1. Mai: NPD zieht durch Erfurt

Die NPD dürfte mit dem Verlauf des 1. Mai zufrieden sein. Rund 700 Anhänger folgten dem Demoaufruf nach Erfurt, darunter ein eigener Block der Partei Die Rechte. Für die von Rückschlägen gebeutelte NPD war dies ein wichtiger Tag, die seit Jahren brach liegende Jugendorganisation durfte an vorderster Front laufen. Zu nennenswerten Störaktionen durch Gegenprotestanten kam es nicht.

„Ja, genau die Presse dort hinten“, schreit der thüringische NPD-Landeschef Thorsten Heise ins Mikrofon und zeigt auf die anwesenden Medienvertreter. Gleich zu Beginn der Demonstration, zu der die rechtsextreme Partei bundesweit mobilisiert hatte, präsentiert sich Heise auf der Bühne eines Transporters und greift genüsslich das von ihm organisierte Neonazi-Festival in Ostritz auf.

Parteivize verharmlost Neonazi-Übergriff

Nur einen Tag vor dem 1. Mai-Aufmarsch war der stellvertretende Bundesvorsitzende erneut bundesweit in den Medien. Zwei freie Fotografen sollen Fotos vom Grundstück Heises in Fretterode gemacht haben, kurz darauf wurden sie von zwei Neonazis verfolgt und verletzt. Es kursieren Fotos, auf denen eine vermummte Person zu sehen ist – es soll sich um einen NPD-Politiker handeln – der mit einem Schraubenschlüssel in der Hand Richtung der fotografierenden Person läuft. Heise präsentiert einen anderen Ablauf der Geschehnisse, redet verharmlosend von einem „Handgemenge“, sucht die Schuld bei den beiden Fotografen. Diese hätten in der kleinen Gemeinde gestört – und ergänzt: „Ihr wisst, was dann passiert.“

1. Mai-Demo ErfurtFotos des Aufmarsches am 1. Mai

Die NPD-Demo konnte offiziell nicht eröffnet werden, immer wieder weist NPD-Funktionär Sebastian Schmidtke darauf hin, dass weiterhin Ordner fehlen würden. Und bittet darum, dass sich Personen melden sollten, um diese Aufgabe zu übernehmen. „Ohne Vorstrafen, bitte – wenn möglich.“

Solidaritäts-Shirts für Ursula Haverbeck

Sascha Krolzig, Bundesvorsitzender der Splitterpartei Die Rechte, tritt an dem Tag als einer der ersten Redner auf. In diesem Jahr fanden zum Tag der Arbeit lediglich zwei Neonazi-Aufmärsche statt – der Dritte Weg lief durch Chemnitz, die NPD rief nach Erfurt, mit Unterstützung der dritten rechtsextremen Partei. Etwa 100 Anhänger waren dem Aufruf gefolgt und erschienen mit Solidaritäts-Shirts für Ursula Haverbeck. Die 89-jährige Holocaust-Leugnerin, die bis heute ihre Haftstrafe in der JVA Bielefeld antreten muss, wurde für Die Rechte zur Spitzenkandidatin für die Europawahl nominiert.

Auf der anschließenden Route ging es auf einer insgesamt rund vier Kilometer langen Strecke südlich vom Hauptbahnhof Erfurts zunächst zum Thüringer Landtag. Der NPD-Vorsitzende Frank Franz zeigt sich sichtlich erfreut über den Block der Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ – ehemals „Junge Nationaldemokraten“ – , die wieder in „alter Stärke“ anzutreffen seien. Der Jugendverband lag seit Jahren brach, mehrere alte Kader waren zur Identitären Bewegung oder zum rechten Netzwerk Ein Prozent abgewandert. Ob die JN auch zukünftig aktions- und kampagnenfähig ist, bleibt indes abzuwarten. Weitere Redner an dem Tag waren der NPD-Europapolitiker Udo Voigt, JN-Chef Christian Häger und Sven Skoda. Musikalisch griff Axel Schlimper zur Gitarre, auch das Duo „Zeitnah“, das am 20. April auf Facebook ihrem „Chef“ zum Geburtstag gratulierte, spielte in Erfurt.

Insgesamt 700 Teilnehmer zählte die Polizei am Dienstag, die NPD erfahrungsgemäß mit „1.000 Nationalisten“ deutlich mehr, rund 1.500 Personen waren im Stadtgebiet bei zahlreichen Gegenprotesten unterwegs. Eine nennenswerte Störung – oder gar Blockade – gelang an dem Tag jedoch nicht.

Für die NPD war der Tag durchaus ein Erfolg, wenn auch mit Unterstützung der politischen Konkurrenz. Die älteste rechtsextreme Partei wird jedoch weiterhin zwischen AfD und den radikaler auftretenden Kleinparteien von Die Rechte und dem Dritten Weg zerrieben, zudem wird sich Parteichef Franz demnächst wohl wieder von dem Bundesverfassungsgericht einfinden, der NPD sollen die Parteigelder gestrichen werden.

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