AfDler auf der Suche nach obskuren Alternativen

AfD-Funktionäre bereiten ein obskures „Netzwerktreffen“ im Ruhrgebiet vor – ein Event für die Rechtsaußen-Fraktion in der Partei und für Verschwörungstheoretiker jeder Couleur.

 

Donnerstag, 06. Oktober 2016
Rainer Roeser
 
Man nehme: einen selbst ernannten „Gehirnwäsche-Forscher“; einen, für den die Bundesrepublik überhaupt kein Staat und die Regierungsmitglieder allesamt Putschisten sind; einen Autor des mal rechtspopulistisch, mal verschwörungstheoretisch tönenden „Compact“-Magazins; einen, der noch vor vier Jahren für die „revolutionäre Neuordnung“ Deutschlands plädierte; dazu noch die eine oder andere weitere Zutat ähnlichen Kalibers. Heraus kommt: „Das größte Vernetzungstreffen des Landes für Menschen, die Alternativen suchen, handeln und aktiv werden möchten.“ Organisiert von AfD-Funktionären.
 
Zwei „Alternative Wissenskongresse“ hat das AfD-Quartett aus Nordrhein-Westfalen bereits aufgezogen. (bnr.de berichtete hier und hier) Nun sind die vier dabei, ihr „1. alternatives Netzwerktreffen NRW“ vorzubereiten. Und wie bei den ersten beiden Veranstaltungen dürften sich wieder Rechtsausleger der AfD und anderes verschwörungstheoretisch geneigtes Publikum zum Zuhören einfinden.

Zweifelhafter Verein mit AfD-Nähe

Zu dem „Alternativ“-Event am 13. November irgendwo „im Raum Dortmund“ lädt der „Verein zur Förderung des politischen Dialogs“ ein. Gegründet wurde er, als der erste „Wissenskongress“ vor zwei Jahren parteiintern in die Kritik geraten war: Veranstalter hatten seinerzeit eigentlich die fünf Bezirksverbände der nordrhein-westfälischen AfD sein sollen. Trotz des unverfänglich klingenden Namens: Die Nähe des Vereins zur AfD lässt sich kaum übersehen. Als Vorsitzender outete sich im vorigen Jahr Sebastian Schulze, der auch diesmal, beim „Netzwerktreffen“, wieder mit von der Partie ist. Schulze fungiert als stellvertretender Sprecher jenes AfD-Bezirksverbands, der Teile des Ruhrgebiets und Südwestfalen umfasst.
 
In der AfD-Hierarchie eine Stufe höher steht Udo Hemmelgarn, Bezirkssprecher der Partei in Ostwestfalen. Auf der eigens zum „Netzwerktreffen“ eingerichteten Internetseite zeichnet er für die „Büroleitung“ verantwortlich. Für die Pressearbeit des Vereins ist Ingo Schumacher zuständig, der Sprecher des AfD-Bezirks am Mittelrhein. Vierter im Bunde ist Nic Vogel aus Düsseldorf, bei dem Tickets fürs „Netzwerktreffen“ erhältlich sind. Er ist stellvertetender Sprecher der AfD in der Landeshauptstadt und seit einem Monat auch Landtagskandidat – dank Listenplatz neun mit besten Aussichten auf ein Mandat im NRW-Parlament. 

„Gehirnwäsche“-Forscher referiert

Für das knapp achtstündige Programm versprechen die Veranstalter „spannende Impulsvorträge“.  Erwartet wird beispielsweise Wolfgang R. Grunwald, der als „Autor und Gründer des ,Instituts für politische Gehirnwäsche-Forschung und Befreiungs-Psychologie'“ firmiert. Er „erklärt die Psycho-Methoden der Globalisierer und präsentiert die besten Kontertipps aus über 20 Jahren Erfahrung“, verspricht das Tagungsprogramm. In der Vergangenheit scheute er auch Auftritte in eindeutig rechtsextremem Umfeld nicht. (bnr.de berichtete hier und hier
 
Mit von der Partie ist zudem Arne Freiherr von Hinkelbein, von den Veranstaltern als „Quelle des Wissens rund um die Souveränitätsbewegung“ angepriesen. Auf seiner Internetseite weiß er zu berichten, „daß es sich bei den angeblichen Staaten nur um Vereine handelt, die sich aber Staat nennen dürfen und eben keine Staaten sind“ bzw. dass „alle nach dem 7. Mai 1956 gewählten Bundestage und Bundesregierungen nicht legitimiert sind und waren und alle sich daraus ergebenden Beschlüsse, Verträge, Verordnungen, Gesetzesänderungen etc. ebenso ungültig und nichtig sind“. Bemüht man sich, seinen Gedankengängen zu folgen, betrifft dies nicht zuletzt die Steuergesetze. Die Regierungsmitglieder sind bei ihm „Putschisten“, und auch international sieht er Misere über Misere: „Darüber hinaus stehen alle Staaten der UN (Kriegsgegner des Deutsche Reiches) unter Kriegsrecht und haben die USA als obersten Gesetzgeber für ihr Land anerkannt.“

„Wirkliche Volksherrschaft“

Auf die adlige „Quelle des Wissens“ und ehe sich der Reigen der Referenten mit „Compact“-Autor Peter Feist schließt, soll eine „Videobotschaft“ von Michael Vogt folgen. Schlagzeilen machte Vogt vor zwölf Jahren durch seinen „Dokumentar“-Film „Geheimakte Heß“, der weithin als geschichtsrevisionistisch aufgefasst wurde. 2012 veröffentlichte er in den „Burschenschaftlichen Blättern“ einen Text, in dem er sich für eine „revolutionäre Neuordnung“ Deutschlands und die „Abschaffung des Parteienstaates“ zur „Herstellung wirklicher Volksherrschaft“ aussprach. 
 
„Hier stellen sich die größten Netzwerke(r) und die bekanntesten Organisationen und ,Pioniere der alternativen Medien' vor“, verspricht die AfD-Funktionärsriege für ihre bevorstehende Veranstaltung. Was die Parteioberen in NRW von derlei Pioniertätigkeiten halten, war bisher nicht in Erfahrung zu bringen. 
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