ausgrenzen, mit Gewalt bedrohen oder gar töten wollen.
Dagegen kann und muss eine Gesellschaft vorgehen, sonst ist sie bald nicht mehr pluralistisch, offen und bunt.
Ist ja nicht so, dass Nazisein angeboren wäre. Das ist bewusst gewollte Gewalt gegenüber Schwächeren um sich selbst zu überhöhen.
Das muss man nicht dulden. Und dem muss keine Bühne geboten werden.
 
Alfons Wannenbichler Freitag, 09.März 2018, 10:08 Uhr:
an Frau Roichi:

wie kommen Sie denn dazu zu behaupten, dass die in Leipzig ausstellenden rechten Verlage Menschen töten wollen? Geht es vielleicht auch eine Nummer kleiner?

 
Konservativ_freiheitlich Freitag, 09.März 2018, 16:42 Uhr:
@Roichi: Wo werden denn "Menschen aufgrund von Herkunft, Hautfarbe oder Sexualität " von Rechten mit Gewalt bedroht oder gar getötet? Wie belegen Sie das konkret? Von Kubitschek und Antaios ganz bestimmt nicht. Dagegen sind es leider die linksextremen Kräfte der Antifa, die vor roher Gewalt gegen Andersdenkende nicht zurückschrecken und auch deren Tod billigend in Kauf nehmen. Beispiele könnte man dutzende nennen. Antaios hat auf der Frankfurter Buchmesse den Dialog gesucht, man hat ihn von linker Seite allerdings verweigert. Im übrigen: Nicht alles ist Nazi, was nicht links ist. Rechts und rechtskonservativ ist ein legitimer Teil des politischen Spektrums und hat nichts mit Nazi zu tun.
 

Die Diskussion wurde geschlossen