von Oliver Cruzcampo
   

AfT & NPD: „Nichts gegen Asylbewerber, aber...“

Die Proteste der Pegida-Schwester in Mecklenburg-Vorpommern ebben zunehmend ab – und Neonazis versuchen über Tarnorganisationen und „Bürgerinitiativen“ an die Stimmung anzuknüpfen. Doch über einen harten Kern hinaus kann die rechtsextreme Szene kaum neue Anhänger mobilisieren. Dies misslang auch heute in Torgelow.

„Heimat und Identität bewahren - Asylbetrug stoppen“ lautete das Motto der heutigen Demonstration in der vorpommerschen Kleinstadt Torgelow. Anmelder war die „Bürgerinitiative Schöner und sicherer Wohnen“, die bereits vergangenes Jahr nach Ueckermünde gerufen hatte. Diesmal wurde zusätzlich durch die lokale Wählervereinigung „Alternative für Torgelow“ mobilisiert.

Rund 150 Teilnehmer fanden sich am frühen Nachmittag am Bahnhof ein, um anschließend für ihre Ziele durch die Straßen zu ziehen; hauptsächlich sollte es durch Plattenbausiedlungen gehen, später folgte eine Kundgebung.

Doch Überraschungen blieben im Verlaufe der Demonstration aus. Kopf hinter der sogenannten Bürgerinitiative ist der NPD-Landtagsabgeordnete Tino Müller, der die Anmeldung übernahm, die Koordination der gesamten Veranstaltung und zudem als Redner auftrat.

Unterstützung bekam er – wie üblich – von zahlreichen NPD-Kadern und Mitgliedern der rechtsextremen Szene. Der stellvertretende Landesvorsitzende Enrico Hamisch wurde als Ordner eingeteilt, Müllers Bruder Marko half bei der Durchführung der Demonstration, weitere Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion übernehmen leitende Funktionen. Den Schein einer Bürgerinitiative zu wahren, fällt schwer.

Asylbewerber = „Ganoven“?

Unterstützung bekamen die Rechtsextremen ausgerechnet von der Wählervereinigung „Alternative für Torgelow“ (AfT). Die NPD-nahe Gruppierung hatte in der Vergangenheit penibel Wert darauf gelegt, nicht mit Rechtsextremen in einen Topf geworfen zu werden. Diesen Wunsch dürften ihnen Kritiker nach der heutigen Demonstration kaum noch erfüllen.

Der Stadtvertreter Rocco Murawski versichert während seiner Rede, „man habe nichts gegen Asylbewerber“ per se, lediglich „Asylbetrug, Straftäter und Hassprediger“ (!) seien unerwünscht. Doch wenige Augenblicke später werden aus den Asylbewerbern schon „Ganoven“, es folgen die üblichen Parolen. Der Stadtteil, in dem die Flüchtlinge derzeit untergebracht sind, sei mittlerweile ein Kriminalitätsschwerpunkt geworden. Zudem hätten die dort untergebrachten Personen Murawski in der Vergangenheit bereits bedrängt. Drogen, Vergewaltigungen etc. pp.

Inhaltlich ist zwischen der Rede des AfT-Stadtvertreters und der des NPD-Politikers kaum ein Unterschied auszumachen.


Der AfT-Vertreter Rocco Murawski und NPD-Mann Tino Müller

Die NPD versucht zunehmend über andere Mittel und Wege ihre Inhalte an die Wähler zu bringen. Seit geraumer Zeit hält sich der Landesverband mit eigenen Aktionen und dem Kampf um die Straße auffällig zurück. Dafür werden die Mvgida-Märsche teilweise unterwandert, „Bürgerinitiativen“ gehen vermehrt in die Öffentlichkeit, mit Tarnorganisationen wird gemeinsame Sache gemacht.

Doch der Verlauf in Torgelow zeigt auch, dass die NPD mit ihrer Strategie bislang nur mäßige Erfolge aufweisen kann. Teilnehmerzahlen stagnieren seit Längerem im Bereich zwischen 100 und 400 Personen, mehr geht derzeit nicht für die rechtsextreme Partei.

An den kurzfristig auf die Beine gestellten Gegenprotesten beteiligten sich laut Polizeiangaben insgesamt rund 350 Personen. Der Großteil versammelte sich auf einem Demokratiefest, an dem sich neben dem SPD-Politiker Patrick Dahlemann, der Präsidentin der Stadtvertretung, Marlies Peeger, auch die Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider beteiligte. In der strukturschwachen Region wären solche Zahlen vor wenigen Jahren wohl noch unvorstellbar gewesen.

Kommentare(2)

Charles Munich Sonntag, 08.März 2015, 17:50 Uhr:
"Der Schoß ist fruchtbar noch ..." B. Brecht
 
Irmela Mensah-Schramm Montag, 09.März 2015, 18:56 Uhr:
Ich hab was voll gegen Nazis > ohne ABER!
Und ich hab' NULL - TOLERANZ gegenüber den Nazis !
 

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