AfD bei Rechtsaußen-Geburtstagsfeier

Die EU-Fraktion „Europa der Nationen und der Freiheit“ (ENF) feierte am Freitag in Wien mit einem „Patriotischen Frühling“ ihr einjähriges Bestehen. Mit dabei beim Stelldichein europäischer Rechtsausleger waren neben der Parteispitze der gastgebenden FPÖ die Front National-Chefin Marine Le Pen sowie führende Funktionäre der AfD.

Montag, 20. Juni 2016
Rainer Roeser

AfD-Sprecherin Frauke Petry war zwar nicht selbst nach Wien gereist. Den direkten, persönlichen Kontakt mit Le Pen samt negativer Schlagzeilen und neuerlicher interner Diskussionen über die Grenzen des unaufhaltsam erscheinenden Rechtsdralls ihrer Partei vermied sie so. In Abwesenheit heimste sie aber dennoch viel Lob aus dem Munde des FPÖ-Obmanns Heinz-Christian Strache ein. Frauke Petry sei neben Marine Le Pen „die zweite starke Frau und Persönlichkeit auch in Europa“, sagte er. Der deutschen Partnerpartei prophezeite Strache bei den nächsten Wahlen ein „deutlich zweistelliges“ Ergebnis. Aber damit nicht genug: „Ich drücke Frauke Petry die Daumen, dass sie die zukünftige deutsche Bundeskanzlerin wird.“

In der Delegation der AfD fand nicht jeder diese Aussage beklatschenswert. Neben dem Europaabgeordneten und Petry-Lebensgefährten Marcus Pretzell zählte zur deutschen Reisegruppe auch der Petry-Gegner und Parteivize Alexander Gauland, dem Straches Kanzlerinnenwunsch erkennbar weniger gefiel. Mit dabei in Wien waren zudem der bayerische AfD-Vorsitzende Petr Bystron, der Vorsitzende der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“, Sven Tritschler, sowie Gauland-Gefolgsmann Kai Gersch. Er ist Beisitzer im brandenburgischen Landesvorstand und Mitarbeiter der AfD-Fraktion im Potsdamer Landtag.

„Große patriotische Bewegung“

Das Wort für die AfD führte bei den öffentlichen Veranstaltungen des „Patriotischen Frühlings“, wie die FPÖ den Rechtsaußen-Event – jahreszeitlich etwas verspätet – tituliert hatte, der NRW-Landesvorsitzende Pretzell. Das Parteienbündnis aus Front National, FPÖ, Lega Nord, der Wilders-Partei PVV und dem Vlaams Belang im Brüsseler Parlament, dem er sich nach seinem Rausschmiss aus der konservativen Fraktion angeschlossen hatte, lobte er als „große patriotische Bewegung“.

Er überbrachte bei der abendlichen Kundgebung der europäischen Rechtspopulisten überdies die Grüße Petrys. Sie freue sich „ganz besonders auch, dass neben der FPÖ-Prominenz Marine Le Pen heute hier ist“, betonte Pretzell. Petrys Ko-Sprecher Jörg Meuthen erwähnte er mit keinem Wort, als gäbe es keine Doppelspitze in der AfD. Vor seiner Rede wurde den Besuchern des „Patriotischen Frühlings“ ein Film präsentiert, der die „Alternative für Deutschland“ vorstellen sollte. Meuthen kam darin nicht vor – Petry aber umso häufiger. Der Streit zwischen den Führungspersonen der AfD, der am Wochenende dann weiter eskalierte: Selbst bei Auslandsauftritten der Partei ist er kaum zu übersehen.

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