Alljährlicher Heß-Kult

Für August dieses Jahres rufen Neonazis intern dazu auf, eine „Aktion Straßenschilder für Rudolf Heß“ durchzuführen. Der Hitler-Stellvertreter ist seit seinem Tod 1987 zu einer Kult- und Märtyrerfigur der Neonazis avanciert.

Freitag, 30. Juli 2010
Maik Baumgärtner

„Rechtzeitig zum Todestag des Stellvertreters des Führers Rudolf Heß“ verschicken die Macher der neonazistischen Zeitschrift „Schwarze Fahne“ innerhalb der Neonazi-Szene einen Aufruf zur „Aktion Straßenschilder für Rudolf Heß“. Dem Schreiben hängt eine „Vorlage zur Beklebung von Straßenschildern“ an, die sich auf „selbstklebendem, nassklebendem oder einfachem Papier in DIN-A-3-Format“ mit der Aufschrift „Rudolf-Heß-Str.“ ausdrucken lässt.

Seit im Jahr 2005 durch das Bundesverfassungsgericht der so genannte „Heß-Gedenkmarsch“ in Wunsiedel verboten wurde, versucht die Neonazi-Szene durch andere Aktionsformen ihren Heß-Kult aufrechtzuerhalten. Für Aufsehen sorgte in der Vergangenheit vor allem die „Rudolf Heß Tour“, bei der 2007 ein LKW mit dem Konterfei Heß' durch verschiedene Städte tourte.

Zum Gedenken ein Fußballturnier

Im vergangenen Jahr sollten dann in über 100 Städten so genannte „Flashmobs“ stattfinden, bei denen Neonazis schnell zusammen kommen und versteinert stehen bleiben sollten, um am Ende die Schlussworte des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß während der Nürnberger Prozesse zu verlesen. Tatsächlich fanden dann aber nur wenige dieser Zusammenkünfte statt. Im Vogtland gedenken Neonazis ihres Märtyrers seit Jahren durch ein Fußballturnier. Das so genannte „Rudolf-Heß-Gedenkturnier“ soll Ende August bereits zum 10. Mal stattfinden.

Aufkleberaktionen, Schmierereien und Transparente zu Ehren des am 17. August 1987 durch Selbstmord umgekommenen NS-Kriegsverbrechers gehören dagegen seit Jahren zum Standardrepertoire der Szene. Mit der nun verschickten Druckvorlage ist auch in diesem Jahr wieder mit massiven Sachbeschädigungen und Propagandaaktionen zu rechnen.

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