von Oliver Cruzcampo
   

AfD-Demo: Agitation gegen geplanten Moscheebau

Nach insgesamt neun Demonstrationen im letzten Jahr ging die AfD in Rostock am Montagabend erneut auf die Straße. Ein AfD-Funktionär wünschte sich Angela Merkel an den Marterpfahl, zudem wurde ein Journalist von Neonazis bedroht.

Nach gut dreimonatiger Pause rief die AfD in Rostock zur nächsten Demonstration, das Motto der ersten Versammlung im neuen Jahr war „Bürgerentscheid – keine Moschee in Rostock“. Damit griff die Rostocker Gliederung einen geplanten Moscheebau in der Hansestadt auf, eines der bestimmenden Themen in den letzten Wochen.

Nachdem die Teilnehmerzahlen auf Seiten der AfD zuletzt sukzessive gesunken waren, konnte jetzt ein Zuwachs verzeichnet werden, rund 400 Anhänger waren auf dem Markt im Stadtteil Reutershagen versammelt. Auf der Gegenseite – das Bündnis Rostock nazifrei hatte zu Protesten aufgerufen – waren insgesamt 1.000 Personen unterwegs. Eine Demo führte bis an den Marktplatz heran.

Alles nur Aufklärung?

Dort eröffnete wie üblich Versammlungsleiter und Kreisvorstandsmitglied Steffen Reinicke die Veranstaltung, die örtliche AfD ist Nutznießer der derzeit öffentlichen Debatte um die Moschee. „Eine Moschee symbolisiert die Landnahme einer fremden, aggressiven Religion. Einer Religion von Flüchtlingen,“ so Reinicke. Bei der Personengruppe würde es sich um lediglich um Wirtschaftsflüchtlinge handeln. Später sprach der umtriebige aus München angereiste Michael Stürzenberger dann davon, dass man nur über den Islam „aufkläre“, jedoch nicht gegen Menschen hetze.

AfD-Demo RostockFotogalerie der Demo der AfD und Gegenproteste

Anschließend stieg Johannes Salomon auf den mit einem Rednerpult versehenen Transporter – diesmal als Indianer verkleideter Häuptling „Blaue Feder“, um so wohl etwas verquer vor der vermeintlichen Gefahr einer Einwanderung zu warnen. Salomon, der bereits auf der letzten Demonstration als blauer Weihnachtsmann verkleidet auftrat, sprach in seiner Rede u.a. von „Merkel an den Marterpfahl“, das Publikum quittierte dies mit frenetischem Beifall.

Über lediglich einen Kilometer erstreckte sich die Route der AfD am Montagabend, etwa 15 Minuten später fanden sich die Anhänger bereits erneut auf dem Markt ein. Bemerkenswert ist, dass sich mit Tom M. ein Aktivist am Fronttransparent platzierte, der zuletzt immer wieder mit der Identitären Bewegung in Verbindung gebracht wurde.

Journalist von Neonazis bedrängt

Unter die Teilnehmer mischten sich erneut rund zwei bis drei Dutzend Hooligans und Neonazis um die Rostocker Kameradschaft „Aktionsblog“. Mutmaßlich aus dieser Gruppe wurde im Verlauf des Abends auch ein Journalist des Lokalradios Lohro beleidigt und bedrängt. Erst ein Einschreiten der Polizei verhinderte Schlimmeres.

AfD-Landessprecher Dennis Augustin, der aufgrund islamfeindlicher Äußerungen bereits im Gutachten des Verfassungsschutzes mehrfach erwähnt wurde, würde den Islam laut eigener Aussage am liebsten komplett verbieten. Es folgte Michael Stürzenberger, der bereits für die letzte Demo im Dezember nach Rostock reiste und zuvor auf Seiten der Gegenproteste in üblicher Manier Demonstranten aus unmittelbarer Nähe abfilmte bis die Polizei ihn zurückzog. Der bekennende Islamfeind argumentierte mit dem Verfassungsschutz, als er den Islamischen Bund in Rostock thematisierte. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn Stürzenberger selbst wird von der Behörde beobachtet.

Nach etwas mehr als einer Stunde wurde die Versammlung der AfD bereits beendet, nicht jedoch ohne Verweis auf eine rechte Anmeldung am 14. April in Hamburg. Dass die dortigen Organisatoren dem extrem rechten Spektrum zuzurechnen sind, scheint die AfD Rostock indes kaum zu stören.

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