von Oliver Cruzcampo
   

Alkoholverbot in Themar: Neonazis trockengelegt

Wenn am Wochenende in Themar die dritte Festival-Saison in Folge eröffnet wird, werden erneut Hunderte Neonazis in der kleinen Gemeinde in Thüringen erwartet. Strengere Auflagen sollen das Wohlfühl-Erlebnis der Teilnehmer einschränken. Nach derzeitigem Stand ist in etwa der Ausschank von Alkohol untersagt. Dafür mietete die Polizei auch gleich eine angrenzende Tankstelle, die die Rechtsrock-Anhänger früher nutzten, um „Nachschub“ zu besorgen.

2017 zählte die Polizei noch 6.000 Teilnehmer, seitdem sind die Zahlen rückläufig.

Nach dem „Schild und Schwert“-Festival im sächsischen Ostritz vor wenigen Wochen steht nun das erste große Rechtsrock-Festival in Thüringen bevor. Wie bereits in den letzten Jahren wird dafür die Wiese in Themar in Beschlag genommen, jener Ort, an den im Sommer 2017 6.000 Teilnehmer strömten und die von Tommy Frenck organisierte Veranstaltung zu einer der größten in der Nachkriegsgeschichte machten.

Die „Tage der nationalen Bewegung“ werden auf einschlägigen Seiten bereits seit Monaten beworben – dahinter steckt, wie bereits im letzten Jahr, die Bundes-NPD. Vor allem Partei-Funktionär Sebastian Schmidtke zeichnet für die Organisation und Durchführung verantwortlich. Jetzt hat sich der Neonazi in einer Videobotschaft an die erwarteten 800 Teilnehmer gewandt. Es gibt derzeit ein ganzes Bündel an Auflagen.

Leichtbier am Freitag, alkoholfrei am Sonnabend

Genau wie in Ostritz wird es nach derzeitigem Stand keinen Alkoholausschank geben, das entschied das Verwaltungsgericht Meiningen am Montag. Lediglich Leichtbier darf am Freitagabend verkauft werden, gegen die Entscheidung will die NPD jedoch vorgehen und sich an die nächste Instanz wenden.

Auch die Polizei selbst macht den Neonazis in der Hinsicht einen Strich durch die Rechnung. So machten sich in den letzten zwei Jahren regelmäßig Teilnehmer des rechtsextremen Festivals auf den Weg zur nur wenige Meter entfernten Tankstelle und deckten sich dort mit Alkohol ein. In diesem Jahr hat die Behörde den Ort jedoch gemietet, die Tankstelle bleibt geschlossen, sie soll als Basisstation für die Polizei dienen.


Solche Situationen wie zuletzt 2018 wird es nicht mehr geben, Foto: Thomas Witzgall

Zudem sollen Neonazi-Gruppen, die das Gelände verlassen, durch die Polizei eng begleitet werden. Etwaige Bedrohungsszenarien sollen so unterbunden werden. All diese Maßnahmen kündigte Innenminister Georg Maier bereits im letzten Jahr an und sprach von einer „Politik der Nadelstiche“. „Es ist deutlich ungemütlicher geworden, solche Veranstaltungen auszurichten und sie zu besuchen“, so der SPD-Politiker.

45 Euro für politische Versammlung

Nutznießer des Alkohol-Verbotes könnte indes Tommy Frenck werden, der Neonazi-Unternehmer wirbt bereits mit dem Verkauf von Bier an beiden Tagen. Sein Gasthaus „Zum Goldenen Löwen“ in Kloster Veßra liegt nur rund zwei Kilometer vom Gelände entfernt.

45 Euro kostet der Eintritt für das Wochenende, die Tickets können über den Online-Shop der NPD bezogen werden. Dass es sich dabei um eine politische Versammlung handelt, tritt in der Öffentlichkeit zunehmend in den Hintergrund. Es bleibt jedoch einer der Hauptkritikpunkte, die Festivals hätten kommerziellen Charakter, Gerichte hoben Verbote jedoch regelmäßig auf. Von politischen Inhalten ist derweil kaum etwas zu spüren, Namen der Redner auf den „Tagen der nationalen Bewegung“ sucht man vergeblich, alles dreht sich um die angekündigten Rechtsrock-Bands.

Doch auch da muss die NPD kleinere Brötchen backen, rechte Kultbands wie Kategorie C oder die Lunikoff-Verschwörung, die letztes Jahr spielten, finden sich nicht mehr auf dem Flyer wieder. Ob Sturmwehr, Oidoxie oder Übermensch erneut 2.000 Rechtsrock-Anhänger in den kleinen Ort locken, bleibt fraglich. Freitagabend 18 Uhr ist offizieller Beginn, viele Teilnehmer werden wohl aber erst am Sonnabend anreisen, auf dem Gelände gibt es keine Übernachtungsmöglichkeiten.

Das lokale Bündnis gegen den Neonazi-Event will diesmal Proteste in Hör- und Sichtweite herstellen und wartet mit Versammlungen links und rechts der NPD auf. Geworben wird mit Musik, Filmvorführungen und Redebeiträgen aus Zivilgesellschaft und Politik.

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