„Abschiebär“ beschlagnahmt: Rechtsextremes Puppentheater am Ende?

Der „Abschiebär“, eine Kunstfigur der Neonazi-Kameradschaft „Besseres Hannover“, hatte mit seinen perfiden ausländerfeindlichen Aktionen für Wirbel gesorgt. Doch seine Tage scheinen nun gezählt, bei einer Überprüfung rechtsextremistischer Schmierfinke beschlagnahmte die Polizei das Kostüm.

Montag, 30. Juli 2012
Marc Brandstetter
„Abschiebär“ beschlagnahmt: Rechtsextremes Puppentheater am Ende?
Neun Neonazis, die wahrscheinlich der Gruppierung „Besseres Hannover“ zuzurechnen sind, beschmierten am späten Donnerstagabend am Bismarckbahnhof an der Mainzer Straße in Hannover die Straße mit ausländerfeindlichen Parolen. Die von einem Zeugen alarmierte Polizei konnte die braunen Propagandaaktivisten noch vor Ort stellen und die Personalien der jungen Männer zwischen 16 und 30 Jahren aufnehmen. Der Staatsschutz hat unterdessen Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung aufgenommen, teilte die Polizei mit.

Außerdem überprüften die Beamten zwei Autos der Gruppe und machten dabei einen überraschenden Fund: Im Wagen eines 19-jährigen Neonazis stießen die Polizisten auf ein Bärenkostüm, jene Verkleidung, mit der die Gruppierung seit einigen Monaten ausländerfeindliche Hetze mit perfidem Humor verbreitet.

Der „Abschiebär“ war auch schon in Mecklenburg-Vorpommern zu Gast. Im Rahmen des Tages der offenen Tür des Schweriner Landtages sonnten sich die Funktionäre der NPD-Fraktion gutgelaunt im vermeintlichen Ruhm der Kunstfigur.

Doch mit dem braunen Puppentheater dürfte es erst einmal vorbei sein. Wie eine Pressesprecherin der Polizeidirektion Hannover ENDSTATION RECHTS. bestätigte, ist das Kostüm beschlagnahmt, während die Tatverdächtigen nach Überprüfung ihrer Daten wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. Zu den Vorwürfen machten sie keine Angaben.

Ungeschoren kommt die Neonazi-Kameradschaft nicht davon. Zur Säuberung der beschmierten Straße musste die Feuerwehr anrücken. Die Kosten in Höhe von 350 Euro müssen laut der Hannoveraner Neuen Presse die Verursacher zahlen.

Derzeit laufen Ermittlungen, ob dieses Bärenkostüm als Beweismittel für andere Straftaten von Bedeutung sein könnte. Um welche Delikte es sich dabei genau handelt, wollte die Pressestelle nicht sagen. So lange bleibt der „Abschiebär“ erst einmal in Gewahrsam, sicher verschlossen in der Asservatenkammer der Polizei.
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