von Marc Brandstetter
   

Abgesang auf die REP

Rolf Schlierer will nicht mehr. Nach 20 Jahren an der Spitze der längst auf Splitterpartei-Niveau abgesunkenen REP übergibt der Langzeit-Vorsitzende den Chefsessel an Johann Gärtner. Einen personellen Neuanfang wagt die Rechtsaußenpartei trotzdem nicht – Gärtner fungierte unter Schlierer 18 Jahre als dessen Vize.

Auf verlorenem Posten - die REP, hier bei einem Infostand in Schwerin (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

Nicht einmal 100.000 Wählerinnen und Wähler entschieden sich bei der letzten Bundestagswahl, den Republikanern ihre Zweistimme zugeben. Mit 0,2 Prozent der Stimmen verfehlte die Partei, die sich selbst als „freiheitlich-konservativ“ charakterisiert, die Grenze für Zahlungen aus der Parteienfinanzierung deutlich. Kaum besser fiel das Ergebnis bei der Europawahl im Mai aus. Ein Zugewinn im Vergleich zur Bundestagswahl von ca. 20.000 Stimmen für die weitgehend aus „No names“ bestehende Liste reichte erneut nicht, um in den Genuss staatlicher Gelder zu kommen; ein Mandat im Parlament von Straßburg, das nach dem Fall der Drei-Prozent-Hürde möglich gewesen wäre, blieb in weiter Ferne.

Politisch ist die rund 5.000 Mitglieder zählende Partei (Rechenschaftsbericht 2012) längst in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Verantwortlich für den Niedergang zeichnet der langjährige Parteivorsitzende Rolf Schlierer, der die Erfolgswelle während der Wendezeit und in den unmittelbaren Folgejahren nicht fortsetzen konnte. 1989 zogen die REP mit 7,1 Prozent ins Europaparlament ein, im selben Jahr glückte der Sprung ins Berliner Abgeordnetenhaus (7,5 Prozent). Auf dem Höhepunkt der „Asyl-Diskussion“ sicherten 10,9 Prozent den Einzug in Stuttgarter Landtag (1992) – bis heute das höchste Ergebnis einer Partei rechts von CDU und CSU in den westlichen Bundesländern. An der Spitze der 1983 von den beiden CSU-Bundestagsabgeordneten Franz Handlos und Ekkehard Voigt gegründeten Organisation stand damals der charismatische Franz Schönhuber, der als Fernsehjournalist einem breiten Publikum bekannt war.

Zur Erfolglosigkeit verdammt

Der mittlerweile verstorbene Schönhuber kandidierte 1994 nicht mehr für den Bundesvorsitz. Zuvor hatte es Streit über eine mögliche Kooperation mit der DVU gegeben. Ihm folgte Rolf Schlierer, der seinerseits nun nicht mehr antrat. Zwar schafften die REP unter der Führung des Arztes und Rechtsanwaltes 1996 den Wiedereinzug in Baden-Württemberg, fortan zeigte die Kurve aber beständig nach unten. Schlierer, der 1992 bis 2011 der REP-Fraktion in Stuttgart vorstand, fand für seine Truppe keine Nische, die sie hätte besetzen können. Und mit der AfD ist der Platz zwischen der extrem rechten NPD und der konservativen Union noch enger geworden.

Neuanfang bleibt aus

Nach Parteiangaben wählten die Delegierten am vergangenen Wochenende in Rosenheim den bayerischen Landeschef Johann Gärtner an die Spitze der Bundespartei. Ob Gärtner einen Gegenkandidaten hatte oder mit welchem Ergebnis ihm die Basis das Vertrauen aussprach, teilten die REP nicht mit. Einen Neuanfang wird es mit dem Kaufmann kaum geben, er stand 18 Jahre Schlierer als geschäftsführender Vize zur Seite. Der 64-Jährige wird die angeschlagenen REP zukünftig eher verwalten als führen – genau wie sein Vorgänger.

Brigitte Wagner, Landesvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, bleibt dem Vorstand als Vize-Chefin erhalten. Gemeinsam mit den neugewählten André Maniera (Nordrhein-Westfalen) und Heiko Müller (Brandenburg) soll sie Gärtner unter die Arme greifen. Eine erste Bewährungsprobe steht für die „frischgebackene“ Führungsclique am 14. September an. Dann kandidieren die REP für die Landtage von Thüringen und Brandenburg. Auf einen Antritt in Sachsen (31. August) haben Gärtner, Wagner & Co. verzichtet.

Kommentare(3)

rolf Dienstag, 19.August 2014, 18:34 Uhr:
" Verantwortlich für den Niedergang zeichnet der langjährige Parteivorsitzende Rolf Schlierer, "

Verantwortlich für den ausbleibenden Erfolg sind in erster Linie die politisch gleichgeschalteten Medien, welche alle nichtlinken Parteien von der Berichterstattung viele Jahre lang ausgeschlossen, und so den demokratischen Wettbewerb sabotiert haben. Wo würde die SPD heute stehen, wenn man 20 Jahre lang nicht über sie berichtet hätte.

Die Republikaner würden heute im Bundestag sitzen, und die AfD wäre nie entstanden, wenn man sie fair behandelt hätte.

Aber auch die Wähler selbst scheinen nicht zu wollen, dass in der deutschen Politik, zur Abwechslung, auch mal wieder deutsche Interessen vertreten. Aber dafür werden die Deutschen, in ein paar Jahren, eben auch einen hohen Preis bezahlen müssen.
 
Ole Mittwoch, 20.August 2014, 08:45 Uhr:
@Rolf Steiner
Für dich ist die CDU also eine linke Partei? Sehr interessant. Ob die Kanzlerin das auch so sieht?
Ansonsten hast du dich wieder ganz kräftig in die Opferrolle ergeben.
 
Roichi Mittwoch, 20.August 2014, 09:54 Uhr:
@ rofl

Kannst du eigentlich auch etwas anderes, als sinnfrei Opfer spielen?
Bloß nicht irgendwie mal die Realität wahrnehmen, alles für die Ideologie, dein Motto.
 

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