von Konrad D. Fromm
   

Wahl NRW: Rechtsaußen wird die Luft sehr dünn

Die Wahlniederlage der SPD, die Mehrheit für Schwarz-Gelb, der Einzug der AfD – all das überlagert am Tag nach der Wahl die Ergebnisse am rechten Rand bei der Landtagswahl in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland. Denn obwohl gegenüber 2012, als nur die NPD zur Wahl antrat, dieses Mal gleich drei Parteien des rechten Randes um die Wählergunst buhlten, erzielten diese zusammen noch einmal weniger Stimmen als vor fünf Jahren die NPD allein.

Von 40.007 Zweistimmen 2012 sackte die NPD ab auf nunmehr lediglich 28.933 Stimmen bzw. 0,3 Prozent. Und selbst wenn man die Ergebnisse von Die Rechte (3.618 Stimmen) und Die Republikaner (6.586 Stimmen) hinzuzählt, die 2012 nicht in NRW angetreten waren, so bleibt in der Summe ein Verlust von 870 Stimmen für den „rechten Block“. In Prozenten machte das für Die Rechte, Republikaner und NPD: 0,0 Prozent, 0,1 Prozent, 0,3 Prozent. Der einzige Ort in Nordrhein-Westfalen, an dem es für das rechte Spektrum mehr Prozente gab, dürfte das Dortmunder Rathaus gewesen sein, wo 50 Neonazis die offizielle Wahlparty begingen. Von Feiern dürfte angesichts der kläglichen Ergebnisse nicht die Rede gewesen sein.

Dabei waren die Ausgangsvoraussetzungen, was „typisch rechte Themen“ anbelangt, gar nicht schlecht. Gerade in NRW, wo das Thema „Ausländerkriminalität“ von den drei Parteien perfekt gespielt werden konnte, verfingen die drei Splitterparteien mit dieser Strategie nicht. Am ehesten profitierte von diesen Themen noch die Alternative für Deutschland, wenngleich auch diese hinter ihren Erwartungen zurück blieb.

Und noch etwas zeigte sich in NRW sehr deutlich: Der Nimbus, dass die AfD in Größenordnungen Nichtwähler mobilisiere, ist schlichtweg falsch. Lediglich knapp ein Fünftel ihrer Wählerschaft (7,4 Prozent) bzw. 120.000 Stimmen rekrutierte die AfD aus dem Nichtwählerspektrum – genauso viele wie auch die FDP. Die Hälfte ihrer Wähler kam von kleineren und Kleinstparteien.

Kommentare(3)

Don Geraldo Dienstag, 16.Mai 2017, 11:06 Uhr:
Woher kommt den die Erkenntnis, daß die AfD nur einen kleinen Teil ihrer Stimmen von den bisherigen Nichtwählern bekommen hat ?
Doch nicht etwa von den Demoskopen ?
Etwa die gleichen Demoskopen, die für NRW ein Kopf an Kopf-Rennen zwischen SPD und CDU vorhergesagt haben ?
Demoskopie ist Kaffesatzleserei, die Fakten sagen etwas anderes:
Die AfD ist in NRW in den dreizehnten Landtag in Folge eingezogen, und bei all diesen Wahlen war ein deutlicher Anstieg der Wahlbeteiligung zu erkennen.
Daß die zusätzlichen Wähler bisherige Nichtwähler waren ist ein logische Schlußfolgerung, dazu brauche ich keine Demoskopen.
Daß ein Großteil dieser zusätzlichen Wähler gewählt haben, weil das Angebot an zu wählenden Parteien sich geändert hat ist eine Hypothese, genauso wie wie die Behauptung, ein Großteil dieser Stimmen sei an die AfD gegangen.
Diese Hypothesen sind weder beweisbar noch widerlegbar, während die Verläßlichkeit der Aussagen der Demoskopen regelmäßig mit den Wahlergebnissen widerlegt werden.
 
Roichi Dienstag, 16.Mai 2017, 22:22 Uhr:
@ Don

Wenn man keine Ahnung hat....
solltest du das auch beherzigen.

Demoskopie ist wesentlich mehr, als du dir vorstellen willst.
Ebenso wie die Vorstellung deiner Hypothesen tatsächlich jeglicher Grundlage entbehrt.
Das sind aber auch nicht die Ausagen der Demoskopen, sondern deine Hypothesen.

Wenn du dich dann also mal informiert hast, was Demoskopie wirklich ist und wie dort gearbeitet wird und dann noch die tatsächlichen Aussagen der Demoskopen nimmst, können wir bestimmt auch über Effekte von Mobilisierung, Wahlbeteiligung und Wählerwanderung reden.
Bis dahin fehlen dir schlicht die Voraussetzungen für solch eine Debatte.
Und dein Empfinden ist keine Voraussetzung für solch eine Debatte. Fakten sind eine. Dafür braucht man aber auch Methoden jenseits des Empfindens.

Für den Einstieg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Meinungsforschung
https://de.wikipedia.org/wiki/Zufallsstichprobe#Wahlbefragung

Der Rest ist dann entsprechend in den dort verlinkten Artikeln nachlesbar, oder natürlich in der Literatur, die angegeben ist.
 
Konrad D. Fromm Donnerstag, 18.Mai 2017, 12:13 Uhr:
Werter Gerald irgendwas,

es ist eine wohl gepflegte Mär der AfD, dass sie die Partei sei, die die Nichtwähler mobilisiere. Das ist in Teilen auch durchaus richtig. Die Zuspitzung politischer Debatten, die durch die radikalen Positionen der AfD erzeugt wird, sorgt tatsächlich MIT dafür, dass mehr Menschen wählen gehen. Es ist jedoch völlig falsch und nicht haltbar, anzunehmen, die bisherigen Nichtwähler würden jetzt plötzlich alle AfD wählen, weil die das einzig vernünftige Angebot seien. Das stimmt nicht.

Vielmehr leben wir allgemein in politisch durchaus bewegten Zeiten, in denen Menschen deutlich häufiger dazu neigen, per Wahlentscheidung an demokratischen Prozessen teilzunehmen. Und dabei wählen sie dann aus dem gesamten Spektrum der Parteienlandschaft aus, nicht nur aus dem deutsch-nationalen.

Bei jeder Landtagswahl gibt es so genannte Nachwahlbefragungen, d.h. es werden Wähler NACH vollzogenem Wahlakt bezüglich ihres aktuellen und bezüglich früheren Wahlverhaltens befragt. Anhand dieser Daten kann man durchaus Rückschlüsse darauf ziehen, woher die Wähler der jeweiligen Parteien stammen. Für NRW ist das Ergebnis sehr eindeutig: zur Hälfte von Klein- und Splitterparteien, lediglich zu einem Fünftel aus dem Lager der Nichtwähler.
 

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