„Wir als Extremisten“ – NPD zieht durch Stralsund
Knapp 250 NPD-Anhänger versammelten sich am Montagmittag am Stralsunder Hauptbahnhof für den diesjährigen Aufzug der rechtsextremen Partei, nach dem gescheiterten Verbotsverfahren wurde als Motto „Sozial – national – legal“ ausgegeben; aufgrund rückläufiger Mitgliedszahlen muss die NPD verstärkt um neue Anhänger werben.
Die Route führte die Demonstranten zum Neuen Markt in der Altstadt, wo eine kleine Bühne aufgebaut wurde und mehrere Personen ans Pult geschickt wurden. Neben den seit Jahren als Redner gesetzten Parteifunktionären Udo Pastörs und Stefan Köster, durften sich in diesem Jahr mit Daniel Carlsen von der dänischen Kleinstpartei „Partei der Dänen“ auch der schwedische Dan Eriksson an das Publikum wenden. Wie bereits im Vorjahr, als dem Aufruf zur 1. Mai-Demo 430 Personen gefolgt waren, hatte sich auch der Bundesvorsitzende Frank Franz eingefunden und hielt eine Rede.

Gegendemonstranten über acht Stunden im Kessel
Indes wurde eine Gruppe von knapp 100 Neonazi-Gegnern, die über zwei Stunden vor Ankunft der NPD-Teilnehmer sofort durch Polizeieinsatzkräfte gekesselt und dort über acht Stunden festgehalten wurden. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, einige Personen hätten verbotene Gegenstände mit sich geführt. Die mehrere Kilometer lange Strecke führte anschließend in Plattenbauviertel im Nordwesten, wo eine zweite Kundgebung durchgeführt und erneut Köster und Pastörs ans Mikrofon traten. Der 64-jährige ehemalige Fraktionsvorsitzende will in Mecklenburg-Vorpommern Spitzenkandidat seiner Partei zur Bundestagswahl werden, doch dafür müssen noch Unterstützungsunterschriften gesammelt werden. Mehrere Funktionäre waren am Montag mit entsprechenden Listen zu sehen, um einen Antritt überhaupt zu ermöglichen.NPD-Kader fehlen
„Wenn du ohne Manuskript unterwegs bist, dann wird’s oft juristisch eng“, begann Pastörs seine zweite Rede und bezog sich damit auf eine Aussage des Landeschefs Köster. Aus dem Grunde hätte er sich fest vorgenommen, „sich heute nicht strafbar zu machen.“ Dennoch konnte der NPD-Politiker nicht aus seiner Haut, sprach von einer „24-Stunden-Synagoge“, womit das Fernsehen gemeint sei. Ein weiteres Thema begann Pastörs mit: „Wir als Extremisten...“. Inhaltlich drehte es sich oft um das Thema Flüchtlinge, die Redner der NPD versuchten, diese Gruppe gegen sozial Schwächere auszuspielen. Unterstützung bekam der Landesverband in diesem Jahr von angereisten Gruppen aus Berlin und Schleswig-Holstein, auffällig war allerdings das Fehlen einiger Kameradschaften aus dem hiesigen Bundesland. Mehrere Kameradschaftsmitglieder und Kader, die über Jahre bei der NPD-Fraktion in Lohn und Brot standen und seitdem Gewerbe angemeldet haben, ziehen es offensichtlich vor, ihr Gesicht nicht mehr auf öffentlichen Veranstaltungen der rechtsextremen Partei zu zeigen.
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