AfD-Rechtsaußen-Event am Kyffhäuser

Einmal im Jahr ist das „Kyffhäuser-Treffen“ das Event des rechten Flügels in der AfD. Diesmal ist einer mit dabei, von dem man das vor wenigen Monaten noch nicht erwartet hätte, weil er eigentlich zur Riege der „Gemäßigten“ in der Partei gerechnet wird: AfD-Sprecher Jörg Meuthen.

Mittwoch, 01. Juni 2016
Rainer Roeser

„Das Volksfest unserer patriotischen Bewegung“, wie die Organisatoren ihr Zusammentreffen titulieren, soll am kommenden Samstag am Kyffhäuser-Denkmal stattfinden. Etwas mehr als 400 Teilnehmer haben ihr Kommen angekündigt – einige mehr als bei der Erstauflage der Veranstaltung vor einem Jahr. (bnr.de berichtete hier und hier) Damit sei man ausgebucht, meldeten die Veranstalter aus den Reihen der AfD-internen Gruppe „Der Flügel“ rund um Thüringens Landes- und Fraktionschef Björn Höcke vor einer Woche. Man werde „am Fuße der Reichsburg Kyffhausen erneut ein Beispiel von unbeschwerter Vaterlandsliebe und echtem Gemeinschaftssinn geben“.

Unterstützung für Gauland

Vor allem aber sollen gleich sechs Redner mit „richtungsweisenden“ Beiträgen zu Wort kommen. Dazu gehören die vier wichtigsten Vertreter des „Flügels“: neben Höcke dessen sachsen-anhaltinischer Amtskollege Andre Poggenburg, Brandenburgs Partei- und Fraktionsvize Andreas Kalbitz sowie Hans-Thomas Tillschneider, Abgeordneter im Magdeburger Landtag, Sprecher der „Patriotischen Plattform“ und Anfang Mai Redner bei „Pegida“ in Dresden. (bnr.de berichtete)

Wenig überraschend ist der Auftritt von AfD-Vize Alexander Gauland in dieser Runde. Er hatte bereits im Frühjahr 2015 zu den Erstunterzeichnern der „Erfurter Resolution“ gehört, mit der „Der Flügel“ erstmals an die Öffentlichkeit trat, und in den letzten Monaten wiederholt seine besondere Nähe zu Höcke deutlich gemacht. In der Auseinandersetzung über seine Äußerungen zu Jerome Boateng kann er auf die uneingeschränkte Unterstützung von Höcke & Co. rechnen. „Wir stehen zu Alexander Gauland!“, versichtert „Der Flügel“ per Banner auf seiner Facebookseite. „Flügel“-Mann Tillschneider fiel zu Gaulands Aussagen ein: „Ich streite für die Freiheit, niemanden als Nachbar haben wollen zu müssen, den man nicht als Nachbar haben will.“

"Gemäßigter" Gast

Überraschen kann freilich, dass Jörg Meuthen zum Stelldichein der Parteirechten am Kyffhäuser anreist. Als Meuthen im Sommer 2015 neben Frauke Petry zum Ko-Sprecher der AfD gewählt wurde, galt er als Gegengewicht zur national-konservativen Mehrheit im Bundesvorstand. Unter seiner Ägide waren freilich Parteiordnungsverfahren gegen Rechtsausleger im heimischen Baden-Württemberg rasch vom Tisch. Und spätestens seit seiner Rede vom Stuttgarter AfD-Parteitag Ende April, als er gegen das „links-rot-grün verseuchte – man könnte auch sagen: leicht versiffte – 68er-Deutschland“ zu Felde zog, haben ihn auch rechte „Flügel“-Leute in ihr Herz geschlossen. (bnr.de berichtete)

Moderieren soll die Veranstaltung am Samstag das Aachener Stadtratsmitglied Markus Mohr. Das könnte in der nordrhein-westfälischen AfD für Verstimmung sorgen. Deren Landessprecher Marcus Pretzell hatte im Frühjahr unter Hinweis auf eine mangelnde Abgrenzung Mohrs nach rechtsaußen ein Ausschlussverfahren gegen den 31-Jährigen angekündigt. (bnr.de berichtete)

Über das „Flügel“-Treffen am 4. Juni hat „Endstation.Rechts“ berichtet.

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