von Jan Adam
   

Aktionswoche gegen Rassismus im Fußball – Mehr Schein als Sein

Bereits zum neunten Mal findet aktuell die Europäische Aktionswoche gegen Rassismus im Fußball statt. Initiiert wird sie vom Netzwerk „Fußball gegen Rassismus in Europa“ (FARE). Ziel von Europas größter Antidiskriminierungskampagne soll es sein, gemeinsam für Gleichheit und gegen Rassismus und Diskriminierung einzustehen. Andere sehen in ihre eine "Imagekampagne".

In diesem Jahr beteiligten sich 40 Länder in Europa an der Kampagne, unter ihnen auch die Bundesrepublik  Deutschland. Eines der Schwerpunkte in diesem Jahr ist das Thema Homophobie im Fußball.

Die Initiative, die von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) unterstützt wird, beinhaltet fast eintausend Einzelinitiativen von Aktivisten, Fans, Klubs, nationalen Verbänden und Organisationen ethnischer Minderheiten in ganz Europa. In Deutschland finden z.B. beim Schalker Fanprojekt Workshops zum Thema „rechtsextreme Symbole“ statt, der Fanladen St. Pauli erstellt Flyer gegen Homophobie und Fangruppen von 1860 München, KFC Uerdingen und Göttingen 05 wenden sich bei Spielen ihres Clubs mit Plakaten und Choreografien gegen Rechtsextremismus.

Auch die Spiele der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga sind in die Aktionen der FARE eingebettet. Am letzten Spieltag trugen beispielsweise die Spieler aller Bundesligisten beim Einlaufen ins Stadion eine Rote Karte gegen Rassismus mit aufs Spielfeld.

Wie präsent das Thema Rassismus im Fußball noch immer ist, zeigt eine Reportage von "Spiegel-Online" vom vergangenen Freitag. Der Autor Christoph Biermann geht darin auf aktuelle Fälle beim spanischen Fußballclub Atletico Madrid und beim aktuellen UEFA-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg ein.

Bei der Champions-League Begegnung Atletico Madrid gegen den französischen Vertreter Olympique Marseille sind deren dunkelhäutige Spieler massiv durch rassistische Äußerungen des spanischen Publikums beleidigt worden.

Nicht anders in Russland: Der holländische Trainer von Zenit St. Petersburg, Dick Advocaat, gab in einer russischen Sportzeitung zu Protokoll: „Ich würde gerne einen schwarzen Spieler verpflichten, aber die Fans wollen keinen". Als Advocaat den Franzosen Mathieu Valbuena verpflichten wollte, fragten „Fans“ in russischen Foren: „Ist der etwa Neger?“

Auch im vergangen Jahr fielen Fans von Zenit negativ auf. Beim Viertelfinale des Uefa Cups gegen Olympique Marseille wurde im Petersburger Stadion ein Transparent aufgehängt, auf dem in Französisch zu lesen war: "In den Farben von Marseille gibt es kein Weiß“. Das war wahrscheinlich eine Anspielung darauf, dass bei Marseille traditionell besonders viele Spieler mit afrikanischen Wurzeln spielen. Die Vereinsfarben von Olympique hingegen sind Himmelblau-Weiß. Das Transparent war zugleich eine Abwandlung eines Slogans aus früheren Fußballtagen in St. Petersburg. In deren Stadion gab es einmal ein Plakat mit dem Slogan: "In den Farben von Zenit gibt es kein Schwarz". Der Fußballclub interpretierte das äußerst gewagt nicht als rassistische Äußerung: "kein Schwarz" würde "nichts Negatives" bedeuten.

Die Verharmlosung ist also aller Orten zu vernehmen. Auch nach den Ereignissen beim Spiel Hansa Rostock gegen St. Pauli, vermissten viele Beobachter ein klareres Zeichen der Abgrenzung der Verantwortlichen gegenüber so genannten „Problemfans“. Ob eine symbolische Initiative wie die vom Wochenende, nur weil sie regelmäßig aufgelegt wird, wirklich zu einem langfristigen Umdenken führt, bleibt mehr als fraglich. Daher fragt sich die Netzeitung vollkommen zu recht, ob die Aktion wirklich dem Kampf gegen Rassismus galt, oder nicht nur eine Imagekampagne war .

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