„Abrechnung“ in der NPD-Spitze

Ein halbes Jahr herrschte Ruhe in der NPD. Doch damit ist es nun gründlich vorbei. Karl Richter, der stellvertretende Bundesvorsitzende und Landeschef in Bayern, reitet heftige Attacken gegen die „Clique Marx-Apfel-Pastörs“.

Dienstag, 15. Oktober 2013
Tomas Sager

Parteichef Holger Apfel sei daran beteiligt, ihn zu mobben, klagt Richter. Sogar den Vorwurf, der Münchner habe sich parteischädigend verhalten, soll Apfel erhoben haben. Richter konterte in einer in der vorigen Woche an seine Vorstandskollegen verschickten Mail: „Ist parteischädigend nicht vielmehr ein vorgeblicher Parteivorsitzender, der innerparteilich viel Energie auf die Demontage verdienter und vorzeigbarer Funktionsträger verwendet?“ Ein solcher Vorsitzender „führt nicht, motiviert nicht und integriert auch nicht, sondern er spaltet, bringt Unfrieden in die eigenen Reihen, beraubt mit seinem Intrigenspiel die Gesamtpartei personeller und intellektueller Potenziale“.

Der „meist pampige und von Konkurrenzneid zerfressene“ Apfel sei „von dem durchsichtigen Bestreben getrieben, gerade Leistungsträger ,wegzubeißen’“, meint Richter und kommt zu dem Schluss: „Dank Figuren wie Holger Apfel zerlegen wir uns erfolgreich selbst.“ Im Augenblick überlege er ernsthaft, beim Bundesparteitag Ende 2014 selbst für den Vorsitz zu kandidieren, so Richter.

Spitzenkandidat „mit, ohne oder gegen den Parteivorstand“

In Rage gebracht hat ihn offenbar der Verlauf einer Vorstandssitzung Ende September. Dabei war der bayerische NPD-Chef wegen schlechter Wahlergebnisse massiv gerüffelt worden. Bei der Landtagswahl am 15. September war die NPD auf gerade einmal 0,6 Prozent gekommen. Eine Woche später ging der Partei bei der Bundestagswahl im Freistaat mehr als ein Drittel ihrer Wähler von der Fahne. Sie verlor 0,5 Prozent und landete bei nur noch 0,9 Prozent.

Für weitergehende persönliche Ambitionen sind solche Ergebnisse keine gute Basis. Genau solche Ambitionen freilich hegt das Münchener Stadtratsmitglied: Bei der Europawahl am 25. Mai will er als Spitzenkandidat der NPD ins Rennen gehen. Doch für Listenplatz eins tritt auch Parteivize Udo Pastörs an. „Selbstverständlich“ werde er seine Kandidatur bei dem Anfang nächsten Jahres geplanten Wahlparteitag aufrechterhalten, versichert Richter trotz aller Kalamitäten: „Egal, ob mit, ohne oder gegen den Parteivorstand“.

„Unkameradschaftliche, intrigante und defizitäre Charaktere“

In jener Vorstandssitzung im September hätten sich, als er selbst bereits abgereist war, „insbesondere Peter Marx und Udo Pastörs“ breit darüber ausgelassen, „wie ich am besten auszubremsen sei“, klagt Richter. Apfel habe deren Ausführungen durchgehend beigepflichtet. Es sei „es ein geradezu unglaubliches und absolut inakzeptables Vorgehen, wenn eine Sitzung des Führungsgremiums unserer Partei vom Generalsekretär, einem stellvertretenden Parteivorsitzenden und dem Parteivorsitzenden dazu instrumentalisiert wird, ein geradezu irrationales Kesseltreiben gegen ein anderes PV-Mitglied – mich – in dessen Abwesenheit vom Zaun zu brechen“, heißt es in Richters Mail. Apfels Verhalten sei „einfach widerlich“. „Marx und Co.“ würden sich „durch ihre parteiinterne Wühlarbeit gegen mich, die sie für die kommenden Monate angekündigt haben, bei unseren Parteimitgliedern selbst entlarven – als unkameradschaftliche, intrigante und defizitäre Charaktere“. Weiter wettert Richter gegen die „Schädlinge und Spalter“: Die „Clique Marx-Apfel-Pastörs“ habe „jede Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit zerrüttet“. Sie seien „Charakterlumpen“.

Doch offenbar lässt es die NPD-Spitze auf eine Demontage Richters ankommen, den die Delegierten beim Parteitag im April mit dem besten Ergebnis aller Vorstandsmitglieder in die Parteiführung gewählt hatten. In seiner Mail klagte der in Ungnade gefallene NPD-Vize und bisherige „Deutsche Stimme“-Chefredakteur: „Zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ solle ihm „auch die DS-Redaktion entzogen werden“,. Das ging offenbar schneller als gedacht: Auf der Homepage der NPD jedenfalls wird bereits Peter Schreiber, der vor einem Jahr zum Geschäftsführer der Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH aufgestiegen war, als Chefredakteur des Parteiblatts genannt.

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