AfD-Sprecher postet Julleuchter

Dem Pressesprecher der sächsischen AfD-Landtagsfraktion gefallen auf Facebook Seiten von Neonazis und „Reichsbürgern". Auch gegenüber NS-Ästhetik zeigt er wenig Berührungsängste.

Donnerstag, 14. Dezember 2017
Carsten Meyer / Joachim F. Tornau

Die Originale hatten KZ-Häftlinge für die SS töpfern müssen: Der Pressesprecher der AfD-Fraktion im sächsischen Landtag, Andreas Harlaß, hat auf seinem privaten Facebook-Profil das Foto eines so genannten Julleuchters veröffentlicht – und zeitweilig sogar zu seinem Titelbild gemacht. Der Leuchter, der für das Foto mit Blumen und einer brennenden Kerze geschmückt wurde, ist einem Vorbild aus dem Nationalsozialismus nachempfunden.

„Das ist eindeutig ein Replikat eines SS-Julleuchters“, sagt die Historikerin Kirsten John-Stucke. „So etwas wird von einschlägigen rechten Online-Versandhäusern angeboten.“ John-Stucke ist Expertin für die Geschichte der SS: Sie leitet das Museum auf der Wewelsburg bei Paderborn, die im Nationalsozialismus zur Kult- und Terrorstätte der SS umgebaut wurde und heute eine Gedenkstätte beherbergt.

„In den Julleuchtern verbindet sich Ideologie und Terror“

„Die SS wollte eine germanische Ersatzreligion schaffen und vom Christentum abrücken“, erklärt John-Stucke. Die Julleuchter, die Heinrich Himmler nach und nach jeder "SS-Sippe“ schenken wollte, hätte dabei zu einem zentralen religiösen Symbol werden sollen. „Die SS hatte die Absicht, das Weihnachtsfest komplett durch ein Julfest zur Wintersonnenwende zu ersetzen“, sagt die Historikerin. Hergestellt worden seien die Leuchter von Häftlingen der Konzentrationslager Dachau und Neuengamme. „In den Julleuchtern verbindet sich Ideologie und Terror“, meint die Museumsleiterin.

„Der Leuchter“, verteidigte sich Andreas Harlaß auf Anfrage der „Frankfurter Rundschau“, „ist ein Erbstück meiner Eltern und mir daher sehr wichtig.“ Und er sei nicht verboten. Seine Antworten verband der AfD-Sprecher mit einer Drohung: „Sollten Sie in irgendeiner Form zu konstruieren versuchen, dass ich eine besondere Nähe zur als verbrecherische Organisation eingestuften SS hege, werde ich juristische Schritte gegen Sie und Ihr Blatt einreichen – Schadenersatz-Klage inklusive.“

In „Thor-Steinar“-Kleidung präsentiert

Harlaß war fast 20 Jahre lang Redakteur der „Bild-Zeitung“ in Dresden, schrieb dann für die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ – und stellte unter anderem die Alleinschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg in Frage. Seit 2014 ist er Pressesprecher der AfD-Landtagsfraktion in Sachsen. Schaut man sich genauer an, wer regelmäßig sein privates Facebook-Profil besucht und Kommentare hinterlässt, stößt man auf AfD-Funktionäre, Pegida-Aktivisten und Neonazis.

Noch vor wenigen Tagen präsentierte sich der AfD-Sprecher dort in Kleidung der bei Rechtsextremen beliebten Modemarke „Thor Steinar“. Bei mehreren neonazistischen Seiten drückte er den „Gefällt mir“-Button. Auch „Reichsbürger“-Organisationen wie die DDB-Agentur von Wolfgang V., zu dessen Gefolgsleuten der mutmaßliche Polizistenmörder Wolfgang P. aus Georgensgmünd gerechnet wird, gefielen ihm. Und nur einer einzigen Facebook-Gruppe gehört er an: Es ist die des „Reichsbürgers“ Christoph K. Gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ beteuerte Harlaß jedoch: „Weder habe ich Kontakte noch Sympathien zu sogenannten ‚Reichsbürgern'.“

„Gänsehaut“ wegen „Bewahrung eignes Blutes“

Berührungsängste gegenüber nationalsozialistischer Ästhetik hat der AfD-Pressesprecher jedoch offenbar keine. Das zeigt nicht nur der von ihm gepostete Julleuchter. Auch dem Leipziger Fotografen und Sänger Falk Hündorf, der junge blonde Frauen im Stil von Nazi-Propagandabildern zu fotografieren pflegt und passend dazu auch selbst mit Braunhemd und Seitenscheitel posiert, spendierte Harlaß mehrere Likes. Die Bilder tragen Titel wie „Deutsche Leibeszucht“, „Bereit zum Kampf“ oder „Germanische Blutsgemeinschaft“. Besonders begeisterte Harlaß jedoch ein auf schwarz-weiß getrimmtes Bild von vier bezopften Mädchen in kurzen weißen Kleidern. „Bewahrung eignen Blutes“ hat es der Fotograf getauft. „Tolles Foto“, kommentierte Harlaß. „Gänsehaut“.

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