von Marc Brandstetter
   

9. Landtagssitzung: Vom heroischen „Waffel“-Kampf der NPD

Bei der heutigen Landtagssitzung jagte ein Highlight das nächste. Noch bevor NPD-Fraktionschef Udo Pastörs für drei Sitzungen ausgeschlossen wurde, sorgte sein Vize Tino Müller für heftige Lacher: Er behauptete, in Peenemünde hätten die Nazis „gefährliche Waffeln“ produziert.

Der erste NPD-Antrag des heutigen Tages beschäftigte sich mit der staatlichen Parteienfinanzierung. Dabei erwies sich der NPD-Redner Michael Andrejewski als echter Experte, schließlich bestritt seine Partei 2008 knapp die Hälfte ihres Haushaltes aus Steuermitteln. Das Anliegen der Rechtsextremisten: Die versteckte Parteienfinanzierung offenzulegen und Transparenz beim Sponsoring herstellen.

Denn Sponsoring ist dieser Partei nicht unbekannt, das verschwieg Andrejewski allerdings. Freilich geht die NPD einen anderen Weg: Ihr Kreisverband Jena bot interessierten Verkäufern an, gegen eine Spende als möglicher Interessent an einem Objekt aufzutreten, um so den Preis hoch zutreiben oder die Kommune zu zwingen, von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Oft reicht schon die Drohung der NPD aus, ein Schulungszentrum zu errichten, um alle gesellschaftlichen Kräfte eines Ortes zu mobilisieren.

Jena liegt bekanntlich in Thüringen, wo der ehemalige NPD-Landeschef Frank Golkowski jahrelang falsche Spendenquittungen ausstellte, um so den Rechenschaftsbericht frisierte. Golkowski wurde deswegen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, die NPD erhielt eine Strafe der Bundestagsverwaltung von 870.000 Euro.

Die NPD hatte sich außerdem der Aufnahme der „Heeresversuchsanstalt“ Peenemünde in die UNESCO-Weltkulturerbeliste verschrieben. Zur Begründung ihres Antrages schickte die Pastörs-Mannschaft ihre Allzweckwaffe Tino Müller ans Rednerpult. Dieser pries die herausragenden Leistungen des Forscherteams um Wernher von Braun, erwähnte aber nicht, zu welchem Zweck in Peenemünde überhaupt gearbeitet wurde: Raketen zu entwickeln, die englische Städte in Schutt und Asche legen sollten. Müller hingegen hält Peenmünde für den Ort, wo die „Nazis gefährliche Waffeln“ entwickelt hätten. Getreu dem Motto: Die „Waffelschlacht“ über England.

Wie berichtet, war der NPD-Fraktionsvorsitzende Udo Pastörs für drei Landtagssitzungen ausgeschlossen worden. Er habe, so Landtagsvizepräsidentin Regine Lück, die Ordnung gröblich verletzt, mehrere ehemalige Bundespräsidenten, weitere Personen des öffentlichen Lebens und die politischen Parteien verleumderisch beleidigt. Er hatte behauptet, dass alle früheren Bundespräsidenten mit Ausnahme von Theodor Heuss bis zu Richard von Weizäcker, also Heinrich Lübke, Gustav Heinemann, Walter Scheel und Carl Carstens, NSDAP-Mitglieder und glühende Verehrer Adolf Hitlers gewesen sein.

Das Letzte

Heute gab es ein wahre Flut an Ordnungsrufen. Während die NPD-Abgeordneten Udo Pastörs und Stefan Köster jeweils drei Tadel einheimsten, bekamen Jörg Heydorn, der Pastörs ein „Rumpelheinzchen“ nannte, und Mignon Schwenke je einen Ordnungsruf.

Kommentare(7)

Roichi Donnerstag, 02.Februar 2012, 21:38 Uhr:
Moment, wie kann Pastörs einen Ordnungsruf bekommen, wenn er gar nicht da war?
Oder hab ich da irgendwas durcheinandergebracht?
Also nicht, dass ich Pastörs das nicht zutrauen würde auch so ein Kunststück hinzubekommen.
Er hat schließlich einen Titel zu verteidigen.
 
Kabal Donnerstag, 02.Februar 2012, 22:20 Uhr:
1. Der Mann hieß Wernher von Braun, nicht "Werner Braun".
2. Wenn der NPD-Redner von der Entwicklung "gefährlicher Waffen" sprach, kann kaum die Rede daon sein, er habe den Zweck der Forschung verschwiegen.
 
Marco Donnerstag, 02.Februar 2012, 22:49 Uhr:
Sich über die Opposition aufregen aufgrund eines Versprechers, aber es gleichgültig hinnehmen, wenn unsere Chefin der Bundesregierung sagt: "...wir müssen akzeptieren, dass die Zahl der Straftaten bei jugendlichen Migranten besonders hoch ist."
Das einzige Problem liegt eurerseits wahrscheinlich darin, dass Frau Merkel noch nicht "gender-freundlich" genug ist, wa? :D
 
Perikles Freitag, 03.Februar 2012, 10:35 Uhr:
Effekthascherei?! Mal ehrlich! Wenn euch nichts besseres einfällt als einen Versprecher derart ins lächerliche zu ziehen.....
Aber lustig war es schon, da geb ich euch recht :-)
 
Roichi Freitag, 03.Februar 2012, 12:04 Uhr:
@ Marco

Versuchst du vom Thema abzulenken?
Oder was sollte das?
 
Björn Freitag, 03.Februar 2012, 16:31 Uhr:
Seitdem Herr Brodkorb weg ist hat das Niveau dieser Seite merklich nachgelassen. Jetzt wird über einen Versprecher schon ein ganzer Artikel geschrieben, samt Bild mit Fotomontage. Das nenn ich mal inhaltliche Ausseinandersetzung.
 
flight93 Freitag, 03.Februar 2012, 20:16 Uhr:
Da Tino Müller mehrere Versprecher hatte und allgemein Schwierigkeiten im Redefluss hatte war es ohnehin lustig,obwohl das eigentliche Thema nicht lustig war.
Müller hatte diesen Waffen-ähh Waffelbau unterschlagen,das mit diesen Raketen nicht zum Mond sondern nach London sollten und in diesen Waffen-Betrieb durch Sträflinge aus Buchenwald in den Hallen arbeiten mussten und diese Sträflinge bestialisch von den Nazis dort behandelt wurden.
Pastörs überrascht mich nicht das der 3.Sitzungen eine eine Pause machen darf,ist doch ständig was mit ihm.
Jooooo die Nazis schossen damals mit Waffeln jäääaaa zum kaputtlachen,die Nazis haben eine an der Waffel.
Marco knallte einen waschechten Off-Topic rein,er will ablenken und zwar richtig,könnte wieder schwierig werden,wenn Björn und Bertl wieder vorbeigucken dann landen wir wieder im Nirwana.
 

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