von Robert Scholz
   

1. Mai: NPD mit Pleite in Greifswald

Gut 500 Anhänger konnte die NPD am 1. Mai nach Greifswald locken. Die Mobilisierung sollte allerdings der einzige Erfolg der NPD bleiben. Insgesamt 12 Blockaden brachten erst den Zeitplan durcheinander, danach konnte die NPD nur eine deutlich verkürzte Strecke laufen. Unterwegs musste der Tross immer wieder anhalten.

Um 11 Uhr sollte die Demonstration der NPD mit dem Motto „Fremdarbeiterinvasion stoppen“ eigentlich beginnen, doch zunächst hatte die Bahn mit den Rechtsextremisten aus dem Osten des Landes 30 Minuten Verspätung, danach warteten die NPDler in Marschformation noch mehr als eine Stunde, weil die vorgesehene Demo-Route von etwa 150 Gegendemonstranten blockiert wurde – eine Situation, an die sich die NPD in Greifswald gewöhnen musste.

Insgesamt 12 Blockaden verhinderten den planmäßigen Aufmarsch durch die Greifswalder Plattenbausiedlung. Immer wieder kam der NPD-Marsch zum Stehen, die Strecke musste mehrfach abgeändert werden. Die Blockaden erinnerten an die Geschichte vom Wettrennen zwischen Hase und Igel. Wo die Rechtsextremisten auch hinkamen, die Gegendemonstranten waren bereits da. In der Schönwalder Straße hatte das Duell dann ein Ende: Etwa 300 Personen blockierten die Straße. Das war offenbar zuviel für die 1.000 eingesetzten Polizeibeamten, die ohne Wasserwerfer auskommen mussten.

So kam es nach fast fünf Stunden zur Abschlusskundgebung. Als Redner trat der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende aus Berlin, Eckart Bräuniger, sowie der Fraktionschef aus dem Schweriner Landtag, Udo Pastörs, auf. Bräuniger warnte vor einer „Völkerwanderung“, durch die seit heute geltende Arbeitnehmerfreizügigkeit. Mit einem geschichtlichen Rückblick gab Bräuniger zu bedenken, dass das Zusammenleben von Deutschen und Polen in den letzten 200 Jahren „nicht immer friedlich“ war. Bräuniger verwies in diesem Zusammenhang auf die Preußenkönige, die „Wehrbauern“ eingesetzt und ihr Landsknechte bewaffnet: „Das hatte einen Grund“. Bräuniger sprach von „polnischen Mordbanden“, „polnischen Todeslisten“ und dem „Irrenhaus Polen“.

Auch Pastörs wollte gegen die Polen hetzen, allerdings spielte ihm die Technik einen Streich. Doch auch daran waren natürlich die Polen Schuld: Die Musikanlage sei „das erste Opfer eines Niedriglohnarbeiters aus Polen“, so Pastörs wörtlich, „der Plus und Minus nicht auseinanderhalten kann“. Pastörs erklärte zudem, was er unter Invasion verstehe: „Für uns bedeutet Invasion, dass biologische Eindringen einer fremden Art auf das Territorium einer Art, die das nicht wünscht.“

Dass auch die 4.000 Greifswalder sich das Eindringen der Rechtsextremisten am 1. Mai nicht gewünscht haben, zeigten sie den NPD-Anhängern eindrucksvoll und vor allem friedlich.

Kommentare(5)

B.C. Sonntag, 01.Mai 2011, 19:11 Uhr:
oh mann ist die begruendung von pastoers peinlich.

ansonsten herzlichen glueckwunsch nach greifswald.
 
Björn Montag, 02.Mai 2011, 16:34 Uhr:
Danke, B.C.

Wie bei solchen Szenarien üblich fühlen sich wieder alle als Sieger. Das ist doch schonmal schön.
Eine fünfstündige Demonstration in einem bevölkerungsstarken Plattenbauviertel mit vielfachen, ungestörten Redebeiträgen kann man nur als großen Erfolg für die nationale Opposition bezeichnen. Eine sehr große Außenwirkung und kaum sicht- und schon gar nicht hörbarer Gegenprotest zusammen mit einer vernünftigen Mobilisierung und einer kilometerlangen Strecke, sowie einer recht üppigen medialen Begleitung ist selbst für noch so realitätsferne Anti-Rechtler nicht als Niederlage für die NPD wertbar. Was natürlich nicht heißen muss das es keiner versucht.

Dazu nochmal meinen Dank an die immergleichen Blockierer, die Dank der Frau des Ordnungsamtsleiters dafür sorgten das die beinahe marathonverdächtige Marschroute doch nicht bis zu Ende und damit bis in die Nacht hinein gelaufen werden mußte.
Fünf Stunden Demo sind mir persönlich jedenfalls reichlich genug.
Und so habt ihr wenigstens auch noch ne Kleinigkeit die ihr als Erfolg verkaufen könnt.

Ansonsten hat Herr Scholz in der Redezusammenfassung nur noch die Erwähnung des Brombergen Blutsonntages vergessen, der auch den wenigen anwesenden Linken wohl kein Begriff war. Zumindest wurden sie alle ganz still und lauschten Herrn Bräunigers Worte.
Tja wie stand es auf MUPinfo so treffend. Bildung fetzt!
 
B.C. Dienstag, 03.Mai 2011, 09:17 Uhr:
wenn sie soviel spass dabei hatten, dann kann ich ihnen ja auch gratulieren.
5 stunden vielleicht 5 kilometer sind fuer sie marathonverdaechtig? find ich gut, dass sie sich ziele setzen...
 
Amtsträger Dienstag, 03.Mai 2011, 09:54 Uhr:
Wer behauptet, es gäbe bei der Ausübung des Versammlungsrechts Sieger und Verlierer, hat das Grundrechtsprinzip nicht verstanden.
Sie sollen sich mit Ihrer Versammlung am politischen Willensbildungsprotest beteiligen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Die Reduktion einer Versammlung auf den "Kampf" mit Kritikern, wird dem Grundrecht selbst nicht gerecht.
 
Björn Dienstag, 03.Mai 2011, 17:19 Uhr:
"wenn sie soviel spass dabei hatten, dann kann ich ihnen ja auch gratulieren."

Danke, danke.
 

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