von Marc Brandstetter
   

Aktuelles in Sachen NSU: Weiterer Verdächtiger festgenommen und neue Spur zur NPD

Gestern wurde in Johanngeorgenstadt (Sachsen) Matthias D. als weiterer mutmaßlicher Unterstützer des Nationalsozialistischen Untergrundes festgenommen. Außerdem hat sich bei den Ermittlungen offenbar eine neue Spur aufgetan, die nach Berlin und zur NPD führt.

Der sächsische Neonazi D. ist dringend verdächtig, in Zwickau Wohnungen angemietet zu haben, die er dem Terror-Trio um Beate Zschäpe zur Verfügung gestellt haben soll. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, er habe den Rechtsterroristen ermöglicht, „ein Leben unter falscher Identität zu führen und unentdeckt Terroranschläge [zu] verüben.“ Die Wohnungen dienten dem NSU als Operationsbasis. D. behauptet, von der wahren Identität der drei nichts gewusst zu haben. Die Anzahl der inhaftierten NSU-Helfer erhöht sich damit auf vier.

Der Verhaftete gilt als Kopf einer rechten Clique, die vor allem um die Jahrtausendwende in der Gegend um Johanngeorgenstadt aktiv war. Zur sogenannten Brigade Ost gehörte ebenfalls André K., der bereits am 24. November 2011 von der Spezialeinheit GSG 9 in Grabow (Brandenburg) festgenommen wurde. Er soll das Bekenner-Video für die Zwickauer Zelle hergestellt haben.

Auch Mandy S. aus Sachsen ist eine der Personen, die 1998 den Schritt in die Illegalität ermöglicht haben sollen. Offenbar hat sie 1998 die drei NSU-Terroristen nach deren Untertauchen für mehrere Monate in der Chemnitzer Wohnung ihres damaligen Freundes aufgenommen. Die Frau hat die Vorwürfe mittlerweile eingeräumt.

Der Ralf Wohlleben und dem Verdacht gegen den NPD-Bundesorganisationsleiter Patrick Wieschke weitere Anhaltspunkte auf eine Vernetzung von NPD-Strukturen und NSU deuten. 

Kommentare(12)

Dr.Eisenbart Montag, 12.Dezember 2011, 23:49 Uhr:
"Er soll das Bekenner-Video für die Zwickauer Zelle hergestellt haben."

Behauptet wer?
 
Amtsträger Dienstag, 13.Dezember 2011, 07:22 Uhr:
"Behauptet wer?"

Die Bundesanwaltschaft, als zuständige Verfolgungsbehörde!
 
Schwab Dienstag, 13.Dezember 2011, 20:04 Uhr:
Wir sollten uns alle mal mehr mit dem möglichen italienischen Vorbild des NSU befassen: "Gladio" und "Strategie der Spannung":

http://de.wikipedia.org/wiki/Strategie_der_Spannung_%28Italien%29
 
hans Mittwoch, 14.Dezember 2011, 01:29 Uhr:
Die Bundesanwaltschaft hat nie behauptet, Andre K. habe das Video erstellt, auch wurde er nie in Brandenburg festgenommen! Erst Nachnamen checken, dann schreiben!
 
b.c. Mittwoch, 14.Dezember 2011, 09:59 Uhr:
hans hat recht. der videocutter (in grabow festgenommen) wird Andre E. in der presse genannt.
Andre Kappke ist ein weggefaehrte von wohlleben und auch vom killertrio aus THS-zeiten. inwieweit er mit dem killertrio nach deren untertauchen verbandelt war, ist oeffentlich nicht bekannt.
 
Schwab Mittwoch, 14.Dezember 2011, 22:10 Uhr:
Keine Aufklärung, stattdessen viel Verschleierung:

http://www.jungewelt.de/2011/12-15/049.php
 
Bertl Mittwoch, 14.Dezember 2011, 23:12 Uhr:
Hier zum Thema "Dönermorde" ein Spiegel- Bericht vom 22.08.2011
:http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-80075315.html

Sehr Interessant,wie ich finde.
 
b.c. Donnerstag, 15.Dezember 2011, 09:48 Uhr:
@schwab
"Keine Aufklärung, stattdessen viel Verschleierung:"

ihre schlussfolgerung erscheint mir etwas verfrueht. es ist doch nicht ungewoehnlich, dass das gemeine volk ueber den aktuellen ermittlungsstand im unklaren bleibt, solange der fall nicht abgeschlossen ist.
wo ich der kritik zum teil zustimme, ist die frage der kontrolle/unabhaengigkeit der aufklaerung. aber unabhaengiger als der bundesstaatsanwalt wird es wohl nicht zu haben sein.
 
Schwab Donnerstag, 15.Dezember 2011, 12:46 Uhr:
@b. c.

Der Generalbundesanwalt ist auch Repräsentant des Systems. Hängt von der Person ab, ob er auch gegenüber Systeminstitutionen eventuell belastendes Material an die Öffentlichkeit bringt.

In Bezug auf den Oktoberfest-Anschlag von 1980 sind bei der Ermittlung gegen die Wehrsportgruppe Hoffmann Geheimhaltungsstufen sabotiert worden, Beweismittel verschwunden, Zeugen plötzlich gestorben ...

Schaun Sie sich mal hierzu den Arte-Film über "Gladio" an. Der Oktoberfestanschlag von 1980 ist im zweiten Teil.

http://www.youtube.com/watch?v=HtUoPRERbXk
 
b.c. Donnerstag, 15.Dezember 2011, 16:22 Uhr:
@schwab
"Der Generalbundesanwalt ist auch Repräsentant des Systems."

also prinzipiell ist eine gewaltenteilung gegeben. der generalbundesanwalt gehoert weder zum BKA/LKA noch zum VS. er ist auch kein verantwortlicher politiker aus den entsprechenden geltungsbereichen.

sicher ist es in der vergangenheit auch schon mal zu mauscheleien zwischen polizei und staatsanwaltschaft gekommen. in diesem fall haben wir aber zusaetzlich noch die presse, die den leuten auf die finger schaut. das ist sicher schon viel mehr kontrolle, als bei einer beziehungstat in der provinz.

was wuerden sie denn vorschlagen, um eine noch groessere unabhaengigkeit zu gewaehrleisten? ein praktizierender neonazi (oder wer steht noch ausserhalb des systems?) ist wohl auch nicht unabhaengig zu nennen. sollte ein abgesandter aus Den Haag die sache leiten?
 
b.c. Donnerstag, 15.Dezember 2011, 16:25 Uhr:
@schwab
"In Bezug auf den Oktoberfest-Anschlag von 1980 sind bei der Ermittlung gegen die Wehrsportgruppe Hoffmann Geheimhaltungsstufen sabotiert worden, Beweismittel verschwunden, Zeugen plötzlich gestorben ..."

40 jahre nach dem nationalsozialismus war der muff aus dem BKA noch nicht ganz verschwunden. heute sind es 30 jahre mehr ;o)
 
Amtsträger Donnerstag, 15.Dezember 2011, 19:30 Uhr:
Der Generalbundesanwalt, das BKA, der VS und alle Polizeien sind Teil deR Exekutive.
Die Gewaltenteilung bezieht sich auf Legislative, Exekutive und Judikative.
Ein Problem der Gewaltenteilung liegt nicht vor.

Und das der Generalbundesanwalt nur gesicherte Informationen veröffentlich, ist wohl selbstverständlich.
Bei dieser Komplexität und Täterdichte ist eine Aufarbeitung zeitaufwendig und schwierig. Dieser Fall wird jetzt schon mit Sicherheit mehrere Regale voller Ordner füllen!
 

Die Diskussion wurde geschlossen