von Oliver Cruzcampo
   

„Wir als Extremisten“ – NPD zieht durch Stralsund

Die einzige rechtsextreme Demonstration in Norddeutschland fand am gestrigen 1. Mai in Stralsund statt, durchgeführt vom NPD-Landesverband, der seit der Wahlniederlage im September erstmals wieder auf die Straße ging. Während dort rund 250 Rechtsextreme durch die Hansestadt zogen, bevorzugten 10 Neonazis, in Rostock lieber eine Gewerkschaftsdemo zu stören.

Knapp 250 NPD-Anhänger versammelten sich am Montagmittag am Stralsunder Hauptbahnhof für den diesjährigen Aufzug der rechtsextremen Partei, nach dem gescheiterten Verbotsverfahren wurde als Motto „Sozial – national – legal“ ausgegeben; aufgrund rückläufiger Mitgliedszahlen muss die NPD verstärkt um neue Anhänger werben.

Die Route führte die Demonstranten zum Neuen Markt in der Altstadt, wo eine kleine Bühne aufgebaut wurde und mehrere Personen ans Pult geschickt wurden. Neben den seit Jahren als Redner gesetzten Parteifunktionären Udo Pastörs und Stefan Köster, durften sich in diesem Jahr mit Daniel Carlsen von der dänischen Kleinstpartei „Partei der Dänen“ auch der schwedische Dan Eriksson an das Publikum wenden. Wie bereits im Vorjahr, als dem Aufruf zur 1. Mai-Demo 430 Personen gefolgt waren, hatte sich auch der Bundesvorsitzende Frank Franz eingefunden und hielt eine Rede.

Gegendemonstranten über acht Stunden im Kessel

Indes wurde eine Gruppe von knapp 100 Neonazi-Gegnern, die über zwei Stunden vor Ankunft der NPD-Teilnehmer sofort durch Polizeieinsatzkräfte gekesselt und dort über acht Stunden festgehalten wurden. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, einige Personen hätten verbotene Gegenstände mit sich geführt.

Die mehrere Kilometer lange Strecke führte anschließend in Plattenbauviertel im Nordwesten, wo eine zweite Kundgebung durchgeführt und erneut Köster und Pastörs ans Mikrofon traten. Der 64-jährige ehemalige Fraktionsvorsitzende will in Mecklenburg-Vorpommern Spitzenkandidat seiner Partei zur Bundestagswahl werden, doch dafür müssen noch Unterstützungsunterschriften gesammelt werden. Mehrere Funktionäre waren am Montag mit entsprechenden Listen zu sehen, um einen Antritt überhaupt zu ermöglichen.

NPD-Kader fehlen

„Wenn du ohne Manuskript unterwegs bist, dann wird’s oft juristisch eng“, begann Pastörs seine zweite Rede und bezog sich damit auf eine Aussage des Landeschefs Köster. Aus dem Grunde hätte er sich fest vorgenommen, „sich heute nicht strafbar zu machen.“ Dennoch konnte der NPD-Politiker nicht aus seiner Haut, sprach von einer „24-Stunden-Synagoge“, womit das Fernsehen gemeint sei. Ein weiteres Thema begann Pastörs mit: „Wir als Extremisten...“. Inhaltlich drehte es sich oft um das Thema Flüchtlinge, die Redner der NPD versuchten, diese Gruppe gegen sozial Schwächere auszuspielen.

Unterstützung bekam der Landesverband in diesem Jahr von angereisten Gruppen aus Berlin und Schleswig-Holstein, auffällig war allerdings das Fehlen einiger Kameradschaften aus dem hiesigen Bundesland. Mehrere Kameradschaftsmitglieder und Kader, die über Jahre bei der NPD-Fraktion in Lohn und Brot standen und seitdem Gewerbe angemeldet haben, ziehen es offensichtlich vor, ihr Gesicht nicht mehr auf öffentlichen Veranstaltungen der rechtsextremen Partei zu zeigen.


Rund zehn Neonazis störten eine DGB-Demo in Rostock

Eine weitere Gruppe, die sich nicht dem NPD-Marsch anschließen wollte, bestand aus rund zehn Kameradschaftlern, die in Rostock eine DGB-Demonstration stören wollten. Die Rechtsextremen, die teilweise vermummet auftraten, durften eine Spontandemonstration durchführen und provozierten mit einem Banner, auf dem eine „Schutzhaft“ gefordert wurde – ein Begriff aus der Nazizeit. In einigem Abstand wollten sie der Gewerkschafts-Demonstration hinterherlaufen, ergriffen dann jedoch die Flucht.

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Kommentare(4)

BrechtLeser Dienstag, 02.Mai 2017, 18:35 Uhr:
Danke für den Bericht.

p.s. die Verlinkung zur Flickr Galerie funktioniert nicht.
 
mariposa Mittwoch, 03.Mai 2017, 10:02 Uhr:
auf dem Link zur Pressemitteilung der Polizei Stralsund, werden Tatsachen verdreht und glatt gelogen. "Ein Angebot, sich nach entsprechender Kontrolle dem friedlichen Protest an der gegenüberliegenden Mahnwache anzuschließen, wurde nicht angenommen." - Dieses Angebot wurde zu keiner Zeit wirklich gegeben - mehrere Menschen aus dem Kessel hatten sich auf diese Durchsage bei der Polizei gemeldet, um dieses Angebot anzunehmen, wurden allerdings abgelehnt - eine reine Farce.
"Stattdessen versuchten sie, die Umstellung zu durchbrechen, woraufhin auch Pfefferspray durch die Polizei eingesetzt wurde." - "sie" waren in diesem Fall ca zehn Menschen - diese kleine Gruppe kollektiv auf die Großgruppe zu münzen ist schlichtweg eine Verdrehung der Tatsachen (ganz unabhängig davon, ob vielleicht der Durchbruchversuch aufgrund der Unverhältnismäßigkeit der Polizei auch gerechtfertigt sein kann).
Dahingegen kein Wort in dem Artikel von 8 1/2 Stunden Freiheitsentzug von größtenteils friedlichen Demonstrierenden, bei denen keinerlei "verbotene Gegenstände" gefunden werden konnten und von der kollektiven Kriminalisierung, entwürdigenden Durchsuchungen, etc. Und auch nicht davon, dass urplötzlich Gründe für die Durchsuchungen und Personalienaufnahme scheinbar geändert wurden - anscheinend wurden nicht genug "verbotene Gegenstände" gefunden, kurzerhand haben die Demonstrierenden dann halt versucht den Aufzug der NPD zu verhindern - an einer Stelle, wo keine Zugangsstraße o.Ä. blockiert war...
 
nurmalangemerkt Mittwoch, 03.Mai 2017, 15:10 Uhr:
"Spontandemonstration durchführen und provozierten mit einem Banner, auf dem eine „Schutzhaft“ gefordert wurde – ein Begriff aus der Nazizeit."

Inselbegabung in Geschichte? Guckst Du hier.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzhaft_(K%C3%B6nigreich_Preu%C3%9Fen)
 
Roichi Freitag, 05.Mai 2017, 21:11 Uhr:
@ nurmalrumgelabert

Es hilft, nicht nur die einem genehmen Teile von Artikeln zu lesen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzhaft
Das vermeidet Inselbegabungen und deren offensichtliches Reproduzieren in Schriftform.
 

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