von Redaktion
   

"60 Kilo Sprengstoff bestellt": Ermittlungen gegen Güstrower Neonazi

In Güstrow im mecklenburgischen Landkreis Rostock waren in den vergangenen Jahren bereits häufiger rechtsextreme Aktivitäten zu beobachten. Nach zahlreichen Attacken, Demos und der zeitweiligen Gründung einer Bürgerwehr kam durch eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Schweriner Landtag nun ein weiterer Sachverhalt ans Licht: Zwei Männer wurden offenbar seit Mai 2016 verdächtigt, eine schwere, staatsgefährdende Straftat vorbereitet zu haben.

Symbolbild: "Sylvesterknaller" von Razza Mathadsa via flickr.com nach CC-Lizenz creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Laut Innenministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern ermittele die Kriminalpolizei nach wie vor gegen zwei Männer, die womöglich "eine oder mehrere" Rohrbomben bauen wollten, berichtet der "Nordkurier" (NK) in seiner Ausgabe von Donnerstag. Die Ursache für die derzeitigen polizeilichen Maßnahmen lägen demnach schon länger zurück. Schon im Mai 2016 sei dem Zoll eine Bestellung von mehr als einem Zentner Pyrotechnik – darin enthalten zehn bis zwölf Kilo Sprengstoff – aufgefallen.

Bauanleitungen für Bomben gegoogelt?

Anschließende Durchsuchungen brachten den Behörden u. a. Zugriff auf Computertechnik, die von den mutmaßlichen Tätern für die Suche nach technischen Details von Bomben und Bauanleitungen genutzt worden sein sollen. Einer der zwei "sei als rechtsextremer Straftäter bekannt und könne der losen Gruppierung 'Aktionsgruppe Güstrow' zugeordnet werden", zitiert der NK eine Ministeriumssprecherin.

Weitere Details zu den Personen wurden aus "ermittlungstaktischen Gründen" bisher jedoch nicht preisgegeben. Die sogenannte „Aktionsgruppe Güstrow“ war in den letzten Jahren Gegenstand der Berichterstattung des Verfassungsschutzes. 

Gesprengte Türen und Briefkästen: "Kein Beweis für Terror"

Nach NDR-Angaben fand die eigentliche Bestellung schon im Jahr 2014 statt. Wie die zuständige Staatsanwaltschaft ebenfalls am Donnerstag gegenüber dem NDR mitteilte, habe sich der konkrete Terrorverdacht aber insofern nicht bestätigt, als dass bisher nicht bewiesen werden konnte, dass "die beiden Güstrower sich tatsächlich Baupläne für Bomben im Internet angesehen haben." Allerdings seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass ausgerechnet in den Jahren ab 2014 – also nach der vermeintlichen Bestellung von kiloweise Pyrotechnik – in Güstrow immer wieder Attacken auf Räumlichkeiten solcher Menschen und Gruppen verübt wurden, die sich gegen Neonazis engagieren. Zum Einsatz kamen dabei immer wieder Sprengkörper mit denen beispielsweise Briefkästen zerstört wurden. 

Unter anderem richteten sich die Angriffe mehrfach gegen die zwischenzeitlich in den Landtag gewählte Karin Larisch (LINKE) und deren Arbeitsstätte "Villa Kunterbündnis". Auch wurde der mittlerweile ebenfalls im Landtag abgeordnete Philipp da Cunha (SPD) zur Zielscheibe, als dieser einen Bandwettbewerb "Nazis den Marsch blasen" der Satire-Initiative "Storch Heinar" auf die Beine stellte.  

Inwieweit sich bei den Ermittlungen ein Zusammenhang zu diesen Taten herstellen lässt, ist offen.

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