von Robert Scholz
   

Alle Jahre wieder – Heiligen-Verehrung zum 20. Juli in der „Jungen Freiheit“

Die unumstößlichste Konstante der rechtskonservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JN) ist wohl ohne jeden Zweifel die Verehrung von Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Pünktlich zum Jahrestag des gescheiterten Hitlerattentates gibt es daher wieder eine Schwerpunktausgabe zur Arbeit am „Mythos Stauffenberg“. 

Du sollst neben mir keine anderen Götter haben, lautet eines der zehn Gebote, das Thorsten Hinz wortgewaltig in der aktuellen Ausgabe der JF nun auch für Claus Schenk Graf von Stauffenberg einfordert. Anlass ist ein Antrag der Linkspartei (BT-Drs. 17/2201), mit dem die Bundesregierung dazu aufgefordert werden soll, „durch eine öffentliche Geste die Zugehörigkeit deutscher Kommunisten und Kommunistinnen zum Erbe des Widerstands gegen das NS-Regime zum Ausdruck zu bringen“. Für Hinz ist das natürlich ein Frevel, da in dem Antrag konkret auch ein Härtefonds für NS-Geschädigte gefordert wird, von dem die Widerständler profitieren sollen, denen Zahlungen aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der KPD verwehrt wurden.

„Das spezifische Interesse der Linkspartei besteht darin“, erläutert Hinz, „den Anteil der KPD an der Entstehung des NS-Regimes zu vernebeln.“ Die kommunistische Bewegung sei aber der „verlängerte Arm Moskaus im europäischen Bürgerkrieg der Systeme“ gewesen. Erst die „drohende Schreckensherrschaft nach sowjetischem Vorbild“ hätten NSDAP und SA den nötigen Massenzulauf verschafft, so Hinz, der damit Noltes „kausalen Nexus“ auf die Innenpolitik anwendet. Da die KPD nach dieser Auffassung mit dem Kampf gegen das NS-Regime „lediglich ihren ideologischen Bürgerkrieg“ fortsetzte, könne sie nicht „zum Erbe des deutschen Widerstandes gerechnet werden, der humanistischen und patriotischen Überzeugungen folgte.“

Schon kurios, dass noch in der selben Ausgabe eine Pop-Art-Adaption des Stauffenberg-Porträts, das ausdrücklich eine Reaktion auf die Che-Guevara-Ikonographie darstellen soll, gefeiert wird, als würde damit eine „geistig-politische Wende“ eingeleitet. Jens Gerlach heißt der Mann hinter „KonMo“ (konservative Mode), der für seine T-Shirt-Produktreihe „Stauffenberg“ ein ganzseitiges Interview in der „Jungen Freiheit“ erhält. Immerhin sind ja schon 30 (in Worten: dreißig!) T-Shirts über die virtuelle Ladentheke gegangen. Also noch reichlich Arbeit für das junge Textilunternehmen, das „für Stauffenberg in Sachen Popkultur Boden“ gutmachen will. Vorbild sei die „Konservativ-Subversive-Aktion“, die ebenfalls „Stilmittel der Linken“ nutze und sie „für die eigenen Zwecke“ umfunktioniere. Gerlach fordert daher auch Che Guevara durch Stauffenberg zu ersetzen, denn im Gegensatz zu ersterem sei letzterer „kein Mörder“ gewesen. Nun muss man es nicht mit Tucholsky halten, der Soldaten grundsätzlich für Mörder hielt. Aber wofür wird Stauffenberg eigentlich geehrt, wenn nicht für den von ihm unternommenen Tyrannenmord, der trotz Scheiterns drei Todesopfer forderte?

Als weitere Devotionalien werden in der JF noch ein „Wandgemälde“ in Form eines Bilderdrucks für stolze 175 Euro angepriesen und auch ein Schal mit Stauffenberg-Motiv fand Aufnahme in die rechtskonservative Liturgie.

Kommentare(1)

Mathias Jäger Donnerstag, 22.Juli 2010, 20:56 Uhr:
Ich weiß nicht was sie gegen die Ehrung von Widerstandkäpfern haben.
Wo sie damals gestanden hätten, wissen sie heute nicht.
Ihr heutiger Widerstand ist jene Art, die ein Amerikaner nach 45 persiflierte:
Der Widerstand gegen Hitler nimmt täglich zu!
Also lassen sie Kritik an Menschen, die Ihr Leben in schwierigen Zeiten gegen die Diktatur eingesetzt haben.
 

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