AfD-Nachwuchs: Abgrenzung light

Die „Junge Alternative“ (JA) hat ihren niedersächsischen Landesverband aufgelöst. Die JA-Organisation in Bremen bleibt hingegen – zumindest vorerst – ungeschoren.

Montag, 05. November 2018
Rainer Roeser

Damit stand am Ende eines JA-Bundeskongresses in Barsinghausen ein Ergebnis, das AfD-Bundessprecher Alexander Gauland schon vor Wochen so skizziert hatte: Auflösung und Neustart in Niedersachsen, Vertagung im Fall Bremen. (bnr.de berichtete) JA-Bundeschef Damian Lohr hielt dem niedersächsischen Landesverband vor, er habe erheblich und vorsätzlich gegen die Bundessatzung, gegen die Ordnung der Organisation sowie gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen. Hinter verschlossenen Türen diskutierten die rund 260 nach Barsinghausen gereisten Mitglieder die Angelegenheit – und stimmten schließlich mit der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit für die „Abgliederung“ der Niedersachsen-JA. 

Im September noch die Auflösung beider Verbände verlangt

Sie war auch aus Sicht der Mutterpartei unrettbar verloren. Spätestens die Skandale rund um den früheren Landesvorsitzenden Lars Steinke, der den Hitler-Attentäter von Stauffenberg als „Verräter“ und „Feigling“ titulierte, hatten das Fass zum Überlaufen gebracht. Lange dürfte die Phase ohne „Junge Alternative“ zwischen Harz und Nordsee freilich nicht andauern. Schon im Januar soll ein neuer Landesverband gegründet werden, berichtete der NDR unter Berufung auf ein Mitglied des JA-Bundesvorstands.

„Die Entscheidung des JA-Bundeskongresses ist richtig und wird von mir ausdrücklich begrüßt und mit Erleichterung zur Kenntnis genommen“, wird Lohr in einer Mitteilung seines Verbandes zitiert. Dabei hatte er Anfang September, als bekannt geworden war, dass der Verfassungsschutz den AfD-Nachwuchs in Bremen und Niedersachsen beobachtet, noch deutlich mehr gewollt. Seinerzeit verlangte er die Auflösung beider Landesorganisationen und verknüpfte mit dieser Forderung gar seine politische Zukunft in der „Jungen Alternative“.

Ausgeprägte Nähe zu den „Identitären“

In Barsinghausen ruderte er allerdings zurück und sah weiteren Untersuchungsbedarf im Fall der Bremer JA. „In Bremen ist die Lage nicht so eindeutig“, stimmt Parteichef Gauland ihm zu. Wie die Nachrichtenagentur „dpa meldete, soll sich nun eine Kommission mit dem dortigen Verband beschäftigen und dem nächsten Bundeskongress einen Vorschlag zum weiteren Vorgehen machen. Die Vorwürfe gegen den Bremer AfD-Nachwuchs seien nicht so massiv wie in Niedersachsen, zitierte „dpa“ den JA-Sprecher Torben Braga, der hauptberuflich für Björn Höckes Thüringer Landtagsfraktion arbeitet.

In der Hansestadt wird die Jugendorganisation vor allem wegen ihrer ausgeprägten Nähe zur „Identitären Bewegung“ kritisiert. JA-Landeschef Robert Teske hatte erklärt, einen Unvereinbarkeitsbeschluss zu den „Identitären“ habe man nur, weil die „Identitäre Bewegung“ vom Verfassungsschutz beobachtet werde – nicht etwa, weil die AfD deren Aktionen ablehne. (bnr.de berichtete

Radikalerer Flügel warnt vor „Einknicken“

Schon lange vor ihrer Anerkennung als parteioffizielle Jugendorganisation trieb die „Junge Alternative“ die Radikalisierung der Mutterpartei voran. Nun könnte sie auch zum Vorreiter beim Umgang mit dem Verfassungsschutz werden. Wie in der AfD sind in ihren Reihen Mitglieder zu finden, die Angst vor einer Beobachtung haben, weil sie das eigene Personal und die Wähler abschrecken könnte. Auf der anderen Seite agiert ein radikalerer Teil, der eine klare Abgrenzung nach rechtsaußen als Einknicken vor dem Verfassungsschutz oder einer „Political Correctness“ empfindet. Um beiden Seiten gerecht zu werden, entwickelt die JA eine Art Doppelstrategie: Distanz zu allem, was allzu angebräunt wirkt, Schonung für die, die sich zum Beispiel nur aus taktischen Gründen von den „Identitären“ abgrenzen.

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