von Oliver Cruzcampo
   

AfD lockt Pegida-Kader in den Norden

Nur wenige Tage, nachdem die sächsische AfD nun auch offiziell eine Kooperation mit Pegida ins Spiel gebracht hatte, lud die AfD in Mecklenburg-Vorpommern schon Frontmann Lutz Bachmann ein. In Schwerin nahm an der von der Landtagsfraktion organisierten Veranstaltung mit Holger Arppe auch der Abgeordnete teil, den die Fraktion wenige Monate zuvor ausgeschlossen hatte.

AfD-Vertreter zusammen mit den Pegida-Aktivisten vor dem "Bürgerdialog" in Schwerin

Der frisch gewählte sächsische Landesvorsitzende Jörg Urban ließ kürzlich verlautbaren, dass er sich eine mögliche Zusammenarbeit mit Pegida gut vorstellen könne. Der geplante Schulterschluss überrascht kaum. Zwar distanzierte sich Ex-Parteichefin Frauke Petry noch von dem rassistischen Bündnis, doch findet eine Annäherung bereits seit Längerem statt, teilweise traten bereits AfD-Mitglieder bei den Montagsdemo als Redner auf. Auf der Aschermittwochs-Veranstaltung der AfD bei Pirna fand nicht nur der thüringische Fraktionsvorsitzende Björn Höcke lobende Worte für Pegida und erntete frenetischen Applaus, Lutz Bachmann streamte die Reden sichtlich erfreut aus der ersten Reihe.

Der mittlerweile auf Teneriffa lebende Aktivist kündigte wenig später eine Tour durch den Norden an. Nach Neubrandenburg wurde er vom AfD-Bundestagsabgeordneten Enrico Komning zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, mit an Bord war ebenso der noch nicht ausgewanderte Pegida-Vize Siegfried Däbritz.

Islamfeinde und Rechtsextremisten 

Die heikelste Personalie dürfte jedoch Michael Stürzenberger gewesen sein. Der ehemalige Vorsitzende der mittlerweile aufgelösten Kleinstpartei Die Freiheit ist auch innerhalb der AfD umstritten. In Bayern wird der Aktivist vom Verfassungsschutz beobachtet, im Bericht wird er als eine zentrale Figur der verfassungsschutzrelevanten islamfeindlichen Szene des Freistaates eingestuft. Die Veranstaltung lockte rund 50 Teilnehmer an, darunter auch einige rechtsextreme Aktivisten wie Dan Schünemann von der NPD-nahen Tarnorganisation „Alternative für Torgelow“ oder den Rostocker Alexander H., der maßgeblich an flüchtlingsfeindlichen Mobilisierungen in der Hansestadt beteiligt war.


Rund 50 Personen demonstrierten gegen die AfD-Veranstaltung in Schwerin

Am Freitag war die Schweriner Landtagsfraktion der AfD offizieller Gastgeber des als „Bürgerdialogs“ angekündigten Events, zu dem neben den beiden Pegida-Kadern und Stürzenberger auch der Abgeordnete Bert Obereiner angekündigt wurde. Der Politiker kennt den bayerischen Redner bereits von einer im Herbst 2015 durchgeführten Demonstration in Schwerin – seinerzeit noch von NPD-Anhängern organisiert.

Eine Zusammenarbeit zwischen der Fraktion und Pegida soll zukünftig stattfinden, berichtet der NDR im Nachgang der Veranstaltung, nur die Form der Kooperation sei noch unklar. Neben etlichen AfD-Funktionären war auch der Rostocker Holger Arppe zugegen. Die Fraktion der AfD – seinerzeit noch unter der Führung von Leif-Erik Holm – hatte den Landtagsabgeordneten ausgeschlossen, nachdem gewaltverherrlichende und ihm zugeschriebene Chats öffentlich wurden. Zudem läuft ein Parteiausschlussverfahren gegen den Politiker. Hinter den Kulissen scheint eine Distanzierung gegenüber dem 44-Jährigen jedoch kaum stattzufinden.

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