von Oliver Cruzcampo
   

AfD-Demo in Rostock: Von „Volksfremden“ und „eigenem Blut“

Nach vier Demos in Rostocker Plattenbauvierteln zog die AfD am gestrigen Sonntag in das touristische geprägte Warnemünde. Der AfD-Politiker Ralph Weber hielt eine mit völkischen Erklärungsansätzen gespickte Rede, Mitglieder der Rostocker Kameradschaftsszene bedrängten währenddessen Journalisten.

Der Landtagsabgeordnete Ralph Weber sprach von „Volksfremden“ auf der AfD-Demo

„Urlauber und Mecklenburger! Es ist Zeit und es ist Eure staatsbürgerliche Pflicht, gegen diese Machenschaften aufzubegehren! Wer nicht demonstriert, macht sich schuldig“ – mit diesen Sätzen mobilisierte der Rostocker Kreisverband zur mittlerweile fünften Demonstration der AfD in diesem Jahr.

Neonazis bedrängen Medienvertreter

Nachdem die AfD jeweils zweimal durch die Stadtteile Evershagen und Lütten Klein gezogen war, sollte am Sonntag erstmals eine stationäre Kundgebung durchgeführt werden. Laut Polizeiangaben folgten dem Aufruf rund 500 Personen, unter den Anhängern reihten sich – wie bereits auf den letzten Demonstrationen – erneut zahlreiche Hooligans und Mitglieder der Rostocker Kameradschaftsszene rund um die „Nationalen Sozialisten Rostock“ ein. Einige davon schienen sich zum selbsternannten Ordnerdienst aufzuspielen und hielten immer wieder Ausschau nach unliebsamen Journalisten.

So wurden mindestens zwei Medienvertreter während der Kundgebung an der Arbeit behindert, geschubst und teilweise bedroht. Zwar waren mehrere von der AfD eingesetzte Ordner vor Ort, dazwischen ging jedoch niemand. Zudem scheinen einige Rechtsextremisten eine neue Gruppierung gegründet zu haben. Auf der Demo der AfD fanden sich auch einige Personen mit T-Shirts der „Soldiers of Odin MV“ (SOOG) ein. In Bayern wird der dortige Ableger vom Verfassungsschutz beobachtet. Eines der Mitglieder scheint Enrico Naumann, auf dessen Shirt das Wort „Leader“ prangte. Naumann trat früher als Organisator der Mvgida-Märsche auf, überwarf sich dann aber mit der NPD und zog sich zurück.

AfD-Demo Warnemünde & GegenprotesteFlickr-Fotoalbum der gestrigen Demonstrationen

Gleich sechs Redner traten auf der vor dem Leuchtturm gelegenen Kundgebung auf, mit dem Rostocker Kreisvorstandsmitglied Steffen Reinicke machte einer der radikaleren Redner den Anfang. Das AfD-Mitglied warnte davor, dass morgen „Warnemünde noch Warnemünde heißt und nicht `Neu-Aleppo´“ und „Rostock nicht Neu-Afrika“. Johannes Salomon, ebenfalls Beisitzer im Kreisverband, sprach von „Einwanderern, die den ganzen Tag in der Sonne liegen“ würden.

Völkische Argumentationsmuster

Vordergründig will die AfD seit ihrer ersten Demonstration im März vor einer „Islamisierung“ Rostocks warnen, in den Reden werden jedoch „Fremde“ und „Zuwanderer“ oft pauschal als Bedrohung dargestellt. So trat der Landtagsabgeordnete Ralph Weber bereits zuvor auf einer der Demonstrationen in Rostock auf. Von einer „irrsinnigen Politik der Umvolkung“ sprach der ehemalige Professor der hiesigen Universität am Sonntag. Im Anschluss griff Weber – wie bereits mehrfach in der Vergangenheit – auf völkische Argumentationen zurück. „Volksfremde“ würden hier gut und bequem leben, der „zugereisten Bevölkerung“ wünsche er eine „baldige und gute Rückfahrt“. „Ein überfremdetes Volk, in dem das eigene Blut nicht mehr mehrheitsfähig ist, kann niemand mehr reparieren.“

Als Hauptredner fungierte Guido Reil, der in seinem Redebeitrag neben den Gegendemonstranten auch Flüchtlings diffamierte und eine „Festung Europa“ forderte. Weitere Redner waren der Brandenburger AfD-Landesvize Daniel Freiherr von Lützow, sowie das Kreistagsmitglied Gilda Kuhr-Wamhoff.

Deutlich mehr Gegendemonstranten

Gegenproteste hatte der Verein „Rostock hilft“ organisiert, laut Veranstalter folgten bis zu 1.200 Personen dem Aufruf, die Polizei nannte 850 Teilnehmer. Am Hostel Dock Inn wurde anfangs ein Internationales Fest organisiert, anschließend führte eine Demonstration Richtung AfD-Treffpunkt. Thematisiert wurden dabei auch vom Verein genannte Missstände bei der Seenotrettung im Mittelmeer.

Für den 22. September hat die AfD ihre nächste Versammlung angemeldet – dann soll es durch die Rostocker Innenstadt gehen. Der Thüringer Landesvorsitzende der AfD, Björn Höcke, soll als einer der Redner auftreten.

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