von Redaktion
   

Zwei Mal verhindert, ein Mal nicht: Die Neonazi-Konzert-Bilanz der letzten drei Wochen in Viereck

Trotz einer baurechtlichen Einschränkung, dass der „Schweinestall“ in Viereck bei Pasewalk nicht für Veranstaltungen genutzt werden darf, geben sich auf dem Gelände Neonazis weiter munter die Klinke in die Hand. Drei Konzerte – zwei davon wurden von der Polizei verhindert – waren alleine in den letzten drei Wochen anberaumt. Bei der erfolgreichen Durchführung machte sich die Szene dabei den Einsatz der Beamten bei einem Spiel von Hansa Rostock zunutze.

Gehege 3 (Foto: Oliver Cruzcampo)

In der Neonazi-Szene von Mecklenburg-Vorpommern gelten behördliche Auflagen nicht viel. Eine dieser Verfügungen besagt nämlich, dass im „Schweinestall“ in Viereck bei Pasewalk keine Konzertveranstaltungen über die Bühne gehen dürfen. Grund ist eine baurechtliche Einschränkung. Doch die Organisatoren einschlägiger Hassmusikevents setzten sich hierüber offensichtlich sehenden Auges hinweg.

Alleine an den letzten drei Wochenenden sollten in dem bekannten Szeneobjekt, auf dessen Gelände im Sommer 2012 das Pressefest der NPD-eigenen Postille Deutsche Stimme mit rund 1.000 braunen Gästen stattfand, drei Konzerte musikbegeisterte Neonazis zum Singen und Tanzen bringen. Während zwei der geplanten Treffen durch Polizeikräfte verhindert wurden, verlief eine weitere Veranstaltung am 25. Oktober für die Organisatoren ohne Probleme. Zwei Wochen zuvor hatte sich die Situation noch anders dargestellt. Die angereisten Konzertteilnehmer ließen ihren Frust über die geplatzte Veranstaltung an der Polizeibeamten vor Ort aus. Das Auftreten der mehr als 100 Rechtsrock-Fans sei seinerzeit äußerst aggressiv gewesen, die Beamten wurden mit Steinen und Flaschenwürfen attackiert. Dabei wurden vier Gesetzeshüter leicht verletzt.

Trotzdem waren die Auseinandersetzungen mit der Polizei für die Macher vor Ort kein Grund, zukünftig kürzer zutreten. Für den zweiten Anlauf am 25. Oktober hatten sie sich eine andere Strategie zurecht gelegt. Da an diesem Wochenende einige Veranstaltungen eine höhere Polizeipräsenz erforderten – ein Großaufgebot sicherte die Begegnung von Hansa Rostock gegen den Halleschen F. C. ab –, verzichtete die Einsatzleitung darauf, gegen die feiernden Neonazis vorzugehen. Dem „Nordkurier“ sagte eine Sprecherin, aufgrund der Angriffe auf ihre Kolleginnen und Kollegen sei die Entscheidung gefallen, „dort nicht nur eine Handvoll Polizisten hinzuschicken“. Außerdem hätten die zuständigen Stellen erst sehr spät, nämlich gegen 21.30 Uhr, von der konspirativ organisierten Zusammenkunft erfahren. Die abrückenden Konzertbesucher seien dann durch Kontrollen geleitet worden.

Gegenüber ENDSTATION RECHTS. bestätigte die Polizeiinspektion Anklam, in Viereck seien an diesem Tag rund 30 Fahrzeuge gezählt worden, die überwiegend in Mecklenburg-Vorpommern zugelassen waren. Über die Herkunft oder die Zahl der an diesem Abend auftretenden Bands und Künstler lägen den Ermittlern keine Erkenntnisse vor. Mittlerweile sind durch eine Kleine Anfrage einer Linken-Abgeordneten an die Bundesregierung (pdf-Dokument) Details bekannt geworden. So hätten an diesem Abend die beiden Hass-Gruppen „Helle und die RACer“ und „Pitbullfarm“ auf der Bühne gestanden. 

An diesem Sonnabend standen der Polizeispitze dann scheinbar wieder genug Einsatzkräfte zur Verfügung, um klare Kante zu zeigen. Mehr als 100 Polizisten, darunter Beamte des Landesbereitschaftspolizeiamtes Mecklenburg-Vorpommern, verhinderten ein erneutes Konzert im „Schweinestall“. Nach Angaben der Polizei sei die Veranstaltung zuvor als „private Feier“ angemeldet worden. Insgesamt seien neun Platzverweise ausgesprochen worden. Zu Störungen sei es nicht gekommen. Dieses Mal.

Kommentare(2)

Björn Montag, 04.November 2013, 20:52 Uhr:
Es ist doch immer wieder schön zu erleben, wie besorgt der Staat um die Gesundheit der "Rechten" ist und sie vor baulichen Gefaren im ehemaligen Schweinestall schützen möchte. Wer meint, dies seien nur Repressalien um den "Rechten" die Grundrechte zu beschneiden, der muss Opfer von Verschwörungtheorien sein.
 
Chewie Dienstag, 05.November 2013, 10:01 Uhr:
@ Björn:

Genau. denn baurechtliche Verordnungen gelten allesamt nur für Nazis. Der Flughafen in Berlin wird auch alleine deswegen nicht freigegeben, um Nazis das Reisen zu erschweren. Schlimmer als in der DDR!
Und für Verschwörungstheorien ist ja schließlich nachher noch genug Zeit, wenn aufgrund der baulichen Beschaffenheit des "Schweinestalls" etwas schlimmeres passiert. Dann sind nämlich auch wieder die anderen Schuld.
Aber weisst du was...wenns nach mir ginge, dürftet ihr Eure Veranstaltungen auch auf einer Milzbrandinsel abhalten.
 

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