von Redaktion
   

Vertonter Hass - Neonazi-Bands werden indiziert

Für die Nachwuchsgewinnung spielt Musik für Neonazis eine gewichtige Rolle. Deshalb strengen die Behörden immer mehr Verfahren an, um Veröffentlichungen von Hassbands zu indizieren oder sogar zu verbieten. Als besonders eifrig hat sich dabei das brandenburgische Landeskriminalamt erwiesen, das in zehn Jahren 530 Tonträger aus dem offiziellen Verkehr ziehen konnte. Im letzten Jahr wurden 28 Verfahren gegen Neonazi-CDs erfolgreich abgeschlossen. Darunter befindet sich mit der „Liebenfels Kapelle“ auch eine bekanntere Formation aus Mecklenburg-Vorpommern.

Lunikoff-T-Shirt (Foto: Fabian Boist)

„Vergangene Zeiten“ von „1488“, „Todesmarsch“ von „Erschießungskommando“, „Das Experiment gemacht“ von „Holocaust Storm“ oder der von „Blut und Boden“ herausgebrachte Tonträger „Jetzt ist Schluss“ – diese vier Veröffentlichungen von Neonazi-Bands haben etwas gemeinsam: Sie landeten auf Initiative des Landeskriminalamtes Brandenburg (LKA) auf der sogenannten Liste B der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM) und sind damit verboten. Insgesamt strengten die Beamten im vergangenen Jahr 63 Verfahren gegen einschlägige Veröffentlichungen an, von denen 37 auf den Index gesetzt wurden (pdf-Dokument), teilte das Innenministerium des Landes gestern mit.

Allerdings wurden nicht alle der begutachteten Alben 2013 herausgebracht. Der Longplayer „Vergangene Zeiten“ mit Songs wie „Bier“, „Demokratie“ oder „Siegeszug“ von „1488“ erschien vor knapp 20 Jahren. Zu den neueren Tonträgern gehört „Erhebe Deine Stimme“ der „Liebenfels Kapelle“ (2012) aus dem Raum Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern. Die Band gilt als Ableger von „Skalinger“, in deren Diskographie sich gleich mehrere indizierte CDs finden. Dazu gehören u. a. „Der Hass regiert“ mit den Songs „Adolf Hitler“ oder „Skinhead“ aus dem Jahr 1997 sowie „Heim ins Reich“, auf dem Lieder wie „Horst Wessels“, „Heim ins Reich“ bzw. „Der weiße Sturm“ enthalten sind (1999).

Den Löwenanteil der von den Experten ins Visier genommenen CDs, Schallplatten oder Demotapes machen nach wie vor Produkte der Neonazi-Szene aus. Nach Informationen des Hauses von Innenminister Ralf Holzschuber (SPD) seien auch Tonträger anderer Bands beanstandet worden. „So stellte das LKA im vergangenen Jahre 13 Indizierungsanträge zu CDs linksextremistischer Musikbands, von denen bereits neun positiv beschieden wurden“, heißt es hierzu in einer Pressemitteilung. Der Ressortchef sagte: „Wir brauchen den Widerstand der Zivilgesellschaft gegen die skrupellose Hetze und Gewaltverherrlichung extremistischer Musikgruppen. Gleichzeitig müssen auch die Behörden alle rechtsstaatlich zu Gebote stehenden Mittel im Kampf gegen Hassmusik ausschöpfen. Dazu gehören auch Indizierungen. Denn Musik ist und bleibt ein beliebtes Mittel von Extremisten, junge Leute mit demokratiefeindlichen und menschenverachtenden Ideologien zu infiltrieren.“

Nach Erkenntnissen des Landesverfassungsschutzes sind in Brandenburg 24 rechtsextremistische Musikgruppen aktiv. Zu diesen gehören beispielsweise „Frontalkraft“ aus Cottbus, „Hassgesang“ aus Teltow und „Uwocaust“ aus der Landeshauptstadt Potsdam. Vier der 2013 indizierten CDs seien diesen einheimischen Kapellen zuzuschreiben. Insgesamt hätten die zwei Dutzend Hass-Bands im letzten Jahr sechs Platten auf den Markt gebracht.

Das LKA Brandenburg konnte seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2004 die Indizierung von 530 Tonträgern durchsetzen. 82,5 Prozent aller im Jahr 2012 durch deutsche Polizeibehörden angeregten Indizierungen kamen von den Beamten des Bundeslandes. Die Erfolgsquote liegt laut Eigenangabe bei etwa 90 Prozent.

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