Aktivierung der Anhänger

„Runderneuerung“ und Abgrenzung zur NPD verlaufen innerhalb der DVU nicht ohne Konflikte.

Donnerstag, 06. August 2009
Tomas Sager

Die Versuche des DVU-Vorsitzenden Matthias Faust, aus der Deutschen Volksunion eine „richtige“ Partei zu machen, werden von Udo Voigts NPD argwöhnisch verfolgt. Doch nicht nur zwischen der (Mehrheits-)NPD auf der einen Seite und der DVU auf der anderen Seite verlaufen die Konfliktlinien. Auch innerhalb der DVU knirscht es im Gebälk.

Beispiel Baden-Württemberg: Dort hat im Juli dieses Jahres der Landeschef Walter Baur die Brocken hingeschmissen – die Parteispitze erfuhr davon offenbar erst aus Internetforen. Bei der DVU bemüht man sich um Normalität: Schon seit Monaten sei bekannt gewesen, dass Baur, der auch ein Parteibuch der NPD in der Tasche hat, sein Amt nicht länger habe ausüben wollen. Die NPD Baden-Württemberg zündelt derweil weiter: Baur sei „mittlerweile aus dem Zeitungsverlag der DVU wegen seiner ‘Nähe zur NPD’ gekündigt“ worden.

Beispiel Hessen: Auch dort geht es um NPD-Nähe. Der hessische DVU-Landesvorsitzende Gerald Wissler hatte Anfang Juli gemeinsam mit NPD-Landeschef Jörg Krebs betont, „dass der jüngsten Entwicklung zwischen DVU und NPD auf Bundesebene zum Trotz, konkurrierende Wahlantritte der beiden Parteien gegeneinander auf kommunaler Ebene unbedingt verhindert werden müssten“. Wissler rechtfertigte sich: „Das angesprochene Treffen mit Herrn Krebs war schon vor dem Ende des Deutschland-Paktes terminiert, aber da die hessische Kommunalpolitik vom Deutschland-Pakt nicht betroffen war, gab es keinen Grund, daran etwas zu ändern.“ Das mögen jene DVUler nicht einsehen, die auf Frontalkonfrontation zur NPD setzen und darauf verweisen, Krebs gehöre zu denen, die die Aufkündigung des Pakts ausdrücklich befürwortet hätten.

Am offenkundigsten wurde der Zoff in den DVU-Reihen in Berlin. Der zwischenzeitlich „ausgestiegene“ Neonazi Detlef Nolde und der ehemalige NPD-Landesvize Hans-Joachim Henry, beide neu in der Partei, sorgen dort für Aufregung. Auch hier lautet der gegen den Landeschef Torsten Meyer gerichtete Vorwurf: zu große Affinität zur NPD. Sogar auf der Homepage des Landesverbandes fand sich eine offene Kampfansage an Meyer: In Berlin gebe es Leute, die „eine runderneuerte DVU nicht wollen“. Gemeint sei „der gesamte Landesvorstand der DVU mit Torsten Meyer an der Spitze“. Sogar die Zentrale in München wurde von Nolde & Co. zum Eingreifen aufgefordert: Es werde „nötig sein, von Seiten der Parteiführung nachhaltig gegen den Noch-Landesvorstand wegen parteischädigenden Verhaltens vorzugehen“.

Doch wie stark ist der Vorsitzende des Gebildes DVU überhaupt? In alle Welt hatte Matthias Faust getwittert, die DVU werde bei der Bundestagswahl in 14 Ländern kandidieren. Am Ende blieben nur noch zwölf. Erst war es der sächsische Landesverband, dessen Organisationsleiter Bernd Zeise eigenständig verbreitete, „nach längerer Überlegung und in Absprache mit dem Bundesvorsitzenden“ sei man übereingekommen, „die Landesliste nicht einzureichen, um in Sachsen ein Zeichen zu setzen, dass trotz Bündnisbruches des NPD-Vorstandes das kollegiale und auch freundschaftliche Verhältnis aufrecht erhalten werden soll und ein Gegeneinander somit nicht sinnvoll ist“ – als hätte es aus DVU-Sicht erst „längerer Überlegung“ bedurft, um zu diesem Schluss kommen zu können. Dann blieb unklar, warum die von Faust avisierte Landesliste in Thüringen nicht eingereicht wurde.

Faust schob eine Erklärung nach: Dass man in Sachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland nicht antrete, sei eine „bewusste Entscheidung“. Faust: „Insbesondere in Sachsen und im Saarland, aber auch in Thüringen ist zu den Landtagswahlen eine NPD aufgestellt, die diesen Weg ebenfalls geht. Ein Gegeneinander wäre hier völlig sinnlos.“ Neu dabei ist, dass Faust nun auch die von Voigt-Stellvertreter Frank Schwerdt geführte NPD Thüringen quasi zur Riege der „Erneuerer“ zu zählen scheint.

Faust will derweil weitermachen mit der „längst fälligen Aktivierung unserer Anhängerschaft“. Einfach dürfte das nicht werden bei einer Mitgliedschaft, die abgesehen vom Lesen der „National-Zeitung“ auf Passivität getrimmt worden ist und bei der, glaubt man dem inzwischen in DVU-Diensten stehenden Christian Worch, nicht einmal jeder Zweite den Mindestmonatsbeitrag von 3 Euro zahlt.

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