von Oliver Cruzcampo
   

Alkoholentzug zeigt Wirkung

Am Wochenende fand der thüringische Ort Themar bundesweite Aufmerksamkeit. Erneut wurde ein Rechtsrock-Festival durchgeführt, doch der Innenminister und die Behörden gingen konsequent gegen die Rechtsextremen vor. Das Alkoholverbot sorgte für gedrückte Stimmung, die Teilnehmer-Zahlen sind deutlich rückläufig.

Behördliche Auflagen haben zu einem deutlichen Rückgang der Teilnehmer-Zahlen in Themar geführt.

„Eingeschleuste Provokateure“ würde es ganz sicher auf der Veranstaltung geben, erklärte Organisator Sebastian Schmidtke am Sonnabend in Themar. Immer wieder auch im Vorfeld und während der Veranstaltung am Wochenende darauf hingewiesen, keine verbotenen Tätowierungen zu zeigen oder die Hand „unten zu halten“. Damit dürfte der Hitlergruß gemeint sein, der 2017 noch mehrfach gesehen wurde.

Nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walther Lübcke, mutmaßlich durch einen in der rechtsextremen Szene vernetzten Neonazi, standen die „Tage der nationalen Bewegung“ vermehrt im Fokus der Öffentlichkeit. Dementsprechend war das Medienaufgebot am Freitagabend und Sonnabend beachtlich.

Alkoholfreies Bier und Wasser

Doch im Vergleich zu den letzten beiden Jahren fanden viele Medienvertreter vor allem gelangweilt und enttäuscht wirkende Neonazis vor. Der Grund dafür dürfte vor allem im Alkoholverbot liegen, den die Behörden in diesem Jahr per Auflagen festlegten. Freitagabend gab es noch Leichtbier, die restlichen Fässer wurden am Samstagmorgen vom Gelände gebracht. Notgedrungen mussten sich die Teilnehmer mit alkoholfreiem Bier und Wasser zufriedengeben.

Innenminister Georg Maier und das Landratsamt hatten dies zur Bedingung gemacht – und die Auflagen hielten vor Gericht stand. Eine Tankstelle direkt neben dem Veranstaltungsgelände wurde von der Polizei genutzt und geschlossen – die letzten beiden Jahre nutzten Neonazis den Ort noch ausgiebig, um „nachzutanken“.

Neonazi-Festival Themar

Der umtriebige Neonazi Tommy Frenck hatte im nur zwei Kilometer entfernten Kloster Veßra mit 500 Kästen Bier geworben, die in seinem Gasthof „Goldener Löwe“ angeblich zum Verkauf stünden, das Verbot sollte so umgangen werden. Doch auch diese Vorräte wurden später versiegelt, wie die Polizei mitteilte.

Die von Innenminister Georg Maier genannte „Politik der Nadelstiche“ zeigte Wirkung. Während sich 2017 6.000 Teilnehmer auf den Weg nach Themar machten und die NPD-Veranstaltung im vergangenen Jahr immerhin noch 2.200 Rechtsrock-Fan anzog, ging die Zahl in diesem Jahr erneut deutlich zurück. 920 Personen zählte die Polizei am Sonnabend, 380 waren bereits am Freitagabend angereist.

Schmidtke nimmt neuen Anlauf

An dem Abend mussten gleich zwei Bands – Sturmwehr und Unbeliebte Jungs – ihre Auftritte vorzeitig abbrechen. Kundige Polizeibeamte hatten Verstöße gegen Auflagen bzw. nicht-angemeldete Lieder festgestellt und führten die Bands vom Gelände, die auch am darauffolgenden Tag nicht mehr auftreten durften.

Eine weitere Änderung: Journalisten konnten sich auf dem Gelände frei bewegen – immerhin handelte es sich um eine öffentliche Versammlung. Dies war in der Form zuvor nicht möglich, meist mit dem Verweis darauf, dass die Sicherheit nicht garantiert werden könne. Einige Dutzend auf der Wiese positionierte Polizisten zeigten deutlich Wirkung.

NPD-Mann Sebastian Schmidtke und Tommy versuchten dennoch gute Miene zum bösen Spiel zu machen und forderten die Anhänger förmlich dazu auf, auch ohne Alkohol Spaß haben zu können. Dass die „Tage der nationalen Bewegung“ in diesem Jahr floppten, dürfte auch den beiden Rechtsextremen bewusst sein.

Nicht ohne Grund werben diese seit Sonntag für eine weitere Veranstaltung in Themar, Motto: „Gegen staatliche Repression - Musik & Redebeiträge für die Versammlungs- & Meinungsfreiheit in Deutschland“. Schmidtke hat für das letzte August-Wochenende und die beiden darauffolgenden eine weitere Veranstaltung in Themar angemeldet. Sollte diese in der Form stattfinden, wird der NPD-Kader vorab gute Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Kommentare(1)

Irmela Mensah-Schramm Montag, 08.Juli 2019, 17:09 Uhr:
Folgerichtig und mehr als überfällig. Aber darauf mussten die Behörden erst mal gebracht werden durch Aktivisten der Zivilgesellschaft in Ostritz vor kurzem!
Der nächste Schritt wäre, diese widerlichen Mobilisierungs - Spektakel gänzlich zu unterbinden!
Wer die Demokratie abschaffen will, kann und darf nicht die durch sie garantierten Grundrechte in Anspruch nehmen!

 

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