von Tim Schulz
   

Was ist übrig von Cegida?

Gerade einmal 100 Teilnehmer fanden sich am 9. November zur Cegida-Demo in Chemnitz ein. Schwer vorstellbar, dass die rechte Gruppe noch vor zwei Jahren mehrere hunderte Menschen anzog.

Bereits im Sommer waren die Teilnehmerzahlen von Cegida stark rückläufig

Als der Hype um Pegida in Dresden seinen Höhepunkt erreichte, bildeten sich vielerorts mehr oder weniger erfolgreiche Ableger. Auch in Chemnitz versuchte man regelmäßige Proteste unter dem bekannten Gida-Label zu etablieren. Nach anfänglichen Mobilisierungserfolgen jedoch schrumpfte die Gruppe aufgrund mangelnden Interesses auf einen Bruchteil dessen zusammen.

Selbst Petra Federau kann daran wenig ändern. Der Auftritt der skandalträchtigen AfD-Frau war nicht der erste in Chemnitz. Im August etwa sprach Federau dort über ihren „Parteifreund Höcke“ und bekundete ihre Sympathie zum Rechtsaußen-Flügel ihrer Partei. Vor ihr zog es auch schon Hans-Thomas Tillschneider, Vorsitzender der Patriotischen Plattform, nach Chemnitz. Wie auch das Dresdener Vorbild, bietet Cegida eine beliebte Bühne für den rechten Rand der AfD.

Wendepathos und Opferrolle

Anlässlich des historischem Datums beschwor Federau am Donnerstag jedoch vor allem fleißig den Mythos der friedlichen Revolution. Immer wieder bemühte sie ein Bild der heutigen Bundesrepublik als Unrechtsstaat, in dem Andersdenkende „bespitzelt, denunziert, diffamiert und ausgegrenzt, existenziell und körperlich bedroht“ werden. Der Rassismus, der bei Pegida-Demos zutage tritt, wird so zum legitimen Protest unterdrückter Bürger verklärt. Pegidisten zu Revolutionären.

Auch Theo Lehmann ist Stammredner des Chemnitzer Pegida-Ablegers. Der evangelikale „Wendepfarrer“, der bereits 2004 „KZ-fähige Christen“ forderte und dies unter dem Eindruck der sogenannten Flüchtlingskrise bekräftigte, äußerte sich ähnlich. Die Freiheit sei in Gefahr durch Merkel und den „Islam-Terror“, so der O-Ton. Und er steht nicht alleine da: Erst kürzlich kam es zum Eklat, als die DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld öffentlich mit Frauke Petry auftrat. Einige ehemalige Oppositionelle avancieren in der Pegidabewegung scheinbar zu wichtigen Identifikationsfiguren.

In die Bedeutungslosigkeit

Trotzdem schafft es die Gruppierung in Chemnitz kaum, an alte Höhepunkte anzuknüpfen. Über 600 Demonstranten in der Chemnitzer Innenstadt – das war Anfang 2015. Viel für lokale Verhältnisse, jedoch wenig überraschend angesichts der Einbindung verschiedener rechter Initiativen aus dem Umland und der medialen Omnipräsenz von Pegida in Dresden.

Mittlerweile verzeichnet die sogenannte Bürgerbewegung kaum mehr dreistellige Teilnehmerzahlen, teilweise sind auf den Demonstrationen nicht einmal Lautsprecher nötig. Im öffentlichen Leben spielt Cegida kaum mehr eine Rolle, was bei deren führenden Köpfen für Unmut sorgte. Wiederholt äußerten Organisatoren und Redner ihre Enttäuschung über den geringen Zuspruch.

Darunter auch Steffen Musolt, Führungsfigur von Cegida (aktuell „Pegida Chemnitz Westsachsen“). Musolt wirkte bereits bei der Vorläuferorganisation „Chemnitz wehrt sich“ mit, welche immer wieder mit rechtsextremen Anhängern auffiel. Ob Cegida einen anderen Weg geht, ist mehr als fraglich.

Vielmehr scheint die Anlehnung an Pegida Marketing zu sein, die Distanzierung von jeglichem Extremismus ein Lippenbekenntnis: Immerhin versammeln sich unter diesem Banner in Chemnitz nicht nur die vielbeschworenen „besorgten Bürger“, sondern auch Gruppierungen aus dem rechtsextremen Spektrum, wie die neonazistische Hooligangruppe „NS-Boys“.

Letztlich ergeht es Cegida wie auch den anderen Ablegern in ganz Deutschland. Nach dem großen Hype gelingt es kaum längerfrisitg Menschen zu mobilisieren, das mediale Interesse versiegt und was übrig bleibt ist ein kleiner, irrelevanter Kern.

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