AfD droht NPD Landtagseinzug in Sachsen zu vermasseln

Sechs Wochen vor der Landtagswahl werden die Sorgenfalten der sächsischen NPD-Funktionäre tiefer. Einer aktuellen Umfrage zufolge würden sich in diesen Tagen nur noch drei Prozent der Wählerinnen und Wähler für die Rechtsextremisten entscheiden. Mit einem Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde darf demgegenüber die AfD rechnen – sie kommt auf sieben Prozent Zustimmung. Allerdings bescheinigt nur ein Bruchteil der sächsischen Einwohner der Truppe um Frauke Petry „politische Kompetenzen“.

Freitag, 11. Juli 2014
Redaktion
NPD-Chef Holger Szymanski - Flagge bald auf Halbmast? (Foto: Oliver Cruzcampo)
NPD-Chef Holger Szymanski - Flagge bald auf Halbmast? (Foto: Oliver Cruzcampo)
Ein „Nazi-Hirsch“ sollte die Wende bringen. Bepackt mit Propagandamaterialien stürmte die braune Plüsch-Puppe, unterstützt von zwei Handvoll Nachwuchskräften der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN), sächsische Schulen und ließ mancherorts eine verdutzte Lehrerschaft zurück. Die Aufmerksamkeit einiger Medien war den Projektmachern gewiss, allerdings auch der Spott. Über die Aktion den Mantel des Schweigens zu hüllen, und damit den „JN-Coup“ ins Leere laufen zu lassen, wäre darüber hinaus eine Alternative gewesen. Nun aber feiern  die Spitzen von NPD und JN ihre „Operation“, die sich freilich wohl nicht in Wählerstimmen ummünzen lässt. Nach den aktuellen Zahlen des „Sachsen-Trends“, für den „infratest dimap“ 1.000 Wählerinnen und Wähler befragte, muss der NPD-„Vorzeigelandesverband“ nämlich am 31. August um den erneuten Einzug ins sächsische Parlament zittern. Nur drei Prozent der Befragten würden die von Landeschef Holger Szymanski angeführte NPD-Liste auf ihrem Wahlschein ankreuzen. Nun bekennen sich erfahrungsgemäß in diesen Interviews nicht alle Unterstützer einer Rechtsaußenpartei zu ihrer Präferenz, der Rückenwind nach dem verhältnismäßig guten Abschneiden bei den Kommunalwahlen am 25. Mai scheint aber nachzulassen. AfD und NPD fischen im selben Wählerteich Kopfzerbrechen dürfte der Parteispitze neben einer Deckungslücke ihres Etats vor allem die relative Stärke der Alternative für Deutschland (AfD) machen, die in den letzten Umfragen konstant zwischen sechs und acht Prozent Zustimmung lag. Zeigen doch die Wählerwanderungsbilanzen vorheriger Wahlen, dass die AfD Stimmen aus allen politischen Lagern abzieht, am rechten Rand aber umso erfolgreicher wildert. Im aktuellen „Sachsen-Trend“ würden sich sieben Prozent für die Mannschaft um Frauke Petry entscheiden. Zuletzt machte die Frontfrau der sächsischen Euro-Kritiker, die im Freistaat einen ultrarechten Kurs eingeschlagen haben, mit der Pleite ihres Unternehmens und ihrer Privatinsolvenz von sich reden.

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Kompetenzen? Fehlanzeige Die niedrigen Werte in Sachen „Wirtschaftskompetenz“ – ein Prozent – für die AfD ist in diesem Kontext kaum verwunderlich. Das sächsische Wahlvolk traut den „Senkrechtstartern“ in anderen Politikbereichen ebenfalls kaum Sachverstand zu. Zwei Prozent halten die AfD bei der „Verbrechensbekämpfung“ und in Fragen der „Sozialen Gerechtigkeit“ für fachkundig, ein Prozent wiederum stellt ihren Konzepten in der „Schul- und Bildungspolitik“ gute Noten aus. Ähnliche Werte weißt im Übrigen die NPD mit der Ausnahme der „Verbrechensbekämpfung“ auf, hier kommt sie auf vier Prozent Zuspruch. Neben der NPD droht auch die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern (vier Prozent). Damit müsste sich die regierende CDU, die 42 Prozent einfahren kann, nicht nur nach einem neuen Koalitionspartner umsehen, sondern das sächsische Landesparlament bestünde fortan nunmehr aus fünf statt sechs Parteien. Die Linke (21 Prozent), SPD (13 Prozent) und die Grünen (sieben Prozent) folgen auf den Plätzen.
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